Ach so - "kein Kampf für das Christentum"

Der schleichenden Katze Hitlerregime, wurde durch die sogenannte "Bekennende Kirche" ein Glöcklein ans Bein gebunden. Sehr zum Verdruss der religiösen Nazis, die sich da "Deutsche Christen" nannten, wagten es einige ihnen Paroli zu bieten. Das Hitlerregime war anfänglich etwas verunsichert, wie es darauf reagieren sollte, denn das war in seiner Regieplanung eigentlich nicht vorgesehen. Ganze Bibliotheken sind inzwischen schon vollgeschrieben worden, über diesen Konflikt zwischen den Nazis und dem konventionellen Christentum.

Aufsehen erregte in der zeitgenössischen Berichterstattung besonders der Fall Martin Niemöller. Auch Niemöller, einer der führenden Köpfe der "Bekennenden Kirche", wurde eines Tages unter spektakulären Umständen in ein Konzentrationslager verfrachtet. Nur, handelte es sich hierbei um jemanden, der in der Öffentlichkeit bereits bekannt war und zugleich hatte sein Fall für das Ausland Signalwirkung.

Auch das "Trost" kam am 1. 4. 1938 auf seinen Fall zu sprechen. In dem diesbezüglichen Kommentar wurde ausgeführt:

"An sich ist es erfreulich, zu sehen, dass in Deutschland, diesem jetzigen Land der krummen Buckel und verbogenen Rückgrate, jemand soviel Zivilcourage aufbringt wie dieser Pastor; und erbärmlich die Feigheit, mit der das Regime einer öffentlichen mannhaften Diskussion auch in diesem Prozess aus dem Wege gegangen ist. Denn genau genommen ist der Prozess auf kaltem Wege einfach abgetan worden, offenbar auf Weisung von oben.

Der ganze Vorgang bietet Gelegenheit, sich mit der 'Bekenntniskirche' in Deutschland einmal näher zu befassen. Erinnern wir uns einiger der jüngsten geschichtlichen Ereignisse:

Mit Lüge, Liest und Terror schwang sich der Nationalsozialismus in die Macht und erstickte alle Freiheit auf jedem Gebiete des geistigen Lebens. 'Gleichschaltung' hieß diese Kulturschande. Und nahezu alles wurde gleichgeschaltet, ließ sich gleichschalten, meist ohne Widerstand.

'Totalitärer Staat' nannte man den Moloch, dem jede freiheitliche Meinung und ehrliche Überzeugung geopfert werden sollte. Der Staat als höchste und letzte Autorität über alles, was Geist und Leib seiner Bürger betrifft! Also die Vergottung einer menschlichen Regierungsform, die Diktatur auch über die Gewissen der Menschen. In dieser Frage ist Pastor Niemöller, als Führer der 'Bekenntnischristen', mit den Führern des Dritten Reiches zusammengestoßen. Das ist doch christlicher Widerstand, nicht wahr?

Nicht unbedingt! Wer den staatlichen Totalitätsanspruch verneint, braucht deswegen noch kein Christ zu sein. Ein solcher Autoritätsanspruch verletzt die Rechte, die der Mensch von Natur aus hat und für die er kämpfen sollte. Aber wenn der Mensch das tut, wenn er dafür kämpft, bedeutet das nicht ohne Weiteres, dass er für Gott kämpft.

Nach gründlicher Betrachtung muss man einsehen, dass die Bekenntniskirche in Deutschland zwar einen Religionskampf, aber keinen Kampf für das Christentum führt."

In der gleichen Ausgabe des "Trost" ist noch ein weiterer bemerkenswerter Kommentar mit Bezugnahme auf die "Bekennnende Kirche" abgedruckt. Er schließt mit dem programmatischen Satz: "Wie gut, dass es so ist!" Damit wollte man zum Ausdruck bringen, dass man die fehlende Unterstützung der öffentlichen Meinung, eigentlich nur als Bestätigung für die Richtigkeit des eigenen eingeschlagenen Weges ansehen könne.

Man vergleiche dazu, die gegenwärtige Position der Zeugen Jehovas, mit ihrer zielgerichteten Vermarktung aller ihr Schicksal die Jahre 1933-45 betreffenden Kommentare und geschichtlichen Darstellungen. Aber wie gesagt: "Vor Tisch" tönte das etwas anders. Damals schrieb man:

"Nur allzu deutlich drückt sich in so vielen Äußerungen der Bekenntniskirche Bedauern darüber aus, nicht rückhaltlos mit Hitler gehen zu können. Man beklagt es, dass das 'religiöse Gewissen' dieser bedingungslosen Nachfolge im Wege stehe. In diesem Maße sind sie sich selbst ein Ärgernis, und Christus ist ihnen ein Anstoß. Insgeheim scheinen sie Christus vorzuwerfen: 'Wenn du doch bloß nicht so viel verlangtest!'

Die Bekenntnisreligion sieht die Welt als zu sich gehörig an, tritt für sie ein, macht durch lange, fett überschriebene Zeitungsartikel große Reklame für sie. Aber für die Streiter Jehovas, für Gottes Zeugen? Für die Leute, die vor Baal keines ihrer Knie auch nur ein wenig krümmen?

Welche Sensation für die Zeitungsschreiber, wenn 60 Pfarrer einmal von der Gestapo für ein paar Wochen festgehalten werden! Wie weiß man den 'geistigen Heldenmut' dieser Leute in allen Tonarten zu rühmen! Aber wenn 10 000 und mehr Zeugen Jehovas im gleichen Lande unablässig den heftigsten Verfolgungen ausgesetzt sind, wenn mehr als 6 000 von ihnen in Gefängnissen und Konzentrationslagern schmachten, wenn viele von ihnen zu Tode geprügelt wurden, wenn man Männer und Frauen wegen ihrer unbeugsamen christlichen Glaubenstreue lebenslang zu Krüppeln schlägt, viele hundert Familien auseinanderreißt, anständig erzogene Kinder in Erziehungsanstalten schafft und dort quält - das ist für die Weltpresse nicht eine einzige Druckzeile wert. Denn es handelt sich dabei ja nicht, um jemand von ihnen, sondern um Jehovas Zeugen. Kein Minister interveniert, kein General protestiert für sie. Wie gut, dass es so ist!"

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1938er Rückblick zur Zeugen Jehovas-Geschichte