Annotationen zu den Zeugen Jehovas
Was sagte Erich Frost aus?
Ohne Zweifel gab es bei den zeitgenössisch handelnden Zeugen Jehovas, angesichts der Restriktionen der Naziregimes, auch Handlungsmomente, die man rückblickend schon fast dem Bereich der Tollkühnheit zuordnen mag. Nachstehend mal solch ein Beispiel. Es ist sicherlich nicht Verallgemeinerungsfähig; es zeigt aber auch, wieweit das Widerständige Verhalten im Einzelfall gehen konnte. (Bay. Hauptsstaatsarchiv MA 106688)

Gelesen in einem Vernehmungsprotokoll der Gestapo (Staatspolizeistelle München) vom 24. 2. 1944
„Vorgeführt erscheint die Hilfsarbeitersfrau Magdalena Willibald, geb. 29. 5. 1898 in Esting, wohnhaft in München, ... und macht folgende Angaben: ... Fernerhin war ich an der Beschaffung von Schreibmaschinenpapier, das zur Herstellung von illegalen Schriften dienen sollte, beteiligt. Hierwegen wurde ich am 9. 2. 1944 durch das Oberlandesgericht München zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. ... Ich gebe heute zu, dass ich bei meinen Angaben bei der Staatspolizei und vor Gericht nicht restlos die Wahrheit gesagt habe. Ich bin auch heute nicht bereit, Aufschluss darüber zu geben, wie sich die illegale Tätigkeit tatsächlich vollzog und wer ausser den seinerzeit genannten Personen noch mit Schriften versorgt wurde. Ich werde keinen Verrat üben. ..." (Details zum Fall Willibald in: Anita Farkas "Geschichte(n) ins Leben holen" S. 178f.)
Oder in einem anderen Gerichtsprotokoll gelesen:
"Die Angeklagte Rauscher ist bereits 77 Jahre alt. Bis zu ihrem 65 Lebensjahr gehörte sie der protestantischen Kirche an. Im Jahre 1925 ist sie aus dieser ausgetreten und schloss sich der Vereinigung 'Ernster Bibelforscher' an, weil ihr deren Lehre besser imponierte. Auch sie bekennt sich heute noch als 'Zeugin Jehovas'. Die Angeklagten geben auch zu, dass sie mit ihrem 'Bruder' Gottfried Bauer von Fürth, welcher Prediger in ihrer Gemeinschaft ist, bis vor kurzer Zeit in Verbindung standen. Dieser habe bis kurz vor seiner Verhaftung im Juni 1936 jeweils immer Schriften mitgebracht, welche sie unter sich verteilt haben. Über weitere Verbindungen mit anderen Glaubensgenossen geben die Angeklagten keine Auskunft, weil sie keine Verräter sein wollen. Auf Grund der Äusserungen der Angeklagten, dass sie keine 'Verräter' sein wollen, besteht für das Gericht kein Zweifel, dass die Angeklagten weitere Beziehungen zu Glaubensgenossen, die nicht zur Anklage gezogen werden konnten, bis heute aufrecht erhalten und gepflegt haben."
Genau Aussagen dieser Qualität findet man nicht in dem Vernehmungsprotokollen eines Erich Frost,. Das gilt es als grundsätzlichen Bewertungsmaßstab festzuhalten.
Worum ging es beim Fall Frost? Letzterer hatte nach vorangegangenen Verhaftungen im September 1936 die Leitung der deutschen Bibelforscher übernommen, die er bis zu seiner eigenen Verhaftung, im März 1937 innehatte.
In einer vom 2. April 1937
datierten Notiz aus dem die Zeugen Jehovas betreffenden Aktenbestand im
S(icherheits) D(ienst) Hauptamt, Chef der Sicherheitspolizei kann man auch
lesen:
"Im August 1936 wurde die erste Aktion gegen die illegale IBV vom Geheimen
Staatspolizeiamt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Referenten des
SD-Hauptamtes durchgeführt. Mit Ausnahme der nach der Schweiz (Luzern) gereisten
Bezirksdienstleiter Rabe, Ditschi, Frost und Wandres konnten sämtliche
Hauptfunktionäre festgenommen werden.
Durch die am 12. 12. 36 veranstaltete Flugblattaktion der IBV wurde offenbar,
dass bereits eine zweite illegale Organisation der IBV im Reich bestand. Durch
die Festnahme des BDL Rabe und dessen Aussagen konnte mit der zweiten Aktion
gegen die IBV begonnen werden. Diese führte zur Festnahme der Bezirksdiener
Daut, Siebeneichler, Nawroth und des Bezirksdieners Frost...."
Damit ist erst mal aktenkundig, wer im konkreten,
auch Frost „ans Messer lieferte".
Zu Rabe kann man auch vergleichen
http://www.manfred-gebhard.de/19172Rabe.htm
http://www.manfred-gebhard.de/19562Bericht.htm

In einer Reihe von sieben Vernehmungen im April 1937, gelang es der Gestapo aus Frost ein umfassendes Bild der internen deutschen Zeugenorganisation herauszupressen. So erfuhr sie aus seinem Munde auch, dass Heinrich Ditschi als sein Nachfolger vorgesehen war, für den (jetzt eingetretenen Fall) seiner Verhaftung.
Im Jahre 1961 wurde Frost durch offenbar aus der DDR zugespielte Dokumente vom Hamburger Magazin „Der Spiegel" bezichtigt, bei den Gestapo-Vernehmungen eine Reihe seiner Untergebenen der Gestapo preisgegeben zu haben. In der DDR wurden diese Vorwürfe nachgedruckt und partiell inhaltlich erweitert.
Es ist offensichtlich, dass die DDR, Frost für den „scharfen antikommunistischen Kurs" der Zeugen Jehovas nach 1945 mit verantwortlich machte. So auch nachlesbar in dem Buch von D. (S. 586). Das auch Frost kein Übermensch war, wird auch an einem Statement dazu des „Politisch-Parlamentarische Pressedienstes" deutlich, der 1961 vermerkte:
„Um einen der leitenden Männer des deutschen Zweiges der Zeugen Jehovas, Erich Frost, alias Erich Meinl, ist in der Anhängerschaft ein Meinungsstreit entbrannt, weil auf Grund von Gestapo-Unterlagen Verdacht besteht, dass Frost nach seiner Verhaftung durch die Gestapo im Jahre 1937, damals war er 'Reichsdiener' und damit höchster Funktionär der Zeugen Jehovas, eine große Anzahl von Zeugen Jehovas denunziert hat. In der Verbandszeitung 'Wachtturm' vom 1. Juli 1961 schrieb er dagegen: 'Ich rief unablässig Jehova um Hilfe an, damit ich um der Brüder willen schweigen könnte. Als ich wieder vor die Gestapo-Meute geführt wurde, dachte ich an Daniel in der Löwengrube. Ihr zorniger Wortschwall verriet mir, was ich hören wollte: die Brüder waren nicht in das Netz geraten, das die Polizei gelegt hatte."
Die tatsächliche Sachlage sieht so aus, dass die Gestapo auch von Frost in intensiven Vernehmungen letztlich das mitgeteilt bekam, was sie wissen wollte. Und die Gestapo war rabiat genug, dass auch durchzusetzen. Symptom dafür ist z. B. der Vermerk im Frost Vernehmungsprotokoll vom 2. 4. 1937 : „das die Vernehmung wegen der vorgeschrittenen Zeit (4 Uhr morgens) abgebrochen wird."
Heuzeroth kommentiert: „Und etwas verschweigen die Zeugen Jehovas heute: Zwei Männer wurden nach dem Krieg Führer der deutschen Wachtturmgesellschaft, die während der Naziherrschaft ihre Glaubensbrüder an die Gestapo verraten hatten. … Selbstverständlich muss festgehalten werden, dass die Zeugen Jehovas keine Menschen in Konzentrationslager gesteckt oder ermordet haben, sich nicht am Kriege beteiligten und nie persönliche Gewalt ausgeübt haben. Dies darf jedoch nicht den Blick auf die Tatsache verstellen, dass Fanatismus immer potentiell gewalttätig ist; Berichte von ehemaligen Zeugen Jehovas über die zum Teil massive psychische Unterdrückung innerhalb dieser Sekte sprechen hier eine deutliche Sprache."
W. zitiert eine bislang nicht im vollen Wortlaut veröffentlichte Stellungnahme von Frost dazu. In ihr kann man bezüglich der Spiegel-Anschuldigungen lesen:
„Ich hatte über diese Anschuldigungen Bruder Knorr befragt, ob ich vielleicht etwas tun sollte. Doch er sagte mir: 'Nein, lass das sein, Bruder Frost! Was glaubst du, wie viele Anschuldigungen gegen mich gemacht werden. Wir schenken solchen keine Aufmerksamkeit. We put them in the file, d. h. wir legen sie ab, aber haben keine Zeit sie zu lesen."
D. (S. 592) zitiert jenes Frost-Votum noch dergestalt weiter, indem Frost diesbezüglich noch die Meinung vertrat: "Eine Privatklage hätte die Redakteure des Spegels in eine unangenehme Lage gebracht. Sie hatten sich bei diesem Pamphlet-Artikel schuldig gemacht, Aufzeichnungen der für menschenunwürdig erklärten Gestapo zur Anklage gegen unbescholtene Bürger des Landes gebraucht zu haben. Denn ihre Behauptungen waren unwahr, und ein Gericht hätte sie damals zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Doch wir als Zeugen Jehovas hatten wichtigeres zu tun, und ich dachte im Stillen: Wo waren diese jungen Redaklteursdachse damals, als ich so maßlos gefoltert wurde?"
Dazu ist zu sagen. Die emotionelle Betroffenheit, dass "junge Redakteurdachse", die nie von der Gestapo gefoltert wurden, sich dieses Themas annahmen, ist verständlich. Dennoch "sticht" dieses Argument nicht. Frost war zum fraglichen Zeitpunkt eine Person der Öffentlichkeit. Kein "kleiner unbedeutender" Zeuge Jehovas. Auch andere Personen der Öffentlichkeit müssen es sich gefallen lassen, dass in einem freiheitlichem Lande durch die Presse ihre "dunklen Punkte" beleuchtet werden, so sich diesbezügliche Anhaltspunkte dafür ergeben. Die Behauptung von Frost, ein Gericht hätte den "Spiegel" verurteilt ist reines Wunschdenken. Solange er keinerlei Rechtsweg einschlug, hatte er durch sein öffentliches Schweigen, gegenüber einer öffentlichen Anklage, deren Sachverhalt indirekt bestätigt.
Zum Fall Erich Frost liegt seitens der Zeugen Jehovas noch eine weitere Stellungnahme vor. In der Zeitschrift „Kirchliche Zeitgeschichte" (1/1999), herausgegeben von dem bekannten Gerhard B., verbreitet sich darin Waldemar H. zu diesem Fall.
Die Stasi war kein „Mädchenpensionat". Mit dieser grundsätzlichen Feststellung, inklusive ihrer sich daraus ergebenden Weiterungen, dürfte sich der Konsens mit dem Waldemar H. aber auch schon erschöpft haben. Was bietet er in der Sache?
Auch er zitiert das Stasipapier vom 1. 9. 1956 indem unter anderem ausgeführt wurde: „Er (Frost) ist ein großer Gegner der DDR und trat auch bei den sogenannten Kongressen der 'ZJ' als Hetzer gegen das sozialistische Lager auf. … Frost war während der Nazizeit ebenfalls Leiter der Sekte und nach seiner Verhaftung durch die Gestapo machte er dieser umfangreiche Angaben über den Aufbau, Zusammensetzung der Sekte und Mitglieder. Dieses Gestapo Material ist in unserem Besitz". Mit diesen dürren Worten wird also dokumentiert, dass schon im Jahre 1956 die Stasi die konkreten Gestapo-Frostakten kannte.
Die Stasi wäre nicht die Stasi gewesen, wenn sie dieses Material irgendwo in einem Archiv weiter schlummern lassen würde. In Kenntnis der Gestapoprotokolle ging man nun daran, dies möglichst in „klingende Münze" umzusetzen (bildlich gesprochen). Zu diesem Zweck bediente man sich eines im Dienste der Stasi stehenden Theologen, den man direkt nach Wiesbaden sandte. „Seine Legende war, dass er in seiner Doktorarbeit auch eine 'dogmengeschichtliche Gegenüberstellung der erstarrten Landeskirchen zu den freien religiösen Gemeinschaften' erarbeiten wolle. Er versuchte Frosts Vertrauen zu erhalten, indem er ihm erzählte, dass er aus seiner Jugend noch einige Bibelforscher kenne, mit denen er auch schon viele theologische Gespräche geführt habe. … Am 12. Juli 1956 fand das eigentliche Treffen zwischen dem (Stasiagenten) und Frost … in Wiesbaden statt." Dabei wurde Frost auch mit seinen Gestapo-Protokollen konfrontiert:
„Der (Stasiagent) sagte im Gespräch, dass er durch seine Arbeit im Archiv Potsdam die Gestapo-Akten von Frost gefunden hätte und sich 'um ihn als Christ sorge'. Im Bericht über dieses Treffen heißt es: 'Über diese Mitteilung war Frost keineswegs erschüttert oder verstört, sondern er habe sofort zugegeben, dass er die und die Personen damals gemeldet hätte.' Er begründete dies damit, dass er einer der letzten Funktionäre gewesen sei, die die Gestapo verhaftet habe. Weiter habe er gesagt: 'Die Gestapo hätte bereits über alles von ihm gesagte Bescheid gewußt."
Letztere Aussage macht nun H. zu seiner Grundthese. Nach H. waren die Aussagen des Frost faktisch „wertlos", da sie alles schon vorher gewusst habe. Folgt man seiner Logik, dann hätte die Gestapo mit ihren Frostvernehmungen, eigentlich nur belanglosen „Zeitvertreib" betrieben, da sie ja schon vorher „alles" wusste.
Sicherlich wusste die Gestapo seit der Verhaftung des Winkler schon sehr vieles. Dennoch ist der Interpretation von H. zu widersprechen. Frost war bei seiner Verhaftung der ranghöchste deutsche ZJ-Funktionär der illegalen ZJ-Organisation. Seine Aussagen hatten schon deshalb besonderes Gewicht, weil sie zumindest vorhandene Erkenntnisse bestätigten, wenn nicht sogar darüber hinausgehend zusätzliche Erkenntnisse vermittelten. So nannte Frost neben den Namen anderer ZJ-Funktionäre beispielsweise auch den Treffpunkt der illegalen Funktionäre wie da beispielsweise war „bei Reiche in Zeuthen-Niersdorf, Lange Straße 5." H. ist nicht in der Lage zu „beweisen", dass diese Angabe bereits bei der Vernehmung des Fritz Winkler oder eines anderen ZJ-Funktionärs ermittelt wurde.
Die Aussagen des Frost enthielten daher sehr wohl auch neue, die Gestapo weiterführende Aspekte. Viele verhaftete Zeugen Jehovas haben unter Druck „gesungen", auch Frost und dies kann auch H. nicht bestreiten. Aus den vielen Mosaiksteinchen gewann die Gestapo das Gesamtbild, wobei es müßig ist darüber zu lamentieren, dass in diesen Aussagen auch bereits bekannte Fakten erneut genannt wurden.
Auch jene Passage im „Wachtturm"-Artikel des Frost vom 1. 7. 1961 lässt H. mit Bedacht unerwähnt, wo er sich rühmt bei seiner Verhaftung ein Papierröllchen mit wichtigen Informationen versteckt zu haben, dass nie gefunden wurde. Frost wäre besser beraten gewesen, er hätte diesen Passus in seinem Bericht nicht gemacht. Schriftliche Unterlagen mag er beiseite geschafft haben, dafür plauderte er unter Druck mündlich aus, was er vorgab schriftlich beiseite geschafft zu haben.
Zweimal wurde laut den Ausführungen von D., Frost durch Direktbesuch eines Stasiagenten in Wiesbaden kontaktiert. Das zweite entscheidende Gespräch am 12. 7. 1956 dauerte etwa eine Stunde. Im Vorfeld hatte die Stasi ein umfängliches Szenario erstellt, was sie sich alles von diesem Gespräch erhoffte. Die Stasiisten hatten sich vorgestellt, wenn ihr Agent Frost die Gastopoprotokolle unter die Nase reiben würde, wäre er ins "Boxhorn" gejagt und würde mit Angstreaktionen reagieren, die die Stasi nutzen wollte, um ihm ihre Bedingungen zu diktieren. Also eine typische Erpressungssituation. Selbstredend kann man, da wie sowohl D. als auch H. schreiben; dass der bürgerliche Name des Stasiagenten noch nicht entarnt sei. Selbstredend kann man daher nur das zur Kenntnis nehmen, was die Stasi selbst, in eigener Diktion, dazu in ihren Akten schrieb.
Laut D. (S. 590) liest man dazu in dem Stasiprotokoll, nachdem Frost mit seinen Gestapoakten konfrontiert wurde:"Über diese Mitteilung war Frost keineswegs erschüttert oder verstört, sondern er habe sofort zugegeben, dass er die und die Personen damals gemeldet hätte. Er begründete dies damit, daß F. einer der letzten Funktionäre der ZJ gewesen sein soll, den die Faschisten geholt hätten. Er sei erst das Ergebnis von Verrat gewesen, den die Brüder vor ihm gemacht hätten. Die Gestapo hätte bereits über alles von ihm Gesagte Bescheid gewusst. Er habe auch betont, dass einige von den Personen nicht mehr am Leben sind. Lediglich war F. erstaunt, dass die Unterlagen noch vorhanden seien. Dass er und die übrigen Brüder die Organisation habe 'hochgehen' lassen, hat F. ohne Reue oder bedrückendes Gefühl dem ... gleich mitgeteilt"
Soll man nun, dass Frost sich "als keineswegs erschüttert oder verstört" erwies als Pluspunkt für Frost ansehen? Oder doch vielmehr als Ausdruck seines "dicken Felles"? Der Leser mag sich die Frage selbst beantworten.
Der 1956-er Versuch der Stasi Frost durch direkte Konfrontation mit seinen Gestapo-Protokollen vielleicht gar erpressen zu können, führte nicht zum gewünschten Resultat. So wurden denn in der Folge Presseorgane wie die „Spiegel" und der SPD-nahe „Politisch-Parlamentarische Pressedienst" mit diesen Fakten „gefüttert". H. erwähnt eine 23seitige Broschüre „Erich Frost - Der Verräter an der Sache Jehovas", die seitens der Stasi erstellt wurde, die aber wohl doch nicht in größerem Umfang in die Öffentlichkeit gelangte. D. schätzt die Sachlage so ein, dass diese Broschüre überhaupt nicht zur Verteilung kam. Jedenfalls war der Frost-Wachtturmartikel vom 1. 7. 1961 eine Initialzündung. Die Stasi fütterte daraufhin verschiedene Presseorgane mit ihren Erkenntnissen in Sachen Frost und hatte damit beim Hamburger „Spiegel" bekanntlich Erfolg. H. vermerkt auch noch, dass selbst die WTG mit sogenannten „Offenen Briefen" diesbezüglich von der Stasi informiert wurde. Auch in englischsprachiger Übersetzung wurden diese „Informationen" lanciert.
Die WTG stellte sich angesichts dieser auch für sie erkennbar aus dem Osten geschürten Aktion, in Schulterschluss zu Frost. Zumindest im kritischen Jahr 1961. Bezeichnend finde ich diesbezüglich den Satz bei D. (S. 592): "Die Gestapo-Verhörsprotokolle sind wohl keine Fälschung aus der DDR-Zeit, sondern wurden tatsächlich in NS-Beständen aufgefunden." Eine bemerkenswerte Wortwahl, die man noch dadurch untermauern kann, dass noch im Hesse-Buch an der Legende weitergestrickt wurde, es handele sich dabei möglicherweise um Fälschungen. D., der nun selbst einschlägiges Aktenmaterial eingesehen hat, muss dieser Zweckthese, endgültig den Laufpass geben. Einige Jahre später (1965), verlor Frost seinen letzten amtlichen Posten als verantwortlicher Redakteur der deutschen Ausgabe des „Wachtturms". Auch verbrachte er, entgegen den Gepflogenheiten der sonstigen hohen ZJ-Funktionäre seinen Lebensabend nicht mehr in der deutschen Zentrale der Zeugen Jehovas. Auch ist H. näheren Aufschluss darüber schuldig geblieben, dass Frost in einer unbedeutenden Kleinstadt (Tuttlingen/Donau) die letzten Jahre seines Lebens in sehr zurückgezogener Art und Weise verbrachte. So endete er also, jener Erich Frost, der in den entscheidenden Jahren nach 1945 jahrelang führend im Rampenlicht gestanden hatte.
Drei spezielle Koryphäen der Wachtturmgesellschaft in ihren "Glanztagen". ; vorne Erich Frost; rechtsseitig Konrad Franke, hintere Reihe links Willi Pohl.
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"Berlin,
den 2. April 1937
Verhandelt!
Vorgeführt erscheint Erich
Frost, geboren 22. 12. 00 zu Leipzig, ohne festen Wohnsitz, und erklärt:
Ich stehe jetzt im 36.
Lebensjahr und bin seit 1922 Zeuge Jehovas. Die diesbezügliche Taufe habe ich am
4. März 1922 erhalten. Wer mich getauft hat, kann ich heute nicht mehr angeben.
Ich will hierbei bemerken, dass auch meine Eltern bereits um diese Zeit
Bibelforscher, wie wir uns früher nannten, waren.
Nachdem Balzereit
festgenommen und an seiner Stelle der Glaubensbruder Winkler das deutsche Werk
der Zeugen Jehovas leitete, befand ich mich in der Tschechoslowakei, wo ich das
Schöpfungsdrama aufführte. An dem Luzerner Kongress im September 1936 habe ich
teilgenommen und wurde von Richter Rutherford an Stelle des festgenommenen
Winkler mit der Leitung des deutschen Werkes unter Anlehnung an das Prager Büro,
dem der Bruder Dwenger vorsteht, beauftragt. In Luzern fand daraufhin eine
Konferenz statt, die sich lediglich mit der Weiterführung des deutschen Werkes
befasste. Es fand eine Neueinteilung der Bezirke in Deutschland statt, die von
folgenden Brüdern übernommen wurde.
Georg Rabe. Bezirksdiener
für
1. Ostpreußen
2. Westpreußen
3. Pommern
4.
Mecklenburg.
Arthur Nawroth.
Bezirksdiener für
1. Ostschlesien
2.
Grenzmark.
August Fehst. Bezirksdiener
für
1. Westschlesien
2.
Sachsen (östlich der Elbe), nach der Festnahme des Bezirksdieners Wilhelm Engel,
festgenommen im Dezember 36 oder Januar 37.
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Otto Daut. Bezirksdiener für
1. Berlin
2. Mark
Brandenburg.
Fred Maier. Bezirksdiener
für
1.
Westsachsen bis einschließlich Anhalt.
Walther Friese.
Bezirksdiener für
1. Thüringen
2. Harzgebiet
3.
Hannover.
Heinrich Ditschi.
Bezirksdiener für
1. Schleswig-Holstein
2. Oldenburg
3.
Ruhrgebiet, Westfalen.
Albert Wandres.
Bezirksdiener für
1. Rheinland
2. Baden
3
Württemberg.
Karl Siebeneichler.
Bezirksdiener für
1.
Bayern.
Über eine direkte Einteilung
der Bezirke in sogenannte Unterbezirke bin ich nicht genau orientiert. Bekannt
ist mir lediglich, dass in den großen Bezirken von Ditschi und Wandres
Mitarbeiter bzw. sogenannte Unterbezirksdiener tätig waren.
Für Ditschi kamen hierfür in
Frage:
1.
Lüdenschloß, Vorname vermutlich Ernst.
2. Fennhofen, die
Schreibweise seines Namens und sein Vorname sind mir nicht bekannt; er heißt mit
Vornamen vermutlich Erich; Ditschi sprach immer von einem Erich.
Für Wandres kommen hierfür
in Frage:
1. Schlömer, vermutlich Hermann.
2. Stickel, Ludwig.
Soweit in
den einzelnen Bezirken keine Unterbezirke eingerichtet waren, wurden diese
einzelnen Bezirke organisatorisch in Gruppen und diese wiederum in Zellen
eingeteilt
- 3 -
Eine Zelle umfasste jeweils
4-6 Glaubensgeschwister. Die Gruppen setzten sich dagegen je nach der örtlichen
Lage der einzelnen Zellen zusammen. Diese Einteilung wirkte sich dann praktisch
so aus, dass z. B. jede mittelgrosse Stadt eine Gruppe bildete. Eine Ausnahme
hierzu machte Berlin, das in Folge seiner Ausdehnung in 3-4 Gruppen eingeteilt
war.
Meine Informationen über die
Leitung des "Deutschen Werkes" bekam ich von Bern über Prag. In meiner
Eigenschaft als Reichsdiener war ich aus diesem Grunde etwa sechsmal in Prag.
Ich bin stets hierbei über die illegale Grenze (grüne Grenze) gegangen. Ich habe
die Grenze bei Altenberg-Zinnwald (Erzgebirge) und Adorf, Roßbach, Asch
(Vogtland) überschritten. Zwischen den einzelnen Treffs, die ich wiederum mit
den Bezirksdienern monatlich bis sechs Wochen vereinbart hatte, war ich jeweils
in Prag. Meine Mitteilungen wurden dann durch die Bezirksdiener an die
Gruppendiener und von diesen an die Zellendiener weitergeleitet, die ihrerseits
wiederum den einzelnen Glaubensgeschwistern Nachrichten überbrachten.
Meine Informationen betrafen
vor dem 12. Dezember 1936 im wesentlichen die Verbreitung der in Luzern
gefassten Resolution, sowie allgemeine Tagesfragen über Vorgänge innerhalb
unserer Bewegung in den verschiedenen Ländern. Nach der Verbreitung der
Resolution wurde die Verteilung einer zweiten Flugschrift in Erwägung gezogen.
Diese Flugschrift betraf ein ausführliches Zeugnis über die Wahrheit der Bibel
und nahm auch Bezug auf die Verfolgung der Zeugen Jehovas in Deutschland.
Näheres kann ich über diese Flugschrift nicht angeben, da sie bisher noch nicht
im Druck erschienen ist. Soweit mir bekannt ist, sollte sie Auszüge aus
neuzeitlicher Literatur der I.B.V. enthalten.
Ausser den gemeinsamen
Treffen mit den Bezirksdienern habe ich in der Zwischenzeit durchschnittlich die
einzelnen Bezirksdiener in ihren Bezirken aufgesucht. Diese Treffs wurden
gelegentlich des gemeinsamen Haupttreffen vereinbart. So hatten wir z. B. bei
dem Haupttreffen im November 1936 erwogen, die Resolution in der Zeit zwischen
5- und 12. Dezember zur Verteilung bringen zu lassen. Nachdem ich übersehen
konnte, dass die einzelnen Bezirksdiener mit den Exemplaren zeitig genug
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beliefert werden würden,
suchte ich laut Vereinbarung die einzelnen Bezirksdienstleiter auf und bestimmte
die Verteilung der Resolution ab 12. 12, von 5 Uhr nachmittags ab durchzuführen.
Die Resolution wurde in Bern gedruckt und dann über die Tschechoslowakei nach
Deutschland eingeführt.
Im Prager Büro habe ich
erfahren, dass die gedruckten Exemplare durch eine Gruppe von Sudentendeutschen
unter der Führung des Glaubensbruders Wagner, Warnsdorf Tschechoslowakei,
wohnhaft, illegal über die Grenze geschafft werden. Der Transport der Resolution
ging bei Zittau und an einigen Plätzen des Riesengebirges vor sich. Eine
bestimmte und genauere Ortsangabe vermag ich nicht anzugeben. Bereits in Luzern
wurde Fehst bestimmt die Exemplare in Deutschland in Empfang zu nehmen. Fehst
hatte sich hierzu bereit erklärt, weil er als Grenzbewohner mit den
Grenzverhältnissen am besten Bescheid wusste. Eine bestimmte Adresse bezw.
Aufenthalt des Fehst kann ich nicht angeben. Es ist mir nur bekannt, dass er aus
dem Waldenburger-Dittersbacher Gebiet stammt. Zur Übernahme der Exemplare hatte
sich Fehst, wie er mir selbst mitteilte, persönlich mit Wagner in Verbindung
gesetzt. Das illegale Material wurde von Fehst an die ihm von den Bezirksdienern
aufgegebenen Adressen per Bahnexpress weitergesandt. Bei unserm Haupttreffen im
November 36, es kann am 21. November gewesen sein, hatten die einzelnen
Bezirksdiener dem Fehst angegeben, nach welchem Bahnhof er die erforderlichen
Exemplare zu schicken hatte. Gleichzeitig haben ihm in diesem Sonderfall die
einzelnen Bezirksdiener auch Anschriften gegeben, an die Fehst die Gepäckscheine
zu senden hatte. Die im Vervielfältigungsverfahren hergestellten und zur
Verteilung gelangten Resolutionen wurden in den einzelnen Bezirken angefertigt.
Ausser Rabe und Meier war in jedem Bezirk ein Vervielfältiger vorhanden. Wer im
Einzelnen diese Vervielfältigungen hergestellt hat, kann ich nicht angeben. Ich
weiss auch nicht wo diese Apparate aufgestellt waren. Hierüber müssen die
einzelnen Bezirksdiener Auskunft geben können.
Durch das Prager Büro habe
ich erfahren, dass auch die gleiche Resolution die aus Holland nach Deutschland
gebracht werden sollte, beschlagnahmt wurde. Es handelt sich hierbei um etwa 100
000 Exemplare, die nach den Vereinbarungen in Luzern für Ditschi und andres
bestimmt waren.
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Auf die gleiche Art wie
diese Resolution gelangte auch die Neuere Literatur durch Vermittlung des Fehst
über die Grenze und in die Hände der Bezirksdiener.
Das hier in Deutschland
irgendwelche Literaturlager von alter bezw. neuerer Literatur unterhalten
werden, ist mir nicht bekannt. Ich glaube auch nicht, dass überhaupt noch
grössere Literaturlager bestehen. Diesbezügliche Mieten sind von den
Bezirksdienstleitern während der letzten Zeit von mir auch nicht gefordert
worden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass bei einzelnen
Glaubensgeschwistern noch einige Kartons mit Literatur untergestellt sind.
Bei den von mir bereits
eingangs erwähnten Haupttreffs mit den Bezirksdienern habe ich die für die I.B.V.
eingegangenen Beträge entgegengenommen. Der monatliche Gesamtbetrag belief sich
durchschnittlich auf 2600,-- - 2800,-- RM. Bei dem letzten von mir
wahrgenommenen Haupttreff am 6. 3. 37 in Berlin habe ich als besonders günstiges
Ergebnis sogar 3600,-- RM von den Bezirksdienern entgegengenommen. Den grössten
Teil der von mir entgegengenommenen Beiträge habe ich jeweils an den von Prag
aus beauftragten Bahner abgeführt; ich selbst behielt ungefähr ein Drittel zur
eigenen und zur dienstlichen Verwendung. Dieses Geld hat Bahner an eine mir
unbekannte Hinterlegungsstelle, die sich in Deutschland befindet, abgeführt.
Bahner selbst ist dann jeweils nach Prag zurückgegangen. Bahner ist meines
Wissens als Sudetendeutscher im ordnungsgemässen Besitz des Passes regulär über
die Grenze gegangen. Er ist dann zu den mit mir verabredeten Treffpunkt (so z.
B. das letzte Mal nach Dresden gereist und hat mich dort erwartet). Die
Reisekosten von der Grenzübergangsstelle Tetschen-Bodenbach nach Dresden und
zurück kostet ungefähr 7,- - 8,- RM. Wenn wir zusammenwaren habe ich für Bahner
auch die Speisen und Getränke bezahlt. Wenn ich nach Prag fuhr, habe ich
entsprechend in der Tschechoslowakei auf Kosten des Prager Büros gelebt. Ich
habe überdies bei den Grenzübergang immer gegen 30,- - 40,- RM bei mir gehabt.
Bei meinem letzten Übergang am 8. März habe ich sogar in die Tschechoslowakei
gegen 200,- RM unangemeldet eingeführt. Ich habe jedoch dieses Geld dort nicht
verausgabt, da ich vom Hauptbüro in der bereits
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dargelegten Weise,
ausgehalten worden bin. Ich habe des Weiteren auch von dem mitausgeführtem
deutschen Geld drei Reichsdeutsche Glaubensbrüder in Prag unterstützt, da diese
für uns arbeiteten.
Diese Glaubensbrüder waren:
der Sudentendeutsche Wagner
aus Warnsdorf, der 30,- RM erhalten hat, der Reichsdeutsche Steiger vom Prager
Missionsdienst, der 40,- RM erhalten hat und der Reichsdeutsche Platt
(Missionsarbeiter), der 47,- RM erhalten hat. Nach meiner Rechtsbeurteilung
stellt dieses Geschäftsgebaren ein Devisenvergehen dar.
Ich war mir wohl darüber im
Klaren, dass ich mich gegen die Devisengesetze vergehe, wenn ich die 200,- RM
ohne Genehmigung in die Tschechoslowakei ausgeführt habe. Ich glaubte jedoch
nicht, mich strafbar zu machen, wenn ich einen Ausländer in Deutschland
freihielt und andererseits in gleicher Weise selbst im Ausland freigehalten
worden bin.
Aufbau der Organisation.
a) Deutsches Reich:
Leiter des "Deutschen
Werkes" ist der Reichsdiener Dwenger in Prag. Ich selbst bin lediglich als
Vertreter Dwengers eingesetzt. Wie bereits eingangs meiner Vernehmung erwähnt,
ist das deutsche Reichsgebiet in 9 Bezirke eingeteilt. Diese einzelnen Bezirke
sind wiederum in Gruppen eingeteilt. Die Anzahl der Gruppen ist ganz verschieden
und richtet sich nach Grösse des Bezirks, Grösse der Städte und Bevölkerung der
einzelnen Landkreise. Dies trifft auch für die nächst niedigere Zelleinteilung
zu. Genaue Angaben hierüber kann nur der jeweilige Bezirksdiener erstatten.
b) Internationaler Aufbau:
Das Zentralbüro der I.B.V.
befindet sich in Brooklyn (Amerika) unter Leitung des Richters Rutherford, der
den Titel eines Präsidenten der I.B.V. führt. Ihm unterstehen die gesamten
Zweigbüros der Welt. Die europäischen Zweigbüros werden von drei Zentralstellen
aus geleitet.
1.) das englische Zweigbüro
mit Sitz in London, Leiter J. Hemery, ihm unterstehen Grossbritannien und
Irrland.
2.) das nordeuropäische
Zentralbüro mit Sitz in Kopenhagen,
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Leiter Dey, ihm unterstehen
Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Lettland, Litauen.
3.) das mitteleuropäische
Zentralbüro, mit Sitz in Bern, Leiter M. C. Harbeck, ihm unterstehen:
Holland, Sitz des Zweigbüros
in Amsterdam, Leiter Werner
Belgien, Sitz des Zweigbüros
in Brüssel, Leiter Knecht
Frankreich, Sitz in Paris,
Leiter Gubler
Schweiz, Sitz in Bern,
Leiter Harbeck
Polen, Sitz in Lodz, Leiter
Scheidter
Danzig, wird von Polen
geleitet
Balkan, Sitz in Belgrad,
Leiter unbekannt
Tschechoslowakei, Sitz in
Prag, Leiter Dwenger
Deutschland, wird von Prag
aus geleitet.
Berichterstattung und
Zusammenarbeit.
die Berichterstattung
umfasst die Meldung der Anzahl der aktiv tätigen Zeugen Jehovas, die geleisteten
Arbeitsstunden, Anzahl der verbreiteten Bibeln, Bücher und Broschüren, sowie
Meldung über Festgenommene Glaubensgeschwister. Die Unterlagen zu diesen
Berichten lieferten die Zellendiener an die Gruppendiener, die dann bei den
Bezirksdienern gesammelt und mir bei den verabredeten Hauptreffs übergeben
wurden. Ich übergab diese Berichte in Form von fünf Zahlen, die auf die
vereinbarte Reihenfolge (1. Arbeiter, 2. Stunden, 3. Bibelverbreitung, 4.
Bücher, 5. Broschüren). Auf besonderem Zettel meldete ich den Stand des
gegenwärtigen Geldbetrages, sowie bei der letzten Berichterstattung den
gegenwärtigen Stand der festgenommenen Glaubensgeschwister. Zuletzt habe ich
eine derartige Berichtserstattung am 8. März 37 persönlich in Prag abgegeben.
Auf Vorhalt erkläre ich, dass ich Meldungen über angebliche Misshandlungen von
Glaubensgeschwistern während meiner Tätigkeit als stellvertretender Reichsdiener
nicht erstattet habe. Es ist mir jedoch bekannt, dass diesbezüglich Meldungen
von Glaubensgeschwistern durch
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Briefe direkt an die Leitung
nach Bern eingesandt worden sind. Absender solcher Briefe kann ich persönlich
nicht namhaft machen. Ich habe nur über Prag erfahren, dass derartige Schreiben
in Bern eingegangen sind. Diese Meldungen sollen, wie ich weiter gehört habe,
auch nie mit vollem Namen unterschrieben gewesen sein. Dies haben die in Frage
kommenden Glaubensgeschwister zweifellos aus Vorsicht heraus nicht getan weil an
der Grenze mit einer Briefkontrolle gerechnet werden muss.
Zur Aufrechterhaltung der
Organisation habe ich in einer Zeitspanne von 4-6 Wochen sogenannte Haupttreffs
mit den Bezirksdienern festgelegt. Nachdem Kongress in Luzern wurde noch in
Luzern der erste Haupttreff Mitte 36 festgelegt. Als Treffpunkt wurde der
Stadtbahnsteig Alexanderplatz vereinbart. Daut bekam gleichzeitig den Auftrag in
der Zwischenzeit einen geeigneten Versammlungsort festzulegen. An diesem Treffen
haben sämtliche von mir aufgeführten Bezirksdiener, außer Meier, der zur
damaligen Zeit noch nicht eingesetzt war, teilgenommen. Sämtliche Haupttreffs
haben wir dann durch Vermittlung von Daut bei Reiche in Zeuthen-Miersdorf,
Langestr. 5, wahrgenommen. Ich will hierbei bemerken, dass an sämtlichen Treffs
außer den Bezirksdienern die mit mir verhaftete Ilse Unterdörfer teilgenommen
hat.
Vermerk: Über Besprechungen,
Anzahl der Teilnehmer bei den einzelnen Treffs, Abrechnungen usw. wird Frost
später gehört.
Gelegentlich dieser Treffs
wurde dann auch der nächste Treff festgelegt. Gleichzeitig vereinbarte ich mit
den einzelnen Bezirksdienern einen Zwischentreff in ihrem Bezirk. Wenn diese
Zwischentreffs aus irgendwelchen Zwischenfällen nicht zustande kamen, blieb dem
Bezirksdiener nur die Möglichkeit am nächsten Haupttreff teilzunehmen. Sämtliche
Bezirksdiener hielten sich illegal auf. Mir selbst war irgendwelche Adresse noch
Aufenthaltsort der Bezirksdiener bekannt.
v.g.u. Erich Frost
geschlossen mit dem
Bemerken, dass die Vernehmung wegen der vorgeschrittenen Zeit (4 Uhr morgens)
abgebrochen wurde.
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Berlin, den 3. 4. 1937
Verhandelt!
Vorgeführt erscheint Erich Frost, Personalien bereits aktenkundig, und erklärt auf Vorhalt:
Ich kann auch heute nur meine unter dem 21. 3. 1937 gemachte Angaben, bezüglich des schweizerischen Staatsangehörigen Meier, aufrecht erhalten und erkläre nochmals, dass ich Meier in Deutschland, wie von mir angegeben, nur zweimal getroffen habe. Der Grund unseres Treffens ist lediglich auf unser näheres Kennenlernen gelegentlich des Kongresses in Luzern zurückzuführen. Meier steht in keiner Beziehung zu der illegalen I.B.V. in Deutschland. Ich persönlich kann jedenfalls diesbezügliche Angaben nicht machen. Ich habe auch mit Meier während unseres Zusammenseins keinerlei Fragen über die illegale I.B.V. in organisatorischer Richtung angeschnitten. Es besteht die Möglichkeit, dass ich mit Meier ganz allgemein über Festnahmen von Glaubensgeschwistern gesprochen habe. Irgendwelche Namen sind hierbei nicht gefallen.Abschliessend erkläre ich nochmals, dass ich mit Meier über die Aufrechterhaltung und Betätigung der illegalen I.B.V. nicht gesprochen habe. Insbesondere hebe ich hiermit hervor, dass mir Meier bezüglich der I.B.V. weder Vorschläge, noch irgendwelchen Rat erteilt hat.
v.g.u.
Erich Frost
geschlossen: (unleserlich Name)
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Berlin, den 15. April 1937
Weiter verhandelt.
Vorgeführt erscheint der
Musiker Erich Frost, geb. am 22. 12. 1900 in Leipzig, zuletzt ohne festen
Wohnsitz, früher wohnhaft gewesen in Leipzig, Preussenstr. 117, und erklärt auf
Vorhalt:
Meine am 2. April 1937
gemachten Aussagen entsprechen der Wahrheit. Die Einteilung der Bezirke für die
illegale IBV innerhalb des Deutschen Reiches sowie die Besetzung mit
Bezirksdienern wurde auf meine Anregung hin und nach den Vorschlägen der
einzelnen Bezirksdiener vom 4. bis 7. 9. 36 vorgenommen. Jeder einzelne
Bezirksdiener erhielt den Teil einer ausgeschnittenen Karte für das Deutsche
Reich, den er zu betreuen hatte.
Der Bezirksdiener Arthur
Nawroth, seine Wohnung ist mir nicht bekannt, m. E. muss er aber aus Schlesien
stammen, wurde für das Gebiet Ostschlesien und Grenzmark eingesetzt. Ich kenne
ihn in meiner Eigenschaft als Reichsdiener seit Herbst 1936. Es ist möglich,
dass Nawroth mich schon früher anlässlich von Gruppenbesuchen kennengelernt hat.
Zum ersten Mal verhandelte ich mit Nawroth in Luzern, wo die Einteilung der
Bezirke vorgenommen wurde. Nach dieser Zeit hatte ich mit ihm Zusammenkünfte und
zwar bei 5 Treffs in Berlin, sowie zu 3 verschiedenen Zeitpunkten in Breslau.
Die Namen der Gruppen vom Bezirk des Arthur Nawroth sowie deren Besetzung sind
mir unbekannt. Ich begnügte mich mit der Meldung, dass die Gruppen im Sinne der
Luzerner Besprechung eingeteilt worden waren, für die Zahl und die Namen der
Gruppendiener hatte ich kein Interesse.
Bei allen 5 Treffs, die wir
in Berlin hatten, lieferte Nawroth bei mir einen Betrag von durchschnittlich
150,- RM ab. Die Gelder setzten sich aus "Gute Hoffnung"-Erlösen und solchen
Beiträgen zusammen, die aus der verkauften Literatur erlöst wurden. Von welchen
Gruppendienern Nawroth diese Summen erhielt ist mir bestimmt unbekannt.
- 2 -
Literatur habe ich Nawroth
nicht geliefert. Ich nehme an, dass in seinem Bezirk noch einige kleinere
Bestände vorhanden sind. Die Lager dieser Bestände weiss ich allerdings nicht
anzugeben.
Nach dem Bezirk Ostschlesien
und Grenzmark wurden von uns keine Wachttürme geliefert. Ich nehme an, dass
Nawroth oder einer seiner Glaubensbrüder die Wt. angefertigt hat. Ich besinne
mich jetzt, dass anlässlich des ersten Treffs in Berlin zwischen Nawroth und
Fehst die Vereinbarung getroffen wurde, den Wachtturm für die Zukunft gemeinsam
herzustellen. Fehst war Bezirksdiener für Westschlesien und Sachsen (östlich der
Elbe). Fehst hat nach dieser Besprechung in Berlin einen
Vervielfältigungsapparat gekauft. In wessen Bezirk dieser Apparat heute steht,
ist mir unbekannt. M. E. muss Nawroth die Gruppendiener seines Bezirkes kennen.
Eine Liste hierüber ist nicht vorhanden.
Der Bezirksdiener Georg
Rabe, welcher den Bezirk 1.) Ostpreussen, 2.) Westpreussen, 3.) Pommern, 4.)
Mecklenburg zu betreuen hatte, ist mir schon seit etwa 10 Jahren, also schon aus
der legalen Zeit, als "Pilgerbruder" und dann als Bezirksdiener bekannt. Ich
traf ihn während der illegalen Zeit in Luzern und dann mit den anderen
Bezirksdienern zu den 5 Haupttreffs in Berlin. Ausserdem bin ich mit ihm 2 mal
in Stettin und einmal in Königsberg zusammengekommen. Ich suchte ihn damals
während meiner Zwischenbesuche auf, um mich mit ihm über biblische Dinge zu
unterhalten. Ich erkundigte mich bei solchen Gelegenheiten über seinen Bezirk
und befragte ihm im besonderen darüber, ob der Bezirk in Ordnung wäre. Auf
nähere Angaben über den Bezirk verzichtete ich. Ich verzichtete immer auf
Namensnennungen der Gruppendiener, um mich und diese nicht zu gefährden. Auch
Rabe lieferte seine … Gelder anlässlich der Treffs in Berlin ab. Bei jedem Treff
händigte er durchschnittlich 150,- RM aus. Die Literatur muß m. E. Rabe aus
kleineren Lagern erhalten haben, die in seinem Bezirk bei einzelnen
Glaubensgeschwistern noch versteckt waren. Den Wachtturm bezog er aus Berlin von
dem Bezirksdiener Otto Daut. Die Zahl der gelieferten Exemplare muss Otto Daut
angeben können.
- 3 -
Den Bezirksdiener August
Fehst kenne ich seit dem Jahre 1931. Ich war früher mit ihm in der
Tschechoslowakei als Bibelforscher tätig. Seine Wohnung ist mir nicht bekannt.
In Deutschland muss er sich mindestens 1 Jahr lang ohne feste Wohnung aufhalten.
Auch er war mit in Luzern, seit dieser Zeit ist er der Bezirksdiener für
Westschlesien und Ostsachsen. Fehst lieferte bei den bekannten Treffs in Berlin
wenig oder überhaupt kein Geld ab, im Gegenteil, er ließ sich von mir noch
größere Beträge aushändigen, die er zur Bezahlung der Schmuggler, welche ihm
verbotene Literatur der illegalen IBV aus der Tschechoslowakei nach Deutschland
brachten, benötigte. Außerdem benötigte er viel Geld zur Versendung dieses
Schriftenmaterials an die Deckadressen der einzelnen Bezirksdiener. Nur in einem
Falle in Berlin am 6. März 37 übergab mir Fehst einen Betrag von ca. 500,-- RM.
Quittungen über alle mir ausgehändigten Gelder wurden nicht ausgestellt. Dies
trifft in jedem Falle zu. Fehst selbst verschaffte sich die Literatur aus der
Tschechoslowakei durch den Glaubensbruder Wagner aus Warnsdorf/CSR. Durch Wagner
stand Fehst in ständiger Verbindung mit dem Zweigbüro der IBV wegen Belieferung
von IBV-Literatur. Schätzungsweise sind durch Wagner 40 000 Bücher und
Broschüren der IBV über die Grenze bei Spindlersmühle im Riesengebirge, sowie
bei Warnsdorf (Zittauer Gebirge) gebracht worden. Fehst übernahm diese Sendungen
und verschickte sie an die einzelnen Deckadressen der anderen 6 Bezirksdiener.
Einen Teil der Literatur hielt Fehst für seinen Bezirk zurück. Insgesamt
enthielten die Sendungen folgende Bücher und Broschüren:
1.) Das Buch "Reichtum", etwa 900 Exemplare,
2.) Die Broschüre "Entscheidung", etwa 35 000 Exemplare,
3.) Die Broschüre "Oberherrschaft", etwa 2000 Exemplare,
4.) Die Broschüren "Gesundheit und Leben", "Schlusskampf", "Frohe Botschaft" us. mehr, etwa 2 bis 3000.
Ausserdem
wurden noch in der Zeit von 6 Monaten etwa 3 bis 4000 'Goldene Zeitalter' aus
der Tschechoslowakei durch Wagner über die Grenze geschmuggelt. Diese
Zeitschriften brachte Fehst mit zu den Treffs in Berlin, wo sie an die einzelnen
Bezirksdiener verteilt wurden. Die gesamte Literatur ist in Bern/Schweiz
gedruckt worden, von dort aus wurde es unentgeltlich nach Prag an das Zweigbüro
der IBV geliefert. Auch wir in Deutschland erhielten diese Literatur ohne
Bezahlung. Fehst hatte lediglich eine Vergütung für die Schmuggler zu zahlen,
die ihm von mir ausgehändigt wurde.
- 4 -
Insgesamt habe ich Fehst für
die eingeschmuggelten Bücher ungf. 600,- RM vergütet. Auch die in Deutschland
verbreiteten Resolutionen (in Luzern verfasst und am 12. 12. 36 hier in
Deutschland verbreitet) wurden durch Vermittlung des Fehst in Deutschland
eingeschmuggelt und zwar an den von mir vorbezeichneten Stellen.
Das Buch "Reichtum" wurde
zum Preise von 1,50 RM an die Glaubensbrüder verkauft. Dieser Preis ist der der
üblichen der illegalen IBV. Für die Broschüren setzte ich für 10 Stück den Preis
von 0, 75 RM fest. Ganz vereinzelt ist es auch vorgekommen, dass unbemittelten
Glaubensgeschwistern das Buch "Reichtum" sowie Broschüren kostenlos überlassen
wurden. Der Erlös für die verkauften Bücher und Broschüren ist an mich nach
Abzug der Spesen abgeliefert worden.
Richter Rutherford ist der
Herausgeber und Verfasser der "Wachttürme". Diese Wt werden dann für die
deutschsprachigen Länder von dem Leiter des Mitteleuropäischen Zentralbüros
Harbeck in Bern übersetzt, dort im Druck hergestellt und an die einzelnen
Zweigstellen je nach Anforderung geliefert. Ich will hierbei bemerken, dass auch
die Druckherstellung in Prag teilweise durchgeführt wird. Da es besonders in
letzter Zeit vorgekommen ist, dass Einzelsendungen von derartigen
Wachtturm-Exemplaren bei der Grenzkontrolle angehalten wurden, und demzufolge
auch Verhaftungen von Glaubensgeschwistern vorgekommen sind, entschlossen wir
uns, nur noch eine geringe Anzahl Original-Wt. aus Prag zu beziehen. Für
Deutschland wurden von diesen Exemplaren durch Fehst 30 Stück bezogen (pro
Ausgabe, monatlich 2 mal). Diese Nummern gelangten dann gelegentlich der
Haupttreffs bzw. meiner Einzeltreffs mit den Bezirksdienern in die Hände der
Bezirksdiener. Diese stellten dann die für ihren Bezirk erforderliche Anzahl der
Wt. im Vervielfältigungsverfahren her. Wie ich bereits erwähnt habe, wurden die
Vervielfältigungen für Rabe und Meyer durch Daut veranlasst. Nawroth und Fehst
haben, wie ich auch schon vorstehend angegeben habe, für ihre Bezirke gemeinsam
die benötigten Exemplare angefertigt. Hierbei will ich bemerken, dass nicht
jedes einzelne Mitglied ein Wt-Exemplar erhielt. Das Exemplar wurde vielmehr
durch en Gruppendiener dem Zellendiener überreicht und ging dann in die Zelle,
die sich von 4 bis 6 Glaubensgeschwistern zusammensetzt, von Hand zu Hand. Diese
Massnahme wurde getroffen, weil bei der geringern Anzahl der Exemplare auch die
Gefahr der
- 5 -
Entdeckung der illegalen
Schrift ganz erheblich geringer war. Für das Lesen eines jeden Exemplars des Wt.
hatte die Zelle 0,25 RM an den Zellendiener abzuführen. Das letzte
Zellenmitglied hatte den Wt. dem Zellendiener zurückzugeben, der ihn zu
vernichten hatte.
Den Bezirksdiener Otto Daut,
der für den Bezirk Berlin und Mark Brandenburg tätig war, habe ich im vorigen
Jahre zum Luzerner Kongress kennengelernt. An der bereits erwähnten
Sonderkonferenz, der für das deutsche Reichsgebiet neueingeteilten Bezirksdiener
nahm Daut teil. Zur Zeit des Luzerner Kongresses war gerade der bisherige
Reichsdiener für Deutschland, der Glaubensbruder Winkler verhaftet. Daut ist
einer der ältesten Glaubensgeschwister aus Berlin und erstattete gelegentlich
dieser Konferenz Meldungen über in Berlin vorgekommene Verhaftungen von
Glaubensgeschwistern. Daut erhielt in Luzern noch keinen Bezirk. Da ich
erkannte, dass Daut ziemlich genau über die Berliner Verhältnisse orientiert
war, vereinbarte ich mit ihm in Berlin einen Treff. Ich habe ihn gebeten, seine
Informationen in der Zwischenzeit noch zu vervollständigen. Wenn mir vorgehalten
wird, dass Daut erklärt hat, ich hätte mit den anderen Bezirksdienern in Luzern
nicht den ersten Treff für Berlin vereinbart, so habe ich hierzu folgendes zu
erklären:
Ich bleibe auch heute noch
dabei, dass ich bereits in Luzern mit den sämtlich neu ernannten Bezirksdienern
den ersten Treff für Oktober festgelegt habe. Es besteht die Möglichkeit, dass
Daut von dieser Vereinbarung nichts gewusst hat. Mein Treff mit Daut persönlich
lag jedenfalls vor dem ersten Treff. Ich glaube, mich zu entsinnen, dass ich bei
diesem Treff Daut beauftragte, einen geeigneten Ort für unsere Zusammenkunft
herauszusuchen. Da mir heute vorgehalten wird, dass der erste Treff bei dem
Glaubensbruder Rehmer in Pichelsdorf stattgefunden hat, muss ich meine bisherige
Angabe insofern berichtigen, dass ich mich geirrt habe, wenn ich bisher
angegeben habe, der erste Treff sei bereits bei Reiche gewesen. Es ist also
zutreffend, dass wir uns zuerst bei Rehmer getroffen haben. Ich kann mich auch
jetzt darauf besinnen, dass ich mit Daut gemeinsam bereits vorher bei Rehmer
war.
- 6 -
Vermerk:
Über den Treff bei Rehmer
äussert sich Frost im Sinne der Angaben des Daut. Von einer Vernehmung des Frost
zu diesem Treff wird daher Abstand genommen.
Bei meinem ersten Treff mit
Daut nach der Luzerner Konferenz in Berlin, erklärte sich Daut nach Rücksprache
einverstanden, den Berliner Bezirk sowie die Mark Brandenburg zu übernehmen. Er
sagte mir, dass er sich nicht zu Hause aufhalten könne, weil er polizeilich
gesucht werde. Über die Einteilung seines Bezirks habe ich nicht im einzelnen
mit ihm verhandelt, ich habe ihm lediglich zum Vorschlag gemacht, Berlin in
mehrere Gruppen einzuteilen. Von Daut erhielt ich an jedem Treff den Betrag von
durchschnittlich 400 bis 600,- RM ausgehändigt. Insgesamt wird Daut etwa 25 000
RM. an mich bezahlt haben.
Ausser den üblichen Treffs
bin ich mit Daut in Berlin wiederholt zusammengekommen. Er berichtete mir von
Verhaftungen der Anhänger der Illegalen IBV. Ferner teilte er mit, dass der
Wachtturm hergestellt und demnächst zur Verteilung komme. Auch unterhielten wir
uns über organisatorische Angelegenheiten. Die neue Literatur erhielt Daut von
Fehst zugestellt. Bei meinen häufigen Zusammenkünften mit Daut befand sich die
Glaubensschwester Ida Strauss, die den Decknamen "Moritz" führte. Von Daut habe
ich erfahren, dass die Strauss die Vervielfältigungen der Wachttürme herstellt.
Der Bezirksdiener Fred Meyer
war nicht mit auf der Luzerner Konferenz anwesend. Ihn lernte ich im Oktober
1936 in Gesellschaft des Bezirksdieners Walter Friese in Hannover kennen. Er bot
sich s. Zt. mir gegenüber an, den Bezirk Westsachsen bis einschliesslich Anhalt
übernehmen zu wollen. Hierzu will ich bemerken, dass ich zunächst diesen Bezirk
für mich selbst freigehalten hatte. Da ich mich als Reichsdiener aber nicht
eingehend mit meinem Bezirk beschäftigen konnte, übernahm die mit mir
festgenommene Glaubensschwester Ilse Unterdörfer vor Meyer diesen Bezirk. Auch
Meyer war immer bei den Berliner Haupttreffs zugegen. Ausser den Berliner Treffs
kam ich mit Meyer nach vorheriger Vereinbarung vor den Bahnhöfen in Chemnitz,
Leipzig und Dessau. Ich erkundigte mich bei ihm über organisatorische
Angelegenheiten seines Bezirkes
- 7 -
und überzeugte mich von
seiner Arbeit als Bezirksdiener. Der Bezirk Westsachsen einschl. Anhalt war in 5
Gruppen eingeteilt, und zwar
1.) Chemnitz, bestehend aus
dem Stadtgebiet Chemnitz sowie der Umgebung, wozu folgende Orte gehören:
Markersdorf, Meinersdorf, Hartmanndorf, Burgstädt, Limbach, Freiberg, Zschopau,
2) Gruppe Erzgebirge:
bestehend aus den Orten Schwarzenberg, Annaberg, Buchholz und Sehma,
3) Gruppe Vogtland:
bestehend aus den Orten Zwickau, Planitz, Howel, Crittzschau, Gössnitz, bis nach
Plauen einschliesslich und Reichenbach,
4) Gruppe Leipzig: bestehend
aus den Orten Leipzig, Lützen, Pegau, Meuselwitz, Wurzen.
Ich bemerke, dass die Orte
Lützen, Meuselwitz und Pegau später herausgenommen wurden und dem Bezirk Walter
Friese zugeteilt worden sind.
5) Gruppe Dessau: bestehend
aus der Stadt Dessau, Coswig, Wittenberg und Elster an der Elbe.
Diese 5 Gruppen sind mir
bekannt. Diese Angaben entsprechen dem Stande vom September 1936. Ich nehme aber
an, dass Umorganisationen stattgefunden haben. Davon hatte mir der Bezirksdiener
Meier gelegentlich eines Treffs in Chemnitz berichtet. Näheres hierüber kann ich
aber nicht angeben, weil für mich ein Einschalten meiner Person zu gefährlich
würde.
Folgende mir bekannte
Gruppendiener des Bezirks Westsachsen Anhalt sind meines Wissens in Haft:
für Gruppe 1.) Chemnitz: Max
Quellmals aus Chemnitz,
Otto Ebert aus Chemnitz,
Walter Hauke aus Chemnitz,
Richard Meise aus Chemnitz,
für Gruppe Erzgebirge: Fritz
Boschan aus Beiersfeld,
Arthur Dietzsch aus
Annaberg.
für Gruppe Vogtland: zwei
Brüder aus Mosel bei Zwickau,
namens Hoh, Vorn.: ?
Walter Tetzner aus einem
Dorf bei Glauchau, Wernsdorf oder ähnlich lautend,
für Gruppe Leipzig: Karl
Siebeneichler, bis September 1936 als Gruppendiener, sodann Bezirksdiener in
Bayern, aus Leipzig,
für Gruppe Dessau. Fritz
Zietsch aus Dessau.
Ich muß mich berichtigen. Es
kann sein, dass Zietsch aus Dessau sowie die Gebrüder Hoh aus Mosel sowie Walter
Hauke aus Chemnitz noch nicht verhaftet sind. Genaueres hierüber
- 8 -
kann ich aber nicht angeben,
weil ich mich als Reichsdiener nicht damit beschäftigen kann und darf.
Die neuere Literatur erhielt
Meier durch Fehst zugestellt, entweder durch die Bahn oder mit der Post. Der
Empfangstag und die Empfangsadresse, die bahnlagernd oder Postlagernd (letzteres
wurde in letzter Zeit nicht mehr angewendet) angegeben wurde, wurde beim Treff
vorher in Berlin zwischen den einzelnen Bezirksdienern und Fehst vereinbart. Es
kann im Bezirk Westsachsen - Anhalt alte Literatur bei Glaubensbrüdern nicht
mehr vorrätig gewesen sein. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass Bücher alter
Literatur im vorbenannten Bezirk verkauft oder verbreitet worden sind. Die
Belieferung von Sachsen und Anhalt mit Wachttürmen wurde durch Daut, Berlin,
durchgeführt. Bei jedem Treff lieferte Meyer mit etwa 300,- RM aus. Insgesamt
habe ich von ihm 1000,- bis 1200,- RM erhalten.
Walter Friese, der
Bezirksdiener von Thüringen und dem Harzgebiet ist, ist mir seit dem Jahre 1930
bekannt geworden. Als Bezirksdiener für die vorgenannten Bezirke wurde er von
mir nach meiner Rückkehr aus Luzern und nach Rücksprache mit Siebeneichler und
Ditschi eingesetzt. In Luzern war vereinbart, dass Siebeneichler diesen Bezirk
übernehmen sollte. Weil aber Friese im Bezirk Thüringen und Harzgebiet bekannt
und eingearbeitet war, habe ich ihn entgegen der Luzerner Abmachung als
Bezirksdiener eingesetzt. Siebeneichler erhielt nach Rücksprache mit den anderen
Bezirksdienern den bayerischen Bezirk. Wie ich schon in den anderen Fällen
angegeben hatte, erhielt auch Friese durch den Bezirksdiener Fehst neue
Literatur zugestellt. Die im Bezirk Moringen und Harzgebiet zur Verteilung
kommenden Wt. wurden vom Bezirksdiener Friese selbst hergestellt. Mir ist
bekannt, dass im Bezirk des Friese ein Verfielfältigungsapparat zur Herstellung
von Wt. verwendet wurde. Ich kann aber nicht angeben in wessen Besitz sich
dieser Apparat befindet.
Von Friese habe ich bei
jedem Treff in Berlin durchschnittlich etwa 350,- RM bekommen. Insgesamt
händigte er mir 1500 bis 1800 RM aus.
- 9 -
Der Bezirksdiener Heinrich
Ditschi wurde in Luzern als mein Stellvertreter vorgeschlagen und bestimmt. Es
war vorgesehen, dass er im Falle meiner Verhaftung das Amt des Reichsdieners zu
übernehmen hatte. Ihn kenne ich als Anhänger der illegalen IBV seit unserem
Zusammentreffen in Luzern. Ditschi mit der Betreuung des Bezirkes
Schleswig-Holstein, Oldenburg, Ruhrgebiet und Westfalen beauftragt. Wie schon
erwähnt, wurde auch Ditschi durch den Bezirksdiener Fehst mit neuer Literatur
beliefert. Ich nehme an, dass auch jetzt noch im vorgenannten Bezirk alte
Bestände von IBV-Literatur vorhanden sind. Ich schliesse das da heraus, weil
über diese verkauften Bücher Gelder bei mir zur Ablieferung gekommen sind. Die
Wt. liess auch Ditschi in seinem Bezirk anfertigen. Wie in allen anderen Fällen
ist auch hier mir unbekannt, in wessen Händen sich der Vervielfältigungsapparat
und die Schreibmaschine befinden. Bei jeder Zusammenkunft mit Ditschi händigte
er mir den Betrag von durchschnittlich 400,- RM aus. Zusammen habe ich von ihm
etwa 2000,- RM erhalten.
Wandres, Albert,
Bezirksdiener, lernte ich im Jahre 1928 in Süddeutschland, in Wiesbaden,
gelegentlich der Aufführung "Das Schöpfungsdrama" als Anhänger der IBV kennen.
Ich bin dann noch einmal mit ihm zusammengekommen. Auch Wandres war mit in
Luzern. Er war s. Zt. schon Bezirksdiener für Rheinland, Baden und Württemberg.
Er wurde in Luzern als Bezirksdiener nur nochmals bestätigt. Anlässlich der
Verteilung der einzelnen Bezirke in Luzern erhielt er zu seinem Bezirk die
Gruppe in Saarbrücken im Saargebiet noch zugeteilt. Gruppendiener der
Saarbrückner Gruppe ist ein gewisser Hassel aus Saarbrücken. Über Hassel kann
ich nähere Angaben nicht machen, insbesondere weiss ich nicht, ob er verhaftet
ist. Für den vorgenannten Bezirk lieferte auch Fehst die neuere Literatur, die
an Deckadressen, die mir unbekannt sind, abgesandt wurde. Von Wandres erhielt
ich von allen Bezirken das meiste Geld. Bei jedem Berliner Treff händigt er mir
durchschnittlich 1500,- RM aus, so dass ich insgesamt 8000 bis 10 000,- RM von
ihm erhalten habe.
- 10 -
Die Vernehmung wurde
abgebrochen.
Laut diktiert gelesen
unterschrieben
geschlossen Erich Frost
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Nach der Vernehmung vom 15. 4. 37, wurde seitens der Gestapo offenbar erst mal
eine "Zwischenbilanz" der gewonnenen Erkenntnisse gezogen, wie deren
Protokoll-Zusammenschnitt vom 16. 4. 37 deutlich macht.

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Ad II B
Berlin, den 20. April 1937 (Das genaue Datum dieses auch in Ex-ZJ-Kreisen kursierenden Details der Frost-Vernehmungen ist unleserlich. Es kann auch der 26 oder 28 April sein)
W e i t e r v e r h a n d e l t
Vorgeführt erscheint Erich F r o s t, Personalien bereits aktenkundig und erklärt:
In Sachen S c h l o e m e r
Schon an anderer Stelle habe ich in der Angelegenheit Albert Wandres ausgesagt, dass bei den in der Wohnung der mir unbekannten Glaubensschwester in der Nähe des Cafes Olga-Boke in Stuttgart stattgefundenen Treffs auch der Glaubensbruder Herman Schloemer mit zugegen war. Seit dieser Zeit (Februar 1937) kenne ich Schloemer. Ich habe mich mit ihm nachdem nicht wieder getroffen. Schlemer wurde von mir nach der bereits schon früher erwähnten Wohnung der Glaubensschwester nicht bestellt. Das kann nur Wandres getan haben, der als Bezirksdiener die Treffs zu vermitteln hatte. Ich nehme an, dass Wandres auch vorher mit der unbekannten Glaubensschwester in Verbindung getreten war, um ihre Wohnung für unsere Zusammenkünfte zur Verfügung zu stellen. Eine direkte Verbindung mit Schloemer habe ich nie gehabt. Schloemer war ja nicht Bezirksdiener, und ich hatte daher nichts mit ihm zu tun. Schloemer muss meines Wissens ein Helfer von Wandres gewesen sei. Ich kann mich entsinnen, dass Wandres mir einmal erzählte, er habe Schlemer und Stickel für seinen Bezirk eingesetzt, weil der Bezirk sei umfangreich sei. Welche Arbeiten Schloemer als Helfer von Wandres zu verrichten hatte, ist mir unbekannt. Ich nehme aber an, dass er ihm beim Verteilen von Wachttürmen oder beim Aufsuchen der Gruppendiener der illegalen IBV behilflich war. Mir ist auch nicht bekannt, ob Schloemer die Gelder für gelieferte W.T. Und auch G.H.-Beträge kassiert hatte. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, so war er jedenfalls berechtigt, für seinen Lebensunterhalt sowie auch für die Kosten für die Bezirkskasse in Abzug zu bringen. Das war eine allgemeine Vereinbarung, die für alle Funktionäre der illegalen IBV galt.
- 2 -
Ich muss mich an dieser Stelle noch berichtigen. Schloemer kenne ich ungef. Seit 1929. Gelegentlich des Stuttgarter Treffs, wo er auch zugegen war, habe ich nur eine alte Bekanntschaft mit ihm erneuert. Schloemer warfrüher Gruppendiener, vermutlich in Bremen, vor dem Verbot der IBV stand er in deren Missionsdienst, vermutlich ebenfalls in Norddeutschland. Ich kann mich entsinnen, Schloemer im Jahre 1929 in Bremen gelegentlich der Aufführung des Schöpfungsdramas getroffen zu haben.
Die Anzahl der Resolutionen, die andren für Wandres für seinen Bezirk erhalten hatte (Württemberg, Baden, Rheinland, Saargebiet weiss ich nicht anzugeben. Wandres hatte einen sehr großen Bezirk, ich nehme daher an, dass ihm Fehst etwa 20 bis 25 000 Exemplare zugeschickt hatte.
v. g. u.
geschlossen.
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Berlin,
den 21. 4. 37
AD. II B
Weiter verhandelt.
Vorgeführt erscheint Frost,
Personalien bekannt, und erklärt:
Zu meinen Angaben vom 15. 4.
37 über die Bezirksdiener habe ich im einzelnen folgendes zu bemerken:
Bezirksdiener Nawroth.
Ausser den von mir bereits
erwähnten Treffs habe ich mit Nawroth Ende 1936/ Anfang 1937 noch einen weiteren
Treff in Breslau gehabt. Vereinbarungsgemäss trafen wir zunächst auf dem
Breslauer Hauptbahnhof zusammen. Hier wurde von uns gleichzeitig der
Bezirksdiener Fehst erwartet. Da Fehst nicht erschien, führte mich Nawroth in
die Wohnung eines Glaubensbruders unweit des Hauptbahnhofs. Die Lage der Wohnung
vermag ich heute nicht mehr näher anzugeben. Mir ist auch der Name des
Glaubensbruders entfallen. Nawroth liess mich mit der Glaubensschwester in der
Wohnung zurück, um, wie er mir sagte, noch einmal zu versuchen, Fehst zu
treffen. Ich habe heute auch nicht mehr in Erinnerung, ob Nawroth dann mit Fehst
selbst oder mit einem unserer Glaubensbrüder in der Wohnung erschien. Während
der Abwesenheit des Nawroth hatte ich von der Glaubensschwester erfahren, das
ihr Mann bereits verhaftet sei. Dies war für mich mitbestimmend, vorzuschlagen,
die Wohnung sofort wieder zu verlassen. Ich kann mich heute noch darauf
erinnern, dass Nawroth, Fehst, ein weiterer Glaubensbruder, dessen Name mir
entfallen ist, durch die Stadt gingen und dann irgendein Lokal betraten. Bei
dieser Gelegenheit habe ich mich von Nawroth und Fehst über ihre Bezirke
informieren lassen. So wurde hier über erfolgte Festnahmen gesprochen,
- 2 -
auch haben wir uns über
biblische Dinge unterhalten. Hierbei will ich erwähnen, dass diese Treffs in
erster Linie lediglich zeigen sollten, dass dieser oder jener von uns noch nicht
verhaftet sei. Ausserdem waren die Treffs dazu bestimmt, uns gegenseitig
ermunternde Worte zu sagen.
Bezirksdiener Rabe.
U. a. bin ich mit Rabe Ende
November 1936, in Stettin, im Dezember 1936 oder Anfang 1937 in Königsberg und
Februar 1937 wieder in Stettin zusammengetroffen.
In Stettin trafen wir nach
vorangegangener Vereinbarung auf dem Hauptbahnhof zusammen. Von hier aus gingen
wir den Strassenbahnschienen nach in die Stadt, wo wir einen Glaubensbruder in
seiner Wohnung aufsuchten. Den Namen und die Wohnung des Glaubensbruders kann
ich nicht näher angeben. Vom Bahnhof würde ich allerdings die Wohnung
wiederfinden. In dieser Wohnung fanden sich dann noch 2 weitere Glaubensbrüder
ein, die m. E. von Rabe bzw. dem dort wohnenden Glaubensbruder der unsere
Anwesenheit durch Rabe bereits vorher erfahren haben dürfte, eingeladen waren.
Auch dieser Treff sollte in der Hauptsache gegenseitige Erbauung bezwecken. Wir
haben auch über biblische Dinge gesprochen.
Treff in Königsberg.
Rein zufällig traf ich
bereits mit Rabe im Schnellzug auf der Fahrt nach Königsberg zusammen. Wo er
zugestiegen ist, weiss ich heute nicht mehr. Wir suchten in Königsberg gemeinsam
einen Glaubensbruder auf, dessen Name und Wohnung ich auch nicht angeben kann.
Der Glaubensbruder ist von Beruf Gärtner. Ich habe bei diesem Glaubensbruder
übernachtet. Rabe hat in den späten Abendstunden die Wohnung verlassen. Wo er
sich hinbegeben hat, weiss ich nicht. Zweck des Treffs war, lediglich wieder
einmal mit Rabe zusammen zu sein, um uns davon zu überzeugen, dass wir uns beide
noch in Freiheit befinden.
Bezirksdiener Fehst
Wie ich bereits zum Ausdruck
gebracht habe, oblag dem Fehst neben Betreuung seines Bezirkes in erster Linie
die Literaturbeschaffung. Bei dem letzten Treff in Berlin-Zeuthen habe ich von
Friese erfahren, dass sich noch in Kassel ein größeres Lager befinden sollte.
- 3 -
Es wurde nun vereinbart,
dieses Lager zu räumen und die Bestände bei einzelnen Glaubensgeschwistern
unterzustellen. Die Räumung des Lagers sollte durch Fehst, Daut und noch 2
weitere Glaubensbrüder durchgeführt werden. Ich selbst fuhr am 8. 3. 37 nach der
Tschechoslowakei. Nach meiner Rückkehr erfuhr ich von Daut, dass das Lager in
Kassel bereits entdeckt und von der Polizei geräumt war. Zur beabsichtigten
Räumung des Lagers wurde ein von mir für die IBV angeschafftes Auto benutzt.
Über die Anschaffung dieses Kraftfahrzeuges werde ich mich später äussern. Ich
möchte hierbei gleich erwähnen, dass es sich meines Wissens bei diesem Kasseler
Lager um das letzte Lager der IBV handelt. Die Bezirksdiener haben jedenfalls
von mir nicht die geringsten Gelder zur Begleichung von Lagermiete gefordert.
Über die Lage des Lagers kann ich nähere Angaben nicht machen. Hierzu dürfte
Daut in der Lage sein. Friese hat mir gesprächsweise mitgeteilt, dass sich in
diesem Lager ca. 15 000 broschürte Bücher "Schöpfungen" befunden hätten.
Die Wohnung des
Bezirksdieners August Fehst, der etwa 36 Jahre alt, etwa 1,73 m gross, blasse
Gesichtsfarbe, kurz geschnittene blonde Haare, Augen blau oder grau, Zähne
vollständig, spricht hochdeutsch, weiss ich nicht anzugeben; er muss aus
Niederschlesien stammen, ich vermute, dass er in Gottesberg gewohnt hat. Ich
schliesse das daraus, dass Fehst während eines Aufenthaltes in der
Tschechoslowakei wiederholt mit Glaubensgeschwistern aus Gottesberg zusammen
war. Mit Fehst bin ich nur gelegentlich vereinbarter Treffs, die in Berlin,
sowie in Breslau, Görlitz und Dresden stattfanden, zusammengekommen. Bei solchen
Gelegenheiten habe ich mich nur an Bahnhöfen mit ihm getroffen. In keinem Falle
waren wir in den Wohnungen von Glaubensgeschwistern. Eine Deckadresse für Fehst
ist mir nicht bekannt. Ich kann nicht angeben, ob Fehst im Besitz eines
Reisepasses oder anderer Ausweispapiere ist.
An dieser Stelle möchte ich
noch folgendes bemerken:
Nach meiner Ansicht wurden
für die Bezirke des Fehst (Schlesien) und Nawroth (Ostschlesien und Grenzmark)
die "Wachttürme" auf einem Abzugsapparat hergestellt worüber Fehst Aufschluss
geben kann. Fehst hatte im Oktober 1936 gelegentlich eines Treffs einen
Abzugsapparat Marke "Primus II" für etwa 100,- RM gekauft und mitgenommen. Auf
diesem Apparat sollte die Vervielfältigung der Wt. für die
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Bezirke Fehst und Nawroth
vorgenommen werden. Der Aufbewahrungsort des Vervielfältigungsapparates ist mir
unbekannt. Hierüber kann nur Fehst Angaben machen.
Bezirksdiener Friese
Mit Friese, der als
Bezirksdiener für Thüringen und Harzgebiet in Frage kommt, bin ich im Oktober in
Hannover zusammengetroffen. Bei diesem Treff waren ferner die Bezirksdiener
Ditschi und Meyer zugegen. Ich wurde von Friese im Wartesaal 2. Klasse erwartet.
Soweit ich mich erinnere gingen wir dann nach dem Mindener Markt Nr. 8, wo ein
Glaubensbruder Hartmann oder so ähnlich im Hinterhaus parterre wohnt. Hier waren
bereits Meyer und Ditschi anwesend. Bei diesem Treff handelte es sich ebenfalls
um einen so genannten Zwischentreff. An diesem Treff habe ich dann dem Meyer den
Bezirk Westsachsen-Anhalt zugeteilt. Diesen Bezirk hatte ich vorher persönlich
betreut. Auch bei diesem Treff handelte es sich um einen sogenannten
Zwischentreff, bei dem wir uns gegenseitig ermunterten und uns in erster Linie
nur davon überzeugen wollten, wer sich von uns noch in Freiheit befindet. Im
übrigen nehme ich Bezug auf meine Angaben in der Vernehmung vom 15. 4. 37, Seite
8.
Bezirksdiener Wandres
Meine Angaben auf Blatt 9 in
der Vernehmung vom 15. 4. 37 habe ich wie folgt zu ergänzen:
Mit Wandres traf ich in
Stuttgart 2 mal zusammen. Der erste Treff lag im November oder Dezember 1936.
Wir trafen uns am Bahnhof und suchten die Wohnung einer Glaubensschwester auf.
Den Namen der Glaubensschwester kann ich nicht angeben. Die Wohnung befindet
sich schräg rüber vom Café "Olga" und zwar in der Straße, die die Olgastr.
schneidet. Die Hausnummer selbst kann ich nicht angeben. Die Wohnung ist aber im
2. Stockwerk gelegen. Soweit ich mich entsinnen kann sind in diesem Grundstück
keine Geschäfte untergebracht. Es handelt sich um ein reines Wohngrundstück. In
der Wohnung wozugegen waren: Bezirksdiener Wandres, sein Unterbezirksdiener
Ludwig Stickel aus Pforzheim. Unterhielten wir uns über die Wahrheit und
erörterten Fragen des Glaubens. Organisatorische Fragen, insbesondere, ob im
Bezirk alles in Ordnung sei, wurden schon auf dem Wege zu dieser Wohnung
behandelt.
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Die mir namentlich nicht
bekannte Glaubensschwester stellte uns für die Unterredung ihr Wohnzimmer zur
Verfügung und bewirtete uns mit Kaffee und Kuchen. Sie selbst nahm an der
Besprechung nicht teil, sondern beschäftigte sich in der Küche. Nach 1 ½
stündigen Aufenthalt verliess ich allein die Wohnung. An dieser Stelle möchte
ich bemerken, dass ich mich immer so verhielt. Sobald meine Besprechungen
beendet waren, verabschiedete ich mich und ging fort. Ich wollte mich so
unauffällig wie nur möglich verhalten und die Glaubensgeschwister nicht
gefährden.
Ein zweites Mal hatte ich in
der gleichen Wohnung im Februar d. Js. einen Treff. Damals waren zugegen:
Siebeneichler, Karl, mit dem ich mich schon auf der Hinfahrt nach Stuttgart im
D-Zug in Nürnberg traf, Wandres, Albert, Ludwig Stickel, der Unterbezirksdiener
Schloemer, 2 mir namentlich unbekannte Glaubensbrüder aus der Umgebung
Stuttgarts und ich selbst. Wir unterhielten uns zunächst über den Inhalt
mehrerer Wt.s und erörterten Glaubensfragen. Gleichzeitig übergab ich Wandres
einige Original-Wt., die er für die Glaubensgeschwister seines Bezirkes zu
vervielfältigen hatte. Ausserdem erhielt Wandres einige Zeitschriften neuester
Ausgabe "Das Goldene Zeitalter". Wenn wir uns bei solchen Gelegenheiten
über die Auslegung der
Bibel, sowie über die Wahrheit unterhalten haben, so betrachteten wir das als
Andacht. Eine besondere Form einer Feierstunde kennen wir als Anhänger Jehovas
nicht.
Ein andermal traf ich mit
Wandres zufällig in Berlin. Wandres hatte sich in diesem Falle zunächst mit Daut
verabredet. Durch Daut wusste ich davon, und ich war bei diesem Treff zugegen.
Wir trafen uns vor dem Potsdamer Bahnhof und gingen zu dritt nach der
Fürstenberg-Brücke am Potsdamer Bahnhof. Bei dieser Gelegenheit unterhielten wir
uns über Vorkommnisse unserer IBV und sonstige Tagesfragen. Dabei übergab mir
Wandres 2 in meiner Brieftasche vorgefundene Notizzettel, deren Inhalt mir nicht
bekannt ist sowie einen Brief, der an die Adresse eines Glaubensbruders oder
Glaubensschwester gerichtet ist. Ich hatte noch keine Gelegenheit vom Inhalt
dieser Schriftstücke Kenntnis zu nehmen, weil ich 2 Tage nach diesem Treff
verhaftet wurde. Die Schriftstücke müssen sich in meiner Brieftasche bei den
Effekten befinden.
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Bei dieser Gelegenheit
möchte ich folgendes bemerken:
Gelegentlich des Haupttreffs
im Januar d. Jahres in Berlin teilte mir Wandres mit, dass er zur
Vervielfältigung eine Schreibmaschine gekauft habe. Er legte mir eine Abrechnung
vor, wonach er für 240,-- RM eine neue Schreibmaschine, Marke unbekannt, gekauft
habe. Den Lieferanten vermag ich nicht anzugeben, da wir uns darüber nicht
unterhalten haben. Ich vermute aber, dass Wandres die fragliche Schreibmaschine
in Süddeutschland gekauft hat.
Bezirksdiener D i t s c h i
Zu meinen
am 15. 4. 37 über den Bezirksdiener Heinrich Ditschi gemachten Angaben ergänze
ich noch folgendes:
Mit Ditschi war ich im
Oktober 1936 und dann noch einmal im Dezember 1936 in Dortmund zusammen. Wir
trafen uns beide Male vorerst auf dem Hauptbahnhof in Dortmund und gingen
zusammen nach der Wohnung des Glaubensbruders Beike oder Peike in der
Uhlandstr., Nr. unbekannt. Beike muss Inhaber einer im gleichen Grundstück
gelegenen Bäckerei sein, die sich im Erdgeschoss befindet. In beiden Fällen
waren bei diesen Treffs anwesend: Wandres, Ditschi, sowie der Unterbezirksdiener
Lünenschloss vom Bezirk Ditschi und ich selbst. Bei diesen Treffs behandelten
wir die Auslegung der Bibel und unterhielten uns über die Wahrheit. Der
Wohnungsinhaber war nicht mit zugegen. Ich muss an dieser Stelle hervorheben,
dass ich außer den abgehaltenen Andachten mich immer überzeugen wollte, ob und
wie die verschiedenen Bezirksdiener überhaupt noch für die IBV arbeiten. Es
konnte ja möglich sein, dass in einigen Fällen Verhaftungen vorgenommen waren
und der Bezirk dann ohne Leitung gewesen wäre. In solchen Fällen war es meine
Aufgabe, einen neuen Bezirksdiener zu finden und einzusetzen.
Ditschi war bereits in
Luzern als Nachfolger in dem Falle vorgeschlagen und bestimmt worden, wo ich als
Reichsdiener verhaftet werde. Im Falle meiner Verhaftung hat sich Ditschi sofort
an das Zweigbüro in Prag zu wenden. Nebenher möchte ich noch erwähnen, dass
Ditschi nach seinen Äußerungen Beziehungen zu Glaubensgeschwister in Holland hat
und mit diesen in ständiger Verbindung steht. Näheres hierüber weis ich nicht
anzugeben. Mir ist nur bekannt, dass Ditschi wiederholt mit Glaubensgeschwistern
über Sterkrade mit Holland in Verbindung steht. Ich halte es für sehr
wahrscheinlich, dass Ditschi wiederholt in Sterkrade war.
Die Vernehmung wird
abgebrochen
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Ad. II B
Berlin, den 24. April 1937
W e i t e r v e r h a n d e l t
Vorgeführt erschein Erich F r o s t, Personalien bereits aktenkundig, und erklärt:
Zur Sache S i e b e n e i c h l e r:
Den Bezirksdiener Karl S i e b e n e i c h l e r, der für den Bezirk B a y e r n in der Zeit von September 1936 bis zu seiner im März erfolgten Verhaftung tätig war, ist mir seit etwa 10 Jahren bekannt. Er ist genau so wie ich Leipziger Einwohner, und ich habe ihn von Anfang an in den verschiedenen Versammlungen der IBV kennengelernt. Im Laufe der Jahre bin ich immer wieder in Versammlungen in Leipzig zusammen gewesen, wo wir Fragen des Glaubens erörterten, die Auslegung der Bibel behandelten und uns über die Wahrheit der Bibel unterhielten. Ich weiss auch, dass S i e b e n h e i c h l e r Sprecher in Versammlungen der IBV vor dem Verbot gewesen ist.
Ich kenne auch die Braut des Siebeneichler. Sie heisst mit dem Vornamen Emmi, ist Kontoristin und wohnt jetzt noch in Leipzig. Zuletzt war ich mit ihr im September vorigen Jahres in Leipzig zusammen gewesen, ich traf mich s. Zt. mit ihr in einem Leipziger Bierlokal, wo ihr Bräutigam der jetzt verhaftete Bezirksdiener Siebeneichler zugegen war. S. zt. wurden alle Fragen der IBV besprochen, besondere Informationen sind nicht gegeben worden.
Wie ich schon an anderer Stelle angegeben hatte, war Siebeneichler zunächst für den Bezirk Thüringen und Harzgebiet vorgesehen. Nach Rücksprache mit allen Bezirksdienern der illegalen IBV in Deutschland in Luzern gelegentlich des Kongresses tauschte Siebeneichler mit dem Friesischen Bezirk und übernahm den Bezirk Bayern, ich muss mich berichtigen, Siebeneichler nur zunächst für den Bezirk Thüringen und Harzgebiet. Der Tausch der beiden Bezirke wurde gelegentlich eines Treffs in Hannover nach dem Luzerner Kongress vorgenommen. Die Übernahme des Bezirke Bayern durch Siebeneichler erfolgte Ende September 1936.
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Siebeneichler ist Nachfolger des vorher verhafteten bayerischen Bezirksdieners Koelbel, wohnhaft gewesen in München, Landsberger Str. Nr. ?
Die Einführung des von mir ernannten Bezirksdieners Siebeneichler wurde von mir selbst vorgenommen. Unmittelbar nach der hannoverschen Besprechung fuhr ich mit Siebeneichler nach Nürnberg zum Glaubensbruder Johannes Jung, wohnhaft Hillerstr. 14 (?), um ihn dort bekannt zu machen. Durch Jung sollte Siebeneichler mit weiteren bayerischen Glaubensbrüdern in Verbindung gebracht werden. Nach Vorsprechung bei Jung fuhren Siebeneichler und ich zum Glaubensbruder Grossmann, etwa 35 Jahre alt, nach München. Auch dort machte ich Siebeneichler bekannt. Für seinen Lebensunterhalt und für Reisen, die Siebeneichler innerhalb Bayerns zum Besuch von Gruppendienern vorzunehmen hatte, händigte ich ihm einen Betrag von etwa 100.- RM aus. Die genaue Summe kann ich allerdings jetzt nicht mehr angeben. Bei der damaligen Einführung bei Grossmann übernachtete Siebeneichler und ich bei einem Schwager des Grossmann, der in München in der Nähe des Nymphenburger Schlosses, die Strasse weis ich nicht mehr anzugeben, wohnt. Name und nähere Adresse des Schwagers ist mir unbekannt. Wir übernachteten in der Wohnung des Schwagers allein. Die Ehefrau des mir unbekannten Schwagers soll sich in einer Heilanstalt befinden. Am nächsten Morgen, es kann in der 6. Stunde gewesen sein, wurden wir durch ein lautes Klopfen an die Türe geweckt. Auf Vorschlag Grossmanns verhielten wir uns ruhig und haben nicht geöffnet. Wer der Klopfer gewesen sein könnte, wussten wir nicht. Wir zogen uns sofort an und verliessen die Wohnung. Im Hausflur begegneten wir der Ehefrau einer Nachbarwohnung, die uns mitteilte, dass ein Schutzmann dagewesen sei. Ich fuhr sodann mit Siebeneichler zur Stadt und trennte mich sofort von ihm, um nach Berlin zurück zu fahren. Erst später erfuhr ich von Siebeneichler, dass der Polizist Erkundigungen über den Schwager einziehen wollte.
Zu den ersten 4 Haupttreffs traf ich dann Siebeneichler in Berlin, wie ich an anderer Stelle schon angegeben hatte, unterhielten wir uns bei diesen Treffs über biblische Dinge, ich liess mir dann über die Arbeit seines Bezirkes von Siebeneichler berichten. Bei solchen Gelegenheiten übergab mir Siebeneichler den Erlös der in seinem Bezirk verkauften W.T. Sowie Literatur und G.H.-Gelder. Die einzelnen Beträge kann ich nicht mehr angeben, im Durchschnitt habe ich über rund 250,- RM pro Treff erhalten.
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Zusammen habe ich von ihm etwa 1 000.- RM bekommen. Wie in allen anderen Fällen stellte ich Empfangsbescheinigungen über die erhaltene Summe nicht aus. Ich kann micht entsinnen, gelegentlich der Treffs von Siebeneichler die Mitteilung erhalten zu haben, dass er in München eine Vervielfältigungsmaschine zur Herstellung von W.T's gekauft hatte. Die Marke des Apparates sowie der Preis desselben ist mir nicht bekannt. Ich hatte Siebeneichler danach nicht gefragt, und er hat es mir auch nicht angegeben. Soviel mir bekannt ist, hatte Siebeneichler die W. T. auf einer Schreibmaschine anfertigen lassen, die bei einem der Glaubensbrüder, deren Name und Wohnort ich nicht weiss, steht. Ich selbst habe ihm Mittel zum Ankauf einer Schreibmaschine nicht gegeben. Mir ist aber in Erinnerung, dass der Bezirksdiener Daut im Oktober oder November v. Js. dem Siebeneichler eine Orga-Privat-Schreibmaschine aushändigte, die er aber, weil sie nicht mehr in Ordnung war, bei einem der nächsten Treff wieder mit nach Berlin zurückbrachte. Die Schreibmaschine hat dann später der Bezirksdiener Fehst mit in seinen Bezirk Westschlesien genommen. Zur bestreitung seiner Unterhaltskosten konnte sich Siebeneichler von den kassierten IBV-Geldern einen gewissen Betrag in Abzug bringen. So handhabten das auch die übrigen Bezirksdiener. Die Summe der von Siebeneichler einbehaltenen Gelder kann ich nicht angeben, ich schätze aber den Betrag auf ca. 150.- bis 200.- RM. Darüber hinaus konnte sich Siebeneichler von einbehaltenen Geldern die Netzkarte kaufen. Der Preis der Netzkarte beträgt 90.- RM.
Ausser den vorgenannten Haupttreffs hatte ich mit Siebeneichler zweimal in München und einmal in Nürnberg Zwischentreffs vereinbart. In München traf ich mich mit ihnen Ende Oktober oder Anfang November im Hauptbahnhof und an der gleichen Stelle noch einmal im Dezember 1936. Wir gingen dann zusammen in ein Bierlokal und unterhielten uns über Glaubensfragen. Dabei liess ich mich über die Organisation und die Arbeit seines Bezirkes unterrichten. Er berichtete mir immer, dass die Zusammenarbeir und der Zusammenhalt im Bezirke in Ordnung gehe. Zum 3. Mal traf ich mit Siebeneichler im D-Zug in Nürnberg zusammen, wo ich mit ihm nach Stuttgart fuhr, um einen Treff mit Wandres wahrzunehmen. Dieselben Fragen wurden auch dann mit Wandres in Stuttgart, in der Nähe der Olgastr. in einem Wohnhaus im 2. Stock, behandelt. Hierüber hatte ich schon in Sachen Wandres ausgesagt.
Es fällt ein, dass ich bei einem der vorerwähnten 2 Treffen in München mit einer Glaubensschwester, die mir mit „Gertrud" vorgestellt wurde zusammen gesprochen hatte. Auch mir ihr habe ich mich über
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die Auslegung der Bibel und Glaubensfragen unterhalten. Der Bezirksdiener Siebeneichler hatte s. zt. die Glaubensschwester Gertrud mitgebracht und mir vorgestellt.
v. g. u.
E. Frost
geschlossen
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Ad. II B
Berlin, den 26. April 1937
V e r h a n d e l t
Vorgeführt erscheint Erich F r o s t, Personalien bereits aktenkundig, und erklärt:
Ich erwähne nochmals, dass bei den in Berlin stattgefundenen Haupttreffs alle Bezirksdiener iwe:
Georg Rabe, Artur Nawroth,
August Fehst, Otto Daut, Fred Meier, Walter Friese, Heinrich Ditschi, Albert
Wandres und Karl Siebeneichler zugegen waren. In einem Falle fehlte Ditschi der
sich im Datum geirrt hatte, und zweimal war Siebeneichler nicht zugegen. Er
fehlte, gleich beim ersten Treff im November 1936. Ich traf ihn am gleichen Tage
noch am Bahnsteig des Anhalter Bahnhofs, als ich abends nach Chemnitz fahren
wollte. Ich fuhr zusammen mit ihm sowie auch Fräulein Unterdörfer nach Chemnitz.
Unterwegs liess ich mir von ihm über seinen Bezirk unterrichten. Er überbrachte
mir Nachrichten von Verhaftungen in seinem Bezirk, übergab mir seinen in der
bereits schon erwähnten Form abgefaßten Arbeitsbericht und händigte mir die
kassierten Gelder über verkaufte W.T.'s und Literatur der illegalen IBV aus. Die
Höhe der Summe ist mir unbekannt, in der Regel waren es immer 200 bis 300.- RM,
die mir Siebeneichler gab.
Am 6. März 1937, also am Tage des letzten Haupttreffs in Berlin, war
Siebeneichler nicht zugegen. Weil wir über ihn besorgt waren, schickte ich die
Ilse Unterdörfer sofort nach München, um über Siebeneichler Erkundigungen
einzuziehen. Ich übergab der Unterdörfer eine mir von Siebeneichler genannte
Münchener Telefonnummer. Nach Anruf beim Inhaber dieser Nummer traf sich die
Unterdörfer in München mit einer mir unbekannten Glaubensschwester, die mit
Vornamen "Gertrud" hieß. Mir ist in Erinnerung, dass die Gertrud personengleich
ist mit Elfriede Löhr aus München. Ich vermute das wenigstens so, eine nähere
Begründung habe ich allerdings hierzu nicht geben.
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Nach dem vorerwähnten Telefongespräch mit der Gertrud hatte sich die Unterdörfer mit ihr noch am gleichen Abend getroffen, wahrscheinlich am Münchener Hauptbahnhof. Die Ilse Unterdörfer kehrte dann nach Berlin zurück und berichtete mir, dass sie Näheres über das Ausbleiben Siebeneichlers nicht in Erfahrung bringen konnte, es sei aber höchst wahrscheinlich, mit seiner Verhaftung zu rechnen.
Die Treffs in Berlin fanden statt:
Das erste bei dem Glaubensbruder Rehmer in Pichelsdorf, die nächsten 4 bei den Glaubensgeschwistern Reichen in Zeuthen bei Berlin.
Kurz vor der Verhaftung meines Vorgängers, des Reichsdieners Fritz Winkler, übersandte mir dieser für etwa 350.- RM Coupons, die für diejenigen Glaubensgeschwister bestimmt waren, die am Luzerner Kongress vom 4. bis 7.9.36 teilnehmen wollten. Die Coupons erhielt ich als Bezirksdiener von Westsachsen/Anhalt, sie sollten innerhalb meines Bezirkes zur Verteilung gelangen.
Hiervon übergab ich
1.) dem Glaubensbruder Max Quellmalz aus Chemnitz für etwa 200.- RM,
2.) dem Glaubensbruder Karl Siebeneichler aus Leipzig, für etwa 90.- RM,
3.) den Rest händigte ich Ilse Unterdörfer aus.
Die genannten Personen händigten mir den Gegenwert der Coupons in RM aus. Ursprünglich hatte ich die Absicht, das Geld dem damaligen Reichsdiener Fritz Winkler abzuliefern. Weil nun aber Winkler kurz vor dem Luzerner Kongress verhaftet wurde und ich für meine Tätigkeit von ihm keine Barmittel erhalten konnte, verbrauchte ich die vorerwähnten 350.- RM für meinen Lebensunterhalt und deckte aus diesen Mitteln meine Reisekosten.
In diesem Zusammenhang möchte ich folgendes bemerken.
Es war der Wunsch Richter Rutherfords, zum Luzerner Kongress auch Reichsdeutsche anwesend zu haben. Rutherford äusserte diesen Wunsch durch das Zentral-Europäische Büro der IBV (Wachtturm- Bibel- und Traktat-Gesellschaft) in Bern und Harbeck, der Leiter dieses Büros gab ihn an den damaligen Reichsdiener Fritz Winkler weiter.
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Um die in Deutschland bestehenden devisenrechtlichen Bestimmungen nicht zu verletzen, wurde vereinbart, dann die nach Luzern reisenden Glaubensgeschwister die Reisekosten im voraus an die Reichsleitung der illegalen IBV in Deutschland einzahlen. Die Gelder sollten dem Deutschen Werk der illegalen IBV für Ausbau und Organisation zu Gute kommen. Auch sollten für ärmere Glaubensgeschwister Gratislieferungen von W.T.'s vorgenommen werden. Während des Kongresses in Luzern war durch Harbeck eine Kasse eingerichtet worden, die den Gegenwert in Francs auszahlte. Von der Einlösung der in Deutschland an die Glaubensgeschwister der illegalen IBV ausgegebenen Coupons ist in Luzern Gebrauch gemacht worden. Über die Anfertigung der Coupons kann nur Winkler Auskunft geben. Sie hatten die Grösse eines Strassenbahnfahrscheines und trugen folgende Werte:
Rot: mit Aufdruck „1" = 10.- RM
Grün: mit Aufdruck „1/2" = 5.- RM.
Eine Verrechnung zwischen dem Zentral-Büro in Bern und der illegalen IBV in Deutschland über die in Bern ausgezahlten Gelder hat nicht stattgefunden. Man wollte eben den deutschen Glaubensgeschwistern Gelegenheit geben, an dem Kongress teilzunehmen und andererseits war ja auch die Wachtturm-Gesellschaft in Bern durch die Auslieferung wertvoller Druckereimaschinen (nach dem Verbot der IBV in Deutschland wurden dem Zentral-Büro in Bern sämtliche Maschinen und Einrichtungsgegenstände ausgeliefert) entschädigt. Ich selbst habe in Luzern Coupons nicht eingelöst. Ich benötigte solche nicht, weil ich ja sowieso von Harbeck eingeladen war, um während der Versammlungen als Organist zu wirken, und mir zur Bestreitung des Lebensunterhaltes die Summe von 50 Francs vom Zentral-Büro geschenkt wurde.
Resolution
Es ist üblich, dass bei grossen Hauptversammlungen der IBV Resolutionen gefasst und dann an die Bevölkerung der einzelnen Länder verteilt werden. Es wurde auch anlässlich des Luzerner Kongresses vom 4. bis 7. 9. 36 eine von Richter Rutherford verfasste Resolution verlesen und zur Annahme abgestimmt.
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Die Resolution wurde einstimmig in der verlesenen Form angenommen. Auf Vorschlag von Harbeck, dem auch Richter Rutherford zustimmte, hatten die Anwesenden deutschen Glaubensgeschwister, schätzungsweise 300 an der Zahl, Anschriften von Bekannten und verwandten Personen zur Verfügung zu stellen. Es wurden sodann von den meisten deutschen Glaubensgeschwistern zur Verfügung gestellte Briefumschläge mit Adressen versehen und diese dem Zentral-Büro übergeben. Die Absendung erfolgte dann von dieser Stelle aus, unmittelbar nach der Hauptversammlung. Soweit ich informiert bin, wurden von Luzern aus etwa 2 bis 3000 Resolutionen nach Deutschland verschickt.
Eine weitere Auflage der gleichen Resolution in Höhe von 300 000 Stück wurde in Bern gedruckt, von dort aus 200 000 Stück nach Prag und 100 000 Stück nach Holland der Nähe von Amsterdam versandt mit der Weisung, diese nach Deutschland einzuschmuggeln. Dieser Beschluss wurde ebenfalls auf dem Luzerner Kongress anlässlich der engeren Besprechung über das Deutsche Werk in meinem Beisein gefasst. Die 200 000 Exemplare leitete Dwenger an den schon an anderer Stelle erwähnten Wagner aus Warnsdorf/CSR weiter, der die Sendung in der Gegend von Warnsdorf (Riesengebirge) über die Grenze schmuggelte, Wagner setzte sich dann mit dem Bezirksdiener Fehst in Verbindung, der ihm die Exemplare abnahm und die Pakete per Bahnexpress an die ihm bekannten Deckadressen weiterschickte. Fehst hatte die Deckadressen bei der in Berlin stattgefundenen Haupttreffs mit den betr. Bezirksdienern ausgemacht. Um die Absendung unauffälllig durchzuführen, hatte Fehst die Pakete auf verschiedenen Bahnhöfen, wie Zittau, Görlitz, Bischofswerda, vermutlich auch Liegnitz aufgegeben. Näheres hierüber muss Fehst angeben können.
Etwas später erfuhr ich vom Zentralbüro Bern über das Zweigbüro in Prag, dass in Holland 100 000 Exemplare von der Polizei beschlagnahmt worden seien. Da ich die Absicht hatte, in Deutschland auf alle Fälle 300 000 Resolutionen zu verbreiten, wurde bei dem Haupttreff in Berlin im November 1936 von mir vorgeschlagen und beschlossen, die fehlenden 100 000 Exemplare in Deutschland anzufertigen.
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Wir kamen überein, dass sich jeder Bezirksdiener daß fehlende Drittel selbst herzustellen hat. Das ist dann auch durchgeführt worden. Die betr. Exemplare wurden dort im Wege des Vervielfältigungsverfahrens angefertigt, wo die W.T. innerhalb der Bezirke hergestellt wurden. Näheres hierüber müssen die einzelnen Bezirksdiener wissen. Ich habe mir lediglich berichten lassen, dass die Massnahme, wie besprochen, durchgeführt worden ist. Bei dem November-Treff in Berlin wurde festgelegt, dass die einzelnen Resolutionen von Haus zu Haus zu verteilen sind. Jedem Bezirksdiener blieb anheimgestellt, diese Exemplare Rechtsanwälten, Staatsanwälten, Bürgermeistern, höheren Offizieren der Polizei und der Wehrmacht und noch anderen im Öffentlichen Dienste stehenden Beamten frankiert durch die Post zu übersenden. Es wurde mir beim späteren Haupttreff berichtet, dass auch diese Vereinbarung durchgeführt worden ist.
Im Bezirk des Wandres konnte die Verteilung der Resolution, die innerhalb Deutschlands am 12. 12. 36 stattfand, nicht restlos durchgeführt werden. Wandres berichtete mir, dass er mit seinen Arbeiten nicht fertig geworden sei. So kam es, dass in Württemberg in der 2. Hälfte des Februar noch die gleichen Resolutionen zur Verteilung gelangten.
Das Gleiche trifft für den Bezirk von Otto Daut zu, der ebenfalls in Februar noch einen Rest der Resolution verbreitete.
Die Anschriften von Staatsanwälten, Rechtsanwälten sowie höheren Beamten usw. Werden sich die einzelnen Bezirksdiener aus den vorhandenen Adressbüchern ausgesucht (haben). Ich nehme das an, weil wir uns damals auch in dieser Richtung unterhalten hatten.
Über meine Zusammenarbeit mit der Ilse Unterdörfer habe ich schon am 22. 4. 37 Angaben gemacht. Zusammenfassend bemerke ich nochmals, dass die Unterdörfer nach dem Luzerner Kongress in meinen Auftrag den Bezirk Westsachsen/Anhalt provisorisch betreute. Die Hauptaufgabe bestand darin, die Glaubensgeschwister ihres Bezirkes mit W.T. Zu versorgen. Nach Übernahme des vorgenannten Bezirks durch Fred Meier aus Hannover war sie für diesen weiterhin als Helferin tätig. Sie zog für Meier Informationen über Verhaftungen oder andere Vorkommnisse ein.
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Ausserdem stand sie mir persönlich für die Dienste als Reichsdiner der illegalen IBV zur Verfügung. Sie war allen Haupttreffs zugegen, wo sie die Gelder kassierte. In meinem Auftrag fuhr sie nach München, um wegen Siebeneichler Informationen einzuholen, weiterhin fuhr sie für mich nach Prag zum Zweigbüro, um dort meine Berichte bei Dwenger abzuliefern und neue Informationen in Empfang zu nehmen und mir zu überbringen, desgl. war sie in meinem Auftrage in Warnsdorf bei Wagner, um sich über den Verbleib der Matrizen für eine neue Flugschrift, die von ähnlichem Inhalt einer Resolution sein sollte, zu erkundigen.
Nach der Luzerner Zeit war ich oft tagelang mit der Unterdörfer zusammen, ich wohnte sehr viel mit ihr zusammen, so bei Ebelings in Berlin, bei Frieda Keller in Chemnitz-Auernwalde. Wenn ich des Nachts mit ihr auf der Strecke Berlin-Leipzig-Chemnitz gefahren bin, so benutzten wir Personenzüge 2. Klasse, um eine einigermassen angenehme Schlafgelegenheit zu haben.
Zusammengezählt kann ich während unseres illegalen Aufenthaltes seit September 1936 etwa 30 Tage mit ihr zusammen gewohnt haben.
Seitdem ich von zu Hause flüchtig bin, habe ich meine Ehefrau in Leipzig 3 mal besucht. Ich nahm bei diesen Gelegenheiten die Ilse Unterdörfer mit, die meine Frau von unserer Anwesenheit verständigte und sie nach dem Augustus-Platz oder auf den Hauptbahnhof zu einer Unterredung bestellte. Ich war dann mit meiner Frau etwa eine Stunde in einigen Leipziger Lokalen, besprach mit ihr verschiedene familiäre Angelegenheiten und fuhr dann sofort ab, in der Regel nach Berlin zurück. Bei diesen Zusammentreffen mit meiner Frau habe ich ihr kein Geld gegeben. Im September, nachdem ich in Chemnitz Quellmalz Verhaftung erfahren hatte, habe ich meiner Ehefrau den Betrag von 400.-RM aus Geldern der illegalen IBV zur Verfügung gestellt. Seit dieser Zeit hat sie von mir keine geldlichen Unterstützungen mehr bekommen.
Zusammenfassend möchte ich nochmals angeben, dass ich aus Geldern der illegalen IBV folgende Gegenstände gekauft habe: Im Januar 1937: eine Continental-Schreibmaschine, gebraucht, zum Preise von RM 250.-
Die Schreibmaschine war zur Herstellung von Manuskripten für den W.T. Im Berliner Bezirk bestimmt und befindet sich bei der Schwester Straus, die den Decknamen
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„Moritz" bzw. „Sträusschen" führte.
Ende Februar/Anfang März 1937:
1 gebrauchten Personen-Kraftwagen Marke „Wanderer" zum Preis von RM 600,- Der Händler wohnt in der Nähe Friedrichstr., seine genaue Adresse ist mir nicht bekannt. Der Kraftwagen muss noch monatlich versteuert werden, er trägt das Kennzeichen IA 16401 und steht bei dem Glaubenbruder Hermann in Berlin-Neukölln, nähere Adresse unbekannt. Hermann muss im Besitz des Zulassungsscheines sowie der Steuerkarte sein.
3. März 1937:
1 Rotaprint-Vervielfältigungsmaschine mit elektrischem Antrieb zum Preis von 3370.- RM. Die Maschine wurde in Lichtenrade bei der Familie Ludewig aufgestellt. Für Papier und Farbe für die Rotaprint übergab ich dem Bezirksdiener Daut 600.- RM. Ich nehme an, dass Daut die Anschaffungen dieses Materials schon vorgenommen hatte. Näheres hierüber wird Daut berichten können.
Nochmals möchte ich hervorheben, dass über alle bei mir abgelieferten Gelder sowie über die verausgabten Beträge keine schriftlichen Aufzeichnungen vorhanden sind. Solches Material könnte mich nur gefährden, und ich habe es absichtlich unterlassen, irgend etwas schriftlich niederzulegen.
Der in Prag im Zweigbüro der IBV tätige Bahner, Josef, ist Sudetendeutscher, schätzungsweise 34 Jahre alt. Bahner befindet sich für die IBV dauernd auf Reisen in der Tschechoslowakei, sein Wohnort ist Brünn, in der CSR, Straße unbekannt. Bahner war früher Offizier im Heere der CSR, er ist etwa 1,63 m groß, hat blasses Aussehen, blondes Haar. Bahner muss früher zeitweilig im Bibelhaus der Wachtturmgesellschaft in Magdeburg beschäftigt gewesen sein. Von Beruf ist er meines Wissens Kaufmann.
Heinrich Dwenger ist der frühere Leiter der Dienstabteilung der WT-Gesellschaft in Magdeburg gewesen. Er war dort viele Jahre tätig und ist Reichsdeutscher. Ich schätze ihn auf 45 Jahre, er wird 1,70 m groß sein, trägt kurzgeschnittenen Schnurrbart, hat Haare von bräunlicher Farbe, gescheitelt. Dwenger ist unverheiratet und in seiner Art ein Sonderling.
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-Über unsere Stellung zur Wehrpflicht, sowie über die Leistung des Beamteneides sind von Seiten der Wachtturm- und Bibel- und Traktat-Gesellschaft Informationen nicht ergangen. Aus der Bibel, sowie aus den Auslegungen der Bibel durch den WT wird jeder Zeuge Jehovas nach dieser Richtung hin zur Genüge gelehrt, so dass sich besondere Informationen erübrigen. In der Bibel steht geschrieben: 'Du sollst nicht töten'. Und 'wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen.' Diese Leitsätze sind im WT wiederholt behandelt worden. Es steht nun jedem Zeugen Jehovas frei, danach zu handeln. Ich selbst lehne jedenfalls jegliche Leistung zur Wehrpflicht ab und werde auch zukünftig danach handeln. Dasselbe gilt für die Leistung des Eides auf den Führer. Ein Zeuge Jehovas, der als Beamter den Eid leistet, wird aufgehört haben, ein Zeuge Jehovas zu sein. Wir werden ihn für die Zukunft mit Sorge betrachten, da wir erfahrungsgemäß wissen, dass sich solche Leute allmählich von uns zurückgezogen haben. Solche Fragen sind auf dem Luzerner Kongress und auch woanders nicht erörtert worden. Ein Zeuge Jehovas, der als Beamter den Eid auf den Führer leistet begibt sich in die Gefahr, seinem Eid Jehova gegenüber untreu zu werden, wenn er die Folgerungen des Führereides auf sich zu nehmen hat. Ich für meinen Teil lehne daher ab, Arbeitsdienst zu verrichten, Untergliederungen der NSDAP beizutreten (Luftschutzbund, NSV) den deutschen Gruß anzuwenden und überhaupt mich an solchen Verbänden zu beteiligen, die der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes dienen.
Diese Auffassung wird jeder Zeuge Jehovas haben müssen, der sein Leben nach den Grundsätzen der Bibel aufbaut.
Die Vernehmun[g wird abgebrochen
v. g. u.
geschlossen
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Die Darstellung des Vernehmungsprotokolls vom 29. 4. 1937 erweist sich als
schwierig.
Einleitend gibt es zwei Schreinmaschinenseiten Text (hier wieder gegeben)
Danach folgen mit der Ursprungs-Paginierung 21 - 28 diverse handschriftliche Passagen, in der Vorlage kaum lesbar.
Und vor allem sie entsprechen nicht einem „regulären Protokoll" eher einem wild zusammengewürfelten Notiz-Zettelkasten ohne klare inhaltliche Strukturierung
Versuchsweise seien denn mal - soweit entzifferbar - einige der darin enhaltenen Stichworte genannt: (Stichworte weiter unten)
Ad. II B
Berlin, den 29. April 1937
Weiter verhandelt
Vorgeführt erscheint Erich Frost, Personalien bereits aktenkundig und erklärt:
Über die bei meiner Verhaftung am 21. 3. 37 bei mir vorgefundenen Gegenstände usw. gebe ich an:
Zu Anlage 1:
1 brauner Pappkarton, enthaltend
30 Zeitschriften „Das goldene Zeitalter" vom 1. 1. 37 Nr. 343
19 dto; vom 15. 1. 71, Nr. 344,
25 dto vom 15. 2. 37, Nr. 346,
17 Exemplare des „Informator" vom Februar 34,
3. Stck Original-Wachttürme vom 15. 2. 37, Nr. 4,
39 Broschüren „Oberherrschaft" vom Jahre 1934.
Diese Literatur war für Siebeneichler bestimmt, der beim letzten Haupttreff in Berlin nicht zugegen war. Später hatte ich, wie schon angegeben, erfahren, dass Siebeneichler durch die Polizei festgenommen worden ist. Am Tage unserer Verhaftung sollte Ilse Unterdörfer mit dieser Literatur nach München fahren, um sie der Schwester „Gertrud" zur Verteilung zu überbringen.
Das Paket muss in der Gepäckaufbewahrungsstelle des Potsdamer Bahnhofs gelegen haben, wohin es Daut gebracht hatte. Den Gepäckschein hatte die Unterdörfer bei ihrer Verhaftung im Besitz.
Zu Anlage 2:
1 schwarzer Lackkoffer, gelb eingefasst, enthaltend: Wäsche und andere Gebrauchsgegenstände.
Den Lackkoffer kaufe ich mir in Berlin in einem Geschäft in der Friedrichstr. aus Mitteln der illegalen IBV für etwa 12.- RM. Ich benötigte ihn zur Aufbewahrung meiner Wäsche.
- 2 -
Zu Anlage 3:
1 brauner Reisekoffer, enthaltend;
2 Anzüge,
Schmutzige Wäsche,
1 braune Aktentasche,
1 Paar Schuhe.
Den Koffer muss ich etwa 2 bis 3 Jahre lang haben. Über seine Herkunft kann ich jetzt keine Angaben mehr machen. Er diente zur Aufbewahrung von Anzügen usw.
Zu Anlage 4:
1 Taschenkalender
In diesem wurde jeder Treff, also Haupt- und Zwischentreffs, die ich mit meinen Bezirksdienern hatte, eingetragen. Sobald die Treffs erledigt waren, radierte ich die Bleistiftvermerke wieder aus.
Zu Anlage 5.
1 schwarze Brieftasche, enthaltend:
2 Lichtbilder für Netzkarten,
1 Netzkarte Nr. 5 für Sachsen, sowie
1 Anschlussnetzkarte Nr. 14 für Niedersachsen.
Beide Netzkarten sind für mich auf den Decknamen Erich Meinel ausgestellt. Das Lichtbild in der Netzkarte Nr. 5 stellt meine Person dar. In beiden Fällen habe ich mit Erich Meinel als Inhaber der Karten unterschrieben. Meinl ist der Mädchenname meiner Mutter. Um mich vor einer evtl. Verhaftung zu schützen, bediente ich mich des Decknamen Erich Meinl. Die angegebene Adresse, Berlin-Tempelhof, Oberlandstr. 104 ist fingiert. Es stimmt dass in der Oberlandstr. 104 eine Kaffee-Firma Meinl existiert. Diese Anschrift habe ich im Adressbuch von Berlin herausgesucht. Mit der Kaffeefirma Meinl habe ich aber nichts zu tun.
Muster der handschriftlichen Texte (wie oben beschrieben)

(Einige Stichwort)
Preise für Literatur ,Buntdruck ,Schwarzdruck Deckadressen Klohe hat Schallplatten hergestellt Grammophone 200 Stück Unterlagen stets nach Erledigung vernichtet Verteilung der WT durch Mittelsmänner Die Frage der Herkunft der WT unter Glaubensbrüdern nicht gestellt Winkler hat ein Jahr lang illegal gelebt bei Glaubensbrüdern Lagerraum in der Lüneburgerstr. Büro in der Potsdamerstr. 121c (vor dem Verbot) (Berichtstruktur?) Arbeiter, Stunden, Bibeln, Bücher, Broschüren Breslau 200.000 Bücher, 100.000 Broschüren beschlagnahmt
(Freienwalderstr.ZB
I - 561 und ZB I - 1279 , "Gauckbehörde" XX/4 1415)
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Befreiung von totalitärer Inquisition
durch den Glauben an Gott
von Erich Frost erzählt
"Der Wachtturm" 1. Juli 1961 S. 408f.
... Durch ihr (seine Mutter, seit 1919 Bibelforscherin) wurden mein Vater und
ich schließlich veranlaßt, uns am 4. März 1923 in meiner Heimatstadt, Leipzig,
als Zeugen Jehovas taufen zu lassen. Ich brach mein Musikstudium ab und begann
meinen Lebensunterhalt dadurch zu verdienen, daß ich in Kaffeehäusern und
Vergnügungslokalen spielte, und gewann so viel Zeit für die Arbeit im Werke des
Herrn. Im Jahre 1924 nahm ich den Vollzeitdienst für Jehova auf, indem ich im
Literaturdepot der Gesellschaft in Leipzig zu arbeiten begann.
Das Zeugniswerk breitete sich in Deutschland sehr rasch aus. Von 1919 bis 1933
verbreiteten die eifrigen deutschen Zeugen 48 000 000 Bücher und Broschüren und
überdies 77 000 000 Exemplare des "Goldenen Zeitalters", das nun den Titel
"Erwachet!" trägt. ...
Als ich im Januar 1933 bei einem Mitzeugen in Nürnberg wohnte, hörten wir durch
den bombastischen Rundfunk aus Berlin die Bekanntgabe der Machtergreifung durch
Hitler. Wir ahnten, was dies für uns bedeuten würde. Der Sturm brach los, als im
April darauf die Polizei die große neue Druckerei und das Bethelheim der
Gesellschaft in Magdeburg besetzte und unsere Druckpressen versiegelte...
Da keine Beweise einer aufwieglerischen Tätigkeit vorlagen, wurde uns das
Eigentum am 28. April zurückgegeben.
Im Juni versammelten sich siebentausend Zeugen in Berlin und faßten eine
Resolution, in der sie stark gegen die Gewaltmaßnahmen der Hitler-Regierung
protestierten. Diese Resolution wurde in Millionen von Exemplaren verbreitet.
Drei Tage danach wurde das Eigentum in Magdeburg zum zweiten Male beschlagnahmt
und das Personal, das 180 Personen zählte, zur Abreise gezwungen, unsere
religiösen Feinde freuten sich.
Da die Gesellschaft in Amerika das Eigentumsrecht auf das Besitztum hatte,
wurden Verhandlungen zwischen dem Staatsdepartment der Vereinigten Staaten nach
Deutschland geführt. Das Eigentum wurde wieder freigegeben, das Verbot unserer
Predigttätigkeit jedoch nicht aufgehoben. Die Versammlungen wurden verboten.
Bibeln und bibelerklärende Schriften im Wertre von mehr als 90 000 Mark wurden
öffentlich verbrannt. Vom Jahre 1934 an verloren viele Zeugen ihre Arbeit, weil
sie sich weigerten, zu wählen oder "Heil Hitler!" zu sagen.
Im Frühjahr 1934 wurde ich verhaftet und sah zum ersten Male eine Gefängniszelle
von innen, ich wurde jedoch nach zehn Tagen wieder freigelassen. Kurz danach
gelang es mir, in die Tschechoslowakei zurückzugelangen, wo ich zuvor das
Photo-Drama aufgeführt hatte.
Mittlerweile ergriffen die Brüder in Deutschland unerschrocken entscheidende
Maßnahmen. Obwohl die Bewegung verboten war, fanden am 7. Oktober 1934 in allen
Versammlungen Zusammenkünfte statt, und sie faßten eine Protestresolution, die
sie an die Hitlerregierung richteten, mit der Mitteilung, daß sie Jehova um
jeden Preis weiterhin dienen würden. Nach einem ernsten Gebet wurden die
Proteste nach Berlin telegraphiert. Gleichzeitig hatten sich Jehovas Zeugen in
fünfzig anderen Ländern versammelt und an die Nazi-Regierung kraftvolle
Warnungen gekabelt.
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Mai 1935 schaltete ich mich in das
Untergrundwerk ein. In der Nacht des 13. Juni wurde ich in meinem Hotel
verhaftet und in das ,,Columbia-Haus" von Berlin geführt, wo ich die schlimmsten
fünf Monate meines Lebens verbrachte. Unter Kolbenstößen und Fußtritten, stets
in Einzelhaft, täglich grausam schikaniert und gedemütigt, erfuhr ich damals,
dass Menschen zu Bestien werden können. Die sinnlosen Fragen eines
Gestapobeamten konnten mich nicht einer umstürzlerischen Tätigkeit überführen.
Unerwartet wurde ich entlassen und verschwand bald wieder im Untergrundwerk, um
Jehova weiter zu dienen.
Vorbereitungen auf einen Kongress in Luzern, Schweiz, waren im Gange.
Mittlerweile hatten die Nazis eine neue Aktion gegen uns eingeleitet. Fast die
meisten der Brüder, die verantwortliche Stellungen bekleideten, waren verhaftet
worden. Ich bemühte mich nun, die zerrissenen Fäden aufzunehmen und die Dinge
wieder in Gang zu bringen. Unzählige Hintertüren und Fenster verhalfen mir immer
wieder im letzten Augenblick zur Flucht vor der Gestapo; meine Mutter und mein
Bruder aber wurden verhaftet.
Beim Kongress in Luzern, im September 1936, waren der Präsident der
Gesellschaft, Bruder Rutherford, und auch 2 500 Brüder aus Deutschland anwesend.
Ich erhielt den Auftrag, das entwurzelte Untergrundwerk wieder zu organisieren,
und begann sogleich damit. Auch planten wir, in Deutschland eine schlagartige
Verbreitung einer Kongressresolution vorzunehmen.
Am Sonnabend, dem 12. Dezember 1936, zwischen fünf und sieben Uhr abends, wurden
in allen größeren Städten 300 000 Exemplare davon in aller Stille in Briefkästen
oder unter die Tür gesteckt. Schwärme von Polizisten und SS-Patrouillen konnten
keinen einzigen Zeugen dabei erwischen!
Natürlich wurde die Untergrundtätigkeit durchgeführt, trotz der Verfolgung und
Gefahr, die Freiheit und selbst das Leben zu verlieren ... Kontrollen in
Eisenbahnzügen waren beständige Gefahren. Schon der Ankauf größerer Papiermengen
war verdächtig. Viele Kuriere fielen in die Hände der Gestapo...
Am 27. März 1937 sollte die jährliche Feier zum Gedächtnis an Christi Tod
stattfinden. Ich hatte mich mit zehn Brüdern verabredet, um die
Untergrundtätigkeit zu besprechen, doch sollte es anders kommen. Am 21. März, um
zwei Uhr morgens, dröhnen heftige Schläge und Fußtritte gegen die Wohnungstür.
Binnen weniger Sekunden lasse ich ein dünnes Papierröllchen mit wichtigen
Aufzeichnungen in der Matratze der Bettcouch verschwinden, und schon treten zehn
Mann der Geheimen Staatspolizei ein: "So, ziehen Sie sich an, Frost. Das Spiel
ist aus!" Ich betete zu Jehova und begann mich anzuziehen, während sie das
gastliche Zimmer zu einer Räuberhöhle machten. Das Papierröllchen wurde nie
gefunden.
Alles wickelte sich nun sehr schnell ab. Die Gestapo hatte Kenntnis von unserem
Plan, uns an jenem Freitag zur Gedächtnismahlfeier zu treffen, doch wusste sie
nicht, wo. Mehr als einmal schlug man mich, bis ich bewusstlos war,
überschüttete mich dann mit Wasser, um mich wieder zum Bewusstsein zu bringen.
Bald konnte ich nicht mehr liegen und nicht mehr sitzen. Von Freitag bis Montag
aß und trank ich kaum etwas, rief aber unablässig Jehova um Hilfe an, damit ich
um der Brüder willen schweigen könnte. Als ich wieder vor die Gestapo-Meute
geführt wurde, dachte ich an Daniel in der
Löwengrube. Ihr zorniger Wortschwall verriet mir, was ich hören wollte: Die
Brüder waren nicht in das Netz geraten, das die Polizei gelegt hatte. Meine
Freude war unbeschreiblich.
Im Juli erreichte mich die Nachricht von der Verhaftung meiner Frau. Unser Sohn
sollte national erzogen werden. Viele andere Kinder von Zeugen wurden ihren
Eltern entrissen und in Nazi-Heime gesteckt. Die meisten dieser Kinder wurden
durch diese Feuerprobe gestärkt. ...
In den Lagern des Emslandmoors trieben die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und
die grausame Behandlung einen fast zur Verzweiflung. Vielleicht hat jemand schon
etwas von der ,,Hölle am Waldesrand" gehört. Der Glaube und die Gesellschaft
treuer Zeugen befähigten mich, dort das Schlimmste zu ertragen ... Meine
Strafzeit endete nach dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges, und ich wurde nach
Berlin zurückgebracht. Neunundneunzig Tage später schlossen sich hinter mir die
Tore des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Unvorstellbar war der grausame
Empfang durch die SS, unvorstellbar aber auch meine Freude, als mich 280 Zeugen
begrüßten, alle erprobt und gestärkt durch ähnliche harte Prüfungen. Das waren
die treuen Christen, die im Bestseller The Theory and Practice of Hell (Theorie
und Praxis der Hölle) erwähnt wurden: "Als der Krieg ausbrach, wurden die Zeugen
im Konzentrationslager Sachsenhausen aufgefordert, sich freiwillig zum
Militärdienst zu melden. Auf jede Weigerung folgte die Erschießung von zehn
Männern aus ihren Reihen. Als vierzig Opfer getötet worden waren, gab es die SS
auf ... Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass - um psychologisch zu
sprechen - die SS der Herausforderung der Zeugen Jehovas niemals ganz gewachsen
war." ...
Als Strafe dafür, dass wir "Rädelsführer" waren, erhielten sechzehn von uns je
fünfundzwanzig Schläge mit einer Stahlrute, worauf die Versetzung in die
Strafkompanie folgte. Schließlich landeten wir als sogenannte SS-Baubrigade auf
der Felseninsel Alderney, die zwischen der französischen und der englischen
Küste liegt. Obwohl wir durch die, die uns gefangen hielten, viel Ungemach zu
erdulden hatten, hatten wir doch auch Gelegenheiten, unsere Mitgefangenen vor
Gefahren und Leiden zu bewahren. So, wie sich alles entwickelte, begann Hitlers
Stern zu sinken, nachdem seine Armeen in Stalingrad angehalten worden waren. Im
Lager der Nazis begann man, die Handschrift an der Wand zu verstehen.
In einer sternklaren Juninacht des Jahres 1944 stand ich unten am Hafen und
beobachtete die Invasion der Alliierten. Dann erfolgte unser Rücktransport nach
St. Malo, den wir in alten Schiffen antraten. Mit der Bahn ging es weiter, je
sechzig Mann in einem Güterwagen, durch Frankreich, Belgien, Holland und zurück
nach Deutschland. Die Absicht, uns in der Kieler Bucht auf Schiffen zu
versenken, zerschlug sich, als unser Transport nach Österreich abgedrängt wurde.
Am 5. Mai 1945 wurden wir schließlich von Panzertruppen befreit.
Etwa zur selben Zeit öffneten sich durch den Druck der vorrückenden alliierten
Heere die Tore verschiedener Konzentrationslager, und Tausende der
Elendsgestalten ergossen sich über das zerbombte Land. Sie marschierten noch
unter Bewachung, und die SS erschoss jeden, der zu schwach war weiterzugehen
oder der am Wegesrand plünderte. Es gab viele Tote. Jehovas Zeugen halfen
einander weiter. Oft predigten sie Dorfbewohnern, die ihre Wertschätzung dadurch
zum Ausdruck brachten, dass sie das, was sie an Nahrungsmitteln besaßen, mit
ihnen teilten, was eine weitere Fürsorge Jehovas war. Die frohen Worte eines
Zeugen wurden bald typisch: ,,Jetzt bin ich frei. Ich bin dem himmlischen Vater
und unserem Führer, Jesus Christus, dankbar, dass ich seinen Namen weiterhin
lobpreisen kann."
Die Inquisition hatte ihren Zweck verfehlt!
Jehovas Geist spornte uns zur Tat an. Viele von uns dachten nicht daran,
heimzukehren, obwohl wir noch ein Heim hatten. Unsere erste Sorge galt dem
Eigentum der Gesellschaft in Magdeburg. Dort stand man gerade im Begriffe, das
Gebäude in ein Hotel für die Russen zu verwandeln. Den sowjetischen Offizieren
verständlich zu machen, wer Jehovas Zeugen sind, erwies sich als eine
zermürbende Aufgabe. Unsere Arbeit in der Ostzone wäre wahrscheinlich nie in
Fluß gekommen, wenn wir nicht tagtäglich betont hätten, daß in Magdeburg früher
die Zentrale unserer Organisation gewesen sei und wir die Absicht hegten, von
diesem Büro aus auch weiterhin unsere Organisation in allen vier Zonen zu
leiten. Schließlich gab man, und das Werk ging in der kommunistischen Zone wie
anderswo weiter. ...
Als die Kommunisten in den Nazi-Konzentrationslagern noch unsere Mitgefangenen
waren, sagten sie oft drohend: "Sollten wir je an die Macht kommen, hängen wie
euch Himmelskomiker auf!" Im Jahre 1950 begann die totalitäre Inquisition im
kommunistischen Ostdeutschland von neuem, indem man die Bewegung der Zeugen
Jehovas verbot. Das Büro in Magdeburg wurde von neuem beschlagnahmt. Und
nochmals haben unsere Brüder, in dem Glauben, daß Jehova sie befreien kann, die
Herausforderung angenommen. ...
Die totalitäre Inquisition kann Glieder des Volkes Jehovas wohl gefangensetzen
und sie drangsalieren, wenn Jehova es zu einem Zeugnis zuläßt, nichts aber kann
den Geist Jehovas in Fesseln legen!
Mögen Christen, die unter totalitären Inquisitionsmethoden leiden, und auch ihre
Bedrücker niemals vergessen, daß Jehova während der Zeit der Nazi-Inquisition
beständig mit seinen Zeugen war.
Im Wachtturm vom 1. 2. 1980 berichtete Ilse Unterdörfer auch über ihre eigene
Biographie. Man liest dort auch die Worte:
"J. F. Rutherford, der damalige Präsident der Watch Tower Society, betraute dort
(in Luzern) Erich Frost mit der Aufgabe, unser schwer angeschlagenes
Untergrundwerk zu reorganisieren. Einige Tage später wurde bestimmt, daß ich mit
ihm zusammenarbeiten sollte."
Das alles hört sich
irgendwie banal an. Seitens der DDR wurde bekanntlich Erich Frost massiv
publizistisch attackiert. In der Regel wurde dabei auf die Stasiakten über ihn
abgestellt. Der Publikation von Andre Gursky "Zwischen Aufklärung und
Zersetzung" ist es zu danken, dass jetzt wieder ein Dokument aus der
"Versenkung" hervorgeholt wurde, dass auch in den Stasiakten enthalten ist. Auf
Seite 96 bei Gursky reproduziert. Bezüglich der von der Gauckbehörde
vorgenommenen Namensschwärzungen ist anzumerken. Es handelt sich dabei eindeutig
um Ilse Unterdörfer. Sicherlich. Dieses Dokument will Frost in ein schiefes
Licht stellen. Ob das Licht wirklich so schief ist, darüber indes mag sich jeder
so seine eigenen Gedanken einmal machen.
Bezüglich des "Spiegel"-Artikels "Väterchen Frost", siehe
www.spiegel.de/spiegel/print/d-43365083.html
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Sicher ist Frost eine tragische Figur. Hätte er nach 1945 im
Höhenrausch seines Zweigdienerpostens (also faktisch des höchsten Repräsentanten
der Zeugen Jehovas in Deutschland), seine Rolle in diesen Gestapo-Vernehmungen
nicht so verklärt, so könnte man eher mit ihm Mitleid haben. Er hat sich dieser
Chance durch sein eigenes Verhalten, nach 1945 beraubt. Es kann hier nicht darum
gehen, den "Oberlehrer" zu spielen. Ohne Zweifel hat sich nicht Frost selbst aus
"freien" Stücken an die Schreibmaschine gesetzt und der Gestapo offeriert, was
er so alles wusste. Die hat das in intensiven Vernehmungen, die nicht selten
erst um 4 Uhr morgens, auch wegen der Übermüdung der Vernehmer, abgebrochen
wurden, zu Protokoll notiert.
Ich mache es Frost nicht zum Vorwurf, dass er geredet hat.
In seiner Position hätte er ein konsequentes Schweigen, angesichts der bekannten
Brutalität der SS-Schergen, nicht überlebt. Frost hat aber überlebt. Er musste
den dafür fälligen Preis zahlen, und er hat ihn gezahlt. Das alles ist
menschlich nur zu verständlich. Nicht verständlich ist hingegen die Verklärung,
die Frost und die Wachtturmgesellschaft mit dieser Tragödie betrieben haben und
noch betreiben. Zu den dabei mit zu erwähnenden Namen H. und Y. habe ich mich
schon an anderer Stelle näher geäußert und werde dies bei sich bietenden
weiteren Anlass, fernerhin tun.
Zum Fall Frost sei vielleicht noch durch ein weiteres
Dokument aus der Kollektion der
Freienwalderstr. zitiert: ZBI - 1421
"Berlin, den 14. Juni 1937
An die Geheime Staatspolizei
Geheimes Staatspolizeiamt II B 2
Betreff: Reichsdiener der IBV Erich Frost,
z. Zt. in Haft
Bei einer Rücksprache auf der Stapo Leipzig
teilte der Oberwachtmeister der Schupo Frank 2 mit, dass Frost über ein
Bücherlager in bzw. in der Umgebung von Hannover Bescheid wissen müsse. Er sei
selbst mit seinem BD Siebeneichler dort gewesen. Weiter hat Frost sich im
September 36 an der Grenze bei Lörrach mit 6 Glaubensbrüdern, die keinen Pass
besitzen, getroffen und ist mit diesen über die 'grüne' Grenze nach Luzern
gegangen. Dieser Treff ist aus einem Brief ersichtlich, der dem Reichsleiter
Winkler seiner Zeit abgenommen wurde und sich in dessen Personalakten befinden
muss. Es wird gebeten, den Frost zu diesen Punkten nochmals eingehend zu
vernehmen, zwecks Aufdeckung des Bücherlagers und Feststellung der Namen der 6
Bibelforscher.
Weiter soll die Frau des Frost eine
4-Zimmer-Wohnung besitzen (Adresse dort aktenkundig), zu der der Staat einen
Zuschuss zahlt. Der Sohn des Frost besucht eine Sprachklasse, die ebenfalls
staatlicherseits finanziert und unterstützt wird. Es wird vorgeschlagen, die
örtlichen Behörden über die staatsfeindliche Einstellung und Betätigung des
Frost aufzuklären, damit der Frau eine andere Wohnung zugewiesen wird, die sie
selbst aus eigenen Mitteln bezahlen muss."
Über
Erich Frost verbreitete Horst Kühn einmal die nachfolgende Meinungsäußerung, die
hier auch noch unkommentiert wiedergegeben sei: "In der Haftanstalt
Bautzen lernte ich einen Bruder kennen, er hieß Hubert Nobis, er war nach 1945
als Sonderpionier in der Gegend von Meiningen-Suhl eingesetzt. Von ihm erfuhr
ich sehr viel über E. Frost, denn er war mit ihm im KZ Sachsenhausen. Hubert
sagte wörtlich: 'Alle wunderten sich, wie Erich Frost nur zum Landesdiener
ernannt werden konnte, denn nach den Satzungen wäre das unmöglich gewesen!' Der
Auffassung waren Brüder, welche mit Frost zusammen im KZ waren. Erich Frost hat
noch ein viel größeres Sündenregister, was an unbrüderlichem Verhalten nichts zu
wünschen übrig läßt. Frost hatte im KZ durch seine guten Beziehungen zur
SS-Aufsicht, immer sehr viel zu essen, daß sogar das Brot in seinem Schrank
verschimmelte, wohingegen andere Brüder dort verhungerten Frost wohnte nicht in
den Baracken unter den anderen Brüdern, er wohnte im Hause der Wache, weit er
dort bei allen Gelegenheiten für die SS-Wache Musik spielen musste, als
ehemaliger Musiker. Von einem Bruder, welcher auf Grund seines Berufes überall
Zutritt hatte, wurde Frost auf sein unbrüderliches Verhalten hingewiesen. Der
Bruder bat um Brot von seinem Überfluß, da andere Brüder hungerten Frost
antwortete: 'Wenn ich dir von dem Brot geben würde, würde es womöglich mein
Leben kosten, und ich bin nicht gewillt, für meine Gutmütigkeit zu büßen!'"
Ergänzend sei noch aus einem Posting von Gerd Borchers-Schreiber zitiert. Es ist zwar hier nicht das Hauptthema, aber doch der beiläufigen Beachtung wert, wie selbst vormalige hauptamtliche WTG-Mitarbeiter (in diesem Fall der langjährige österreichische WTG-Zweigdiener Voigt), gezwungen wurden, mangels einer regulären Altersversorgung, noch im Rentneralter sich eine Arbeit zu suchen. Namentlich wenn sie sich in zunehmendem Dissenz zur WTG befanden. Zu Frost ist noch anzumerken; auch er konnte nicht seinen Lebensabend in der WTG-Zentrale verbringen, sondern wurde nach der Kleinstadt Tuttlingen abgeschoben. Formale Begründung. Dort seien seine Kinder wohnhaft.
Von Gerd am Freitag, den 25. Januar, 2002 - 20:10:
Zu Erich Frost:
Als nach dem Krieg der österreichische Zweigaufseher W.E. Voigt bei einer
WTG-Tagung Erich Frost traf, fragte er diesen bezüglich der "Verleumdungen" von
denen er besonders im (DDR) Buch …über die Zeugen Jehovas … las. Da sagte ihm
Frost, daß dies leider stimmt. Er war bei den Befragungen durch die Gestapo
derartig fertig, daß er wie in Trance deren Fragen beantwortete und Namen von
Brüdern nannte. Danach glaubte er einen bösen Traum gehabt zu haben und nicht er
selbst gewesen zu sein. Er bereute sehr seine Tat, erzählte er Voigt.
Daß Frost dann von der WTG ausgebootet wurde, war auch die Folge dieser
"Missetat".
Das erfuhr ich in einem Gespräch durch Voigt, der mit 68 Jahren vom Bethel-Wien
freiwillig ausstieg und in meiner Abteilung für ca. 3 Jahre ein "weltlicher"
Mitarbeiter wurde.
Der Fall Frost erinnert doch in einiger Beziehung auch an den Fall Honecker. Letzterer Funktionär des kommunistischen Jugendverbandes, über seine Nachkriegskarriere ist genügend bekannt und braucht deshalb im Detail nichts ausgeführt zu werden. Honecker geriet 1935 in die Hände der Gestapo. Und auch bemerkenswert, seine damaligen Gestapo-Protokolle gelangten nach 1945 in die Fügungsgewalt der ostdeutschen Stasi.
Kommentatoren sind sich ziemlich einig. Die "Männerfreundschaft" zwischen Stasiminister Mielke und Honecker, hatte auch eine Wurzel in diesen Gestapo-Protokollen. Sie waren für Mielke das "Faustpfand", dass er nie eine gegen die Interessen der Stasifunktionäre gerichtete Politik betreiben würde, dass er faktisch der Stasi freien Lauf ließ. Angeblich will Honecker daher auch nichts von dem aufgeblähten Stasiapparat gewusst haben. Wie auch immer:
Honecker unterschrieb genauso wie Frost, Gestapo-Protokolle deren Substanz wohl kaum mit der These "standhaftes Leugnen" beschrieben werden kann. Beide "Gestapohandlanger" (Frost und Honecker). Ich mag diese Vokabel zwar nicht besonders, aber da sie seitens der DDR bis zum Überdruss im Falle Frost verwandt wurde, sei sie auch als adäquat auf Honecker übertragen. Beide Gestapo-Handlanger brachten es in ihrem jeweiligen Organisationsrahmen noch zu allerhöchsten Positionen. Im Falle der Zeugen Jehovas, waren wohl die "Engel Jehovas" die da doch alles "überwallten" mit Blindheit geschlagen. Und im Falle Honecker sicherte sich sein Stasiminister damit ein lebenslanges Faustpfand. Von den Stasidokumenten über Honecker sei nur eines auch an dieser Stelle einmal zitiert:
Weiterverhandelt,
Berlin, den 5. Dezember 1935.
Nochmals vorgeführt erscheint der Dachdecker Erich Honecker, P.b. und sagt zur Sache folgendes aus:
Es ist richtig, daß ich am Dienstag gegen 21.30 Uhr vom Anhalter Bahnhof - Gepäckaufbewahrung - einen Koffer abgeholt habe. Den Gepäckschein für den dort hinterlegten Koffer habe ich von derselben Person erhalten, mit der ich am Dienstag im Laufe des Tages verschiedene Male zusammen war und die mir auch das Geld für mich und für
"F r i t z " ausgehändigt hat. Das Geld war verschlossen in einem Briefumschlag.
Zu welchem Zweck ich den Koffer abholen sollte, war mir bekannt. Es handelte sich um den üblichen Koffer, der auf diese Weise mit kommunistischem Material über die Grenze geschafft wurde. Das Material lag nicht offen im Koffer, sondern war fast unsichtbar auf dem Boden des Koffers festgeklebt und mit demselben Futter überklebt, wie der ganze Koffer ausstaffiert war. Es war somit unmöglich zu erkennen, daß im Boden des Koffers Material gelagert war.
Bei Abholung des Koffers auf dem Bahnhof wurde ich durch das merkwürdige aufgeregte Verhalten und das unruhige Suchen nach dem Koffer der Eisenbahnbeamten an der Gepäckausgabe aufmerksam und vermutete, daß irgend etwas nicht in Ordnung sein müsse. Meine besondere Aufmerksamkeit erregte das herausgeschnittene Kofferschloß. Ursprünglich wollte ich mit dem Koffer in meine Wohnung fahren, bin aber dann zum Bahnhof Zoo weitergefahren, habe den Koffer, da ich mich beobachtet fühlte, in der Autotaxe liegen lassen und bin geflüchtet. Trotzdem ich wußte, daß in dem Koffer kommunistisches Material verborgen war, ließ ich ihn liegen, weil er mir bei der Flucht nur behinderlich sein konnte
Wie ich bereits in meiner ersten Vernehmung ausgesagt habe, brachte mir das Mädel auch einen Notizblock mit. Die Aufzeichnungen in dem Block bedeuteten den neuen Treff für den nächsten Kurier von außerhalb und die Art und Weise, wie unsere Bekanntschaft entstehen sollte. Ich gebe die Aufzeichnungen wie folgt wieder:
« M.M.Sd. 17 NDT» bedeutet Montag, Mittwoch, Sonnabend 17 gleich 17 Uhr. Neues Deutsches Theater».
«Rubelova» = Straße.
- P. Mitt. = Mittag, linke Hand Husten tritt einer an ihn heran "Wo ist die nächste Hühnerfarm?» Antw.: «Das weiß ich leider nicht, aber die nächste Geflügelhandlung will ich Ihnen gern zeigen.»
Antw.: «Das ist ausgezeichnet».
Das Vorstehende bedeutet, wie schon erwähnt, die Art und Weise, die Zeit und der Ort, wo der nächste Auslandskurier von mir empfangen werden sollte. Und umgekehrt die Prager Adresse, wo jemand von hier in Prag empfangen werden konnte.
Bei dem in meiner Wohnung vorgefundenen Material handelt es sich teilweise um zurückgebliebenes Material von der letzten Sendung aus Prag und teilweise um Material, welches von hier nach drüben geschickt werden sollte und das gewöhnlich von dem anwesenden Kurier mitgenommen wurde. Ich hatte es schon verpackt, um es weiterzuleiten. Das jedesmal angekommene Material leitete ich dem «Fritz» weiter. Das früher eingetroffene sowohl, als auch das, welches von mir vom Anhalter Bahnhof abgeholt wurde, hätte ich ebenfalls an «Fritz» aushändigen müssen.
Auf welche Art die Betriebsberichte, die ich vom «Fritz" hatte, in seine Hände gelangt sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich persönlich hatte diese Verbindungen nicht, kann auch nicht sagen, um welche Personen es sich dabei handelt, die die Berichte geliefert haben.
Anfang November bin ich nach Prag berufen worden, um, wie man mir sagte, nachzuprüfen, inwieweit ich mich in die hiesige Arbeit schon reingefunden hatte. Ich reiste zu diesem Zweck am 10.11. 35 nach Prag, hielt mich ungefähr 8 Tage dort auf und fuhr auf dem gleichen Wege über Tetschen wieder zurück. In Prag habe ich mit einem gewissen "Franz» verhandelt, der auch die fragliche Nachprüfung vorgenommen und für gut befunden hat. «Franz» ist ebenfalls ein jüngerer Mensch, der wahrscheinlich drüben die Jugendbewegung in Deutschland zur Bearbeitung unter sich hat. Sein richtiger Name ist mir unbekannt. "Franz» beschreibe ich wie folgt: Etwa 25 Jahre alt, blond, volles Gesicht, vielleicht 1,70-72m groß, schlank und spricht, soweit ich das beurteilen kann, norddeutschen Dialekt, so wie ihn die Leute an der Wasserkante sprechen.
V. g. U.
Erich Honecker
g. w. 0.
KBS.
Drei der auch in Ex-Zeugen Jehovas-Kreisen kursierenden Frostakten im Ursprungs-Layout:
Die Gebetskunst des Hans Müller