Kontra Fleischhauer

In meiner "Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt der deutschen Geschichte", gehe ich auch auf den Fall Jonak in seinen verschiedenen Facetten ein. Insbesondere in dem Kapitel "Anti-Bibelforscher'Koryphäen' in Aktion" ist näheres dort nachzulesen.

Der ganze Komplex fing damit an, dass in den Jahren 1934/35 es in der Schweiz zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung um das antisemitische Pamphlet "Protokolle der Weisen von Zion" kam. Dort wurden auch einige Thesen vorgetragen, die Jehovas Zeugen in besonderem Maße hochschreckten. Man weiß heute über diese Zusammenhänge mehr. 1935 konnte die Zeugenleitung noch nicht wissen, dass 1936 von dem katholischen Nazi und Antisemiten Jonak, ein Buch über sie in Hitlerdeutschland veröffentlicht wurde. 1935 konnte sie noch nicht wissen, dass die im Berner Prozess gegen sie vorgetragenen Propagandathesen, letztendlich alle aus der Feder von Jonak stammten, obwohl nicht er, sondern Fleischhauer sie in Bern vorgetragen hatte. In der in Jonak's Buch im Anhang abgedruckten Bibliographie, taucht auch ein Titel der Zeugen Jehovas auf: "Bibelforscher, Juden, Freimaurer. Antwort auf die Lügentirade im Gutachten Fleischhauers über das angebliche Weltherrschaftsprogramm der Bibelforscher-Vereinigung und ihren Zusammenhang mit Juden und Freimaurerei" (Mai 1935). In wissenschaftlichen Bibliotheken ist dieser Titel nicht nachweisbar, wie dies meine Recherchen dazu ergaben. Aber der Kontext ist offensichtlich. Dieser Text ist tatsächlich existent. Er war in den Ausgaben vom 15. 5. und 1. 6. 1935 des "Goldenen Zeitalters" abgedruckt. Es ist sehr wohl denkbar, dass die WTG ihn auch als separaten Sonderdruck verbreitet und Jonak ihn in dieser Form zitiert hat. Das interne Blatt "Bulletin" verbreitet beispielsweise in der Ausgabe Juni-Juli 1935 die Abweisung: "Es lagern von diesen beiden Ausgaben (des "Goldenen Zeitalters" Nr. 304 und 305) noch eine Anzahl Exemplare hier. Wie Ihr wißt enthalten sie den Artikel über die 'Bibelforscher, Freimaurer und Juden'. Wenn jeder Verkündiger je 4 Exemplare auf sich nimmt, also 8 Stück, so ist der Vorrat getilgt.... erwarten wir nicht erst Eure Bestellungen, sondern wir erlauben uns, für jeden Arbeiter 8 Stück einzupacken

Zum Text ist zu sagen, dass er naturgemäß die Verteidigung der Zeugen Jehovas auf die vorangegangenen Angriffe darstellt. Es ist nicht uninteressant, sich deren Diktion anzusehen. "Der Teufel liegt auch hier im Detail". Als besonders diesbezüglichen kritisch zu hinterfragenden Punkt möchte ich die Verteidigung der WTG in Sachen Bomsdorff-Bergen nennen. Man gibt sich dort als die "Unschuld vom Lande" aus, die da plötzlich merkte, dass sie schwanger war und nicht wusste "von wem und wann". Es kann jetzt hier aus Platzgründen nicht angehen, die diesbezüglichen Gegenargumente, nochmals im Detail zu wiederholen. Das habe ich in meiner "Geschichte der Zeugen Jehovas" bereits getan und bitte die entsprechenden Hinweise dort zu entnehmen. Aber sicher steht fest, dass der fragliche Text ein besonders herausragendes historisches Dokument darstellt.

Er sei daher nachstehend in seinen wesentlichen Aussagen (unkommentiert) dokumentiert:

"Bibelforscher, Juden, Freimaurer.

Antwort auf die Lügen-Tirade im 'Gutachten' Fleischhauers über das angebliche Weltherrschafts-Programm der Bibelforscher-Vereinigung und ihren Zusammenhang mit Juden und Freimaurern.

Um die Novembertage letzten Jahres war Bern Schauplatz eines einzigartigen und höchst interessanten Prozesses.

Mittelpunkt dieses Rechtsstreites, den man beiläufig auch den 'Judenprozess' nennt, waren nicht Menschen, sondern die sogenannten 'Zionistischen Protokolle', eine antisemitische Kampfschrift. Die Leser des 'Goldenen Zeitalters' haben sicherlich den Verlauf des Prozesses, über den in allen größeren Zeitungen Europas und auch über seine Grenzen hinaus, laufend Berichte erschienen, ebenfalls verfolgt, so das es sich hier erübrigt, auf die eigentliche Bedeutung dieses Prozesses einzugehen.

Der Prozess wurde dann auf Antrag der Beklagten unterbrochen und nun am 29. April 1935 wieder fortgesetzt. Ein neuer Experte wurde zugezogen, der Deutsche Oberstleutnant a. D. Fleischhauer aus Erfurt, Inhaber des U. Bodung-Verlag und Leiter des 'Weltdienst'.

Herr Fleischhauer erklärte nun unter anderem am 30. April nachmittags anlässlich seiner weiteren Ausführungen in Verbindung mit dem von Herrn Experten Loosli in seiner Eigenschaft als Schriftsteller herausgegebenen Buch 'Die schlimmen Juden' folgendes:

'… Herr Loosli verhöhnt Ford, weil er es unterließ, die Zusammenhänge zwischen Bibelforschern und Juden nachzuweisen. Ich halte dafür, dass die Bibelforscher ein Machtinstrument des Judentums sind. Deshalb habe ich ihnen auch in meinem Werk ein Extrakapitel gewidmet. Herr Loosli hat von dieser Philosophie, die unter den christlichen Völkern ihren zersetzenden Einfluss ausübt, wohl noch wenig gehört …'

Das 'Berner Tagblatt' schreibt hierüber in Nummer 175 vom 1. Mai 1935 berichtend u. a. folgendes: '… Loosli beschimpft auch Ford, weil er in seinem Buche die Sekte der Ernsten Bibelforscher als Judendgründung bezeichnet.'

Wahr ist hier, dass Ford seine Anschuldigung in dieser Frage später in seinem Blatt 'Dearbon Independent' zurückgenommen hat. Fleischhauer und andere bleiben bei diesen absurden Behauptungen, ohne jemals den Beweis dafür erbracht zu haben. Weil nun Herr Fleischhauer in seinen Erklärungen und in seinem 'Gutachten', auf das er Bezug nimmt, die Lehren und die Tätigkeit der Zeugen Jehovas (früher Bibelforscher genannt) auf eine solch unerhörte Art missdeutet, möchten wir hier weiteste Kreise über die volle Wahrheit dieser Angelegenheit unterrichten. Unter vielem anderem schreibt Fleischhauer:

'In weiten Kreisen ist es ganz unbekannt, dass es eine Organisation gibt, die sich die Errichtung der Weltherrschaft Israels offen zum Ziele gesetzt hat. Es ist die Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher, die ihren Sitz in Brooklyn hat und bereits in allen Ländern der Erde Propaganda-Filialen unterhält. Während die Protokolle der Weisen von Zion das staatspolitische Programm aufstellen, verfolgen die Bibelforscher das gleiche Ziel im Wege eines religiöspolitischen Programms…'

'… Wie bei allen Unternehmungen, die wie die Freimaurerei, der Kommunismus oder der Bolschewismus im Dienste Judas zur Förderung seiner politischen Bestrebungen stehen, ist auch den Ernsten Bibelforschern das Kampfmittel die Revolutionierung der breiten Masse, im besonderen aber die Untergrabung der christlichen Religion, sowohl des katholischen als auch des protestantischen Glaubensbekenntnisses.

Zur Charakterisierung dieses geheimen Bundesgenossen Israels zitiere ich aus den Schriften, die die Bibelforscher unter das Volk werfen, folgende Stellen …'

(Des Platzmangels wegen führen wir nur die Namen der Schriften an. - Die Unterzeichneten).

'Schriftstudien' Band 7, 'Rechtfertigung' I, 'Licht' I und II. Die Broschüre 'Das Königreich, die Hoffnung der Welt'.

'Es ist selbstverständlich, dass die Führer der Ernsten Bibelforscher für ihre Person an diesem Zauber nicht glauben, aber zur Betörung der Menschen ist er ein ganz prächtiges Mittel; Hunderttausende, ja Millionen glauben bereits daran, wird ihnen doch zudem eingeredet, dass diese Ereignisse noch während der gegenwärtigen Generation eintreten und dass alle, die dieses sogenannte wahre Christentum in sich aufnehmen werden, nicht mehr sterben werden…'

'… Die sichtbaren Vertreter des Königreiches auf Erden werden die zum ewigen Leben wieder erweckten jüdischen Patriarchen sein; natürlich wird dass den irrezuführenden Massen bloß vorgemacht, einerseits um sich auf die biblischen Weissagungen berufen zu können, andererseits um der Sache einen mystisch-religiösen Schein zu verleihen. Da sich die Patriarchen im entscheidenden Moment nicht aufwecken lassen werden, werden die Bibelforscher, wie so oft schon, eine Ausrede erfinden, und an Stelle der Patriarchen lebende Juden berufen; und dies ist ja der Zweck der Übung. …'

'… Auch alle nationalen Unterschiede hören auf, bloß die israelitische Nation bleibt bestehen. … Alle Nichtjuden werden im Wege der Beschneidung in Israeliten verwandelt…'

'… Wie sehr das Judentum an dieser scheinreligiösen, in Wirklichkeit aber rein politischen Bewegung interessiert ist, beweist das im Jahre 1927 erschienene 'Jüdische Lexikon', in welchem der Rabbiner Bruno Kirschner den Bibelforschern einen Artikel widmet. Er erklärt, dass die Vereinigung der Ernsten Bibelforscher ein Bund zur Verinnerlichung des Christentums durch Zurückgehen auf den Inhalt und Sinn der Bibel ist …'

'… Damit erklärt ein jüdischer Rabbiner in einem offiziellen jüdischen Werk, dass die Lehre der Ernsten Bibelforscher, dass Christentum verinnerliche und das sie dem Sinne der Bibel entspreche. Eine Irrlehre, die das Christentum eine Satansorganisation nennt, die die Vernichtung aller christlichen Kirchensysteme auf ihr Panier geschrieben hat und die Errichtung des jüdischen Weltreiches den Völkern als das einzige Heil vorfaselt, dass nennt der Rabbiner ein verinnerlichtes Christentum und den Sinn der Bibel …'

'… Das jüdische Lexikon ist daher ein Kronzeuge für die Tatsache, dass die Bibelforscher und Juden Bundesgenossen im Kampfe um die Errichtung der jüdischen Weltherrschaft sind.'

'Damit ist auch erwiesen, dass die Protokolle der Weisen von Zion kein mit dem jüdischen Denken im Widerspruch stehendes Werk sind. Sie verfolgen die gleichen Ziele wie die vom Judentum begünstigte Lehre der Bibelforscher …'

'… Es ist ein tragischer Widerspruch, ein Beweis für die Ahnungslosigkeit der christlichen Völker, ihrer Regierungen und Behörden, dass die Zersetzung, von Christenhaß überquellenden Schriften dieser judenfreundlichen Organisation verbreitet werden dürfen, während eben dieses Judentum die Protokolle der Weisen von Zion als eine staatsgefährliche Schrift hinzustellen sich erlauben darf.'

'Auch an der Hand der Bibelforscher-Schriften ergibt sich der Nachweis, dass die Protokolle keine Fälschung, dass sie keine den Juden untergeordnete Kampfschrift sind, sondern das sie aus der gleichen Gedankenwelt geboren wurden, die die Bibelforscher beseelt.'

Nun unsere Antwort:

… Die angeführten verleumderischen Behauptungen sind bereits vor vielen Jahren erhoben und auch damals schon widerlegt worden. …

Aber weil die Zeit gekommen ist, dass Gottes Wort der Wahrheit und sein Name Jehova, gerechtfertigt werden sollen, finden wir es angebracht und notwendig, uns als Zeugen Jehovas und Bibelforscher zu verteidigen, und daher wollen wir jetzt auf sechs der hauptsächlichsten Anklagen eingehen.

1. Fleischhauer behauptet fälschlich und ohne den Beweis zu erbringen, dass die Bibelforscher sich die Weltherrschaft Israels zum Ziel gesetzt hätten.

2. Dass sie nur äußerlich Christen seien.

3. Dass sie die Revolutionierung der breiten Massen und die Untergrabung der christlichen Religionen bezwecken.

4. Dass die Führer der Bibelforscher 'selbst nicht an den Zauber glauben', dass sie an Stelle der Patriarchen als Vertreter der Regierung Christi lebende Juden berufen würden, und dass die Bibelforscher Jesus Christus als Spitze der neuen Regierung ausersehen hätten, während Herzl eine aristokratische Republik vorgeschlagen hat.

5. Die Bibelforscher-Lehre sei, dass alle nationalen Unterschiede aufhören würden, dass alle Nicht-Juden auf dem Wege der Beschneidung zu Juden gemacht werden sollen und das mit dem geistigen Israel die Staatsbürger des neuen Weltreiches gemeint seien.

6. Als Hauptbeweis über die geheime Verbindung zwischen Bibelforschern und dem internationalen Judentum und Freimaurertum wird immer wieder ein Brief vom 27. Dezember 1922 erwähnt und die überaus 'wichtige' Tatsache, dass ein jüdisches Lexikon die Bibelforscher-Lehre mit anführt und geschrieben hat, die Bibelforscher-Lehre sei eine Verinnerlichung des Christentums und entspreche dem Sinn der Bibel.

Ferner berufen wir uns besonders auf unser Jahrbuch 1934. Auf Seite 91/92 steht dort zu lesen: 'Es ist von unseren Feinden fälschlich behauptet worden, dass wir in unserer Tätigkeit von den Juden finanziell unterstützt werden. Dies ist absolut unwahr, denn bis zur gegenwärtigen Stunde ist auch nicht das geringste an Beiträgen oder finanzieller Unterstützung für unser Werk von Juden geleistet worden. Wir sind treue Nachfolger Jesu Christi; und glauben an ihn als den Heiland der Welt. Die Juden dagegen verwerfen Jesus Christus völlig und leugnen absolut, dass er der Welt-Heiland ist, der von Gott zum Nutzen des Menschen gesandt wurde. Schon allein diese Tatsache sollte genügender Beweis dafür sein, dass wir von den Juden nicht unterstützt wurden, und das die Anschuldigungen gegen uns in böser Absicht vorgebracht werden und falsch sind und nur von Satan, unserem großen Feinde, herrühren können.

Zu Punkt 1. Es ist nicht wahr, dass die Bibelforscher die Weltherrschaft Israels aufrichten wollen. Wahr dagegen ist, dass die Bibelforscher oder Zeugen Jehovas, völlig davon überzeugt sind, dass der große Schöpfer des Himmels und der Erde, der in der Bibel auch Jehova genannt wird, durch Jesus Christus, sein Königreich aufrichten wird, worum alle wahren Christen im 'Vater-Unser' seit Jahrhunderten gebetet haben: 'Dein Reich komme'. Dieses ist Gottes Königreich und ist völlig unabhängig vom Judentum, Katholizismus oder Protestantismus. Diese Belehrungen der Schrift haben nichts mit dem heutigen Judentum zu tun. Dies alles aber kann Fleischhauer nicht verstehen, weil er selbst nicht daran glaubt, dass die Bibel Gottes Wort der Wahrheit ist. Er ist daher auch gar nicht befugt, über biblische Lehren ein 'Gutachten' abzugeben. Seine Darlegungen beweisen eine kolossale Unwissenheit bezüglich der biblischen Lehre über die Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden, woran alle wahren Christen von jeher geglaubt haben. Hierüber lese man z. B. die Schriften des Pfarrers Reinhardt, des Pfarrers Kutter und Pestalozzi. Pfarrer Reinhardt in 'Reichs-Gottes-Hoffnung':

Diejenigen, welche den Chiliasmus (Reichsgotteshoffnung) vom Leuchter stießen, haben ein anderes Evangelium gepredigt als das Christi und seiner Apostel. Sie haben dadurch den lange Zeit verborgenen, in unsern Tagen aber immer offener an den Tag tretenden Abfall vom Christentum verschuldet. Das klar ersehnte und richtig verstandene oder das unklar erträumte und verkehrt gesuchte auf Erden kommende Königreich Christi, des wahren Friedefürsten ist das unzweifelhafte Ziel, welchem wir entgegengehen, und die gute Botschaft von demselben das dringendste Bedürfnis unserer Zeit.

Pfarrer Kutter in 'Gerechtigkeit': Das Christentum - seinetwegen kann die Welt noch lange ewig elend sein! Es verhindert keine Greuel, es webt um die Waffen seiner Bekenner den Glorienschein seiner Heiligenbilder oder seiner Bibelworte. Es begleitet die zum morden, sengen und brennen ausziehenden Heere christlicher Fürsten mit dem Segen seiner offiziellen Vertreter. Es hilft mit, die Armen ausbeuten und die Elenden in den Abgrund stoßen! … Aber unterdessen bleibt der Allmächtige nicht untätig. Ob die Menschen wollen oder nicht, er schreitet vorwärts. Mit unerschütterlicher Gerechtigkeit ist er bis zum heutigen Tage durch die faulen Gebilde bequemer Menschenkultur hindurch geschritten, was im Lauf der Zeiten seine Diener und Propheten geweissagt! - Nie ist es etwas anderes gewesen, als der immer deutlicher werdende Posaunenton seines herankommenden Reiches. … Der lebendige Gott kommt. Die Christenheit hat es nie geglaubt und heute zerbricht sie an diesem Kommen, weil sie Gottes vergessen hat.

Pestalozzi: Die Welt wird nicht christlich regiert. Die Regierungen als solche sind nicht christlich und der Staat als Staat handelt in seinen wesentlichen Einrichtungen wieder das Christentum.

… Zu Punkt 3. Die Bibelforscherbewegung besteht seit dem Jahre 1884 und hat Zweigniederlassungen in allen Ländern der Erde, ausgenommen Russland. Jesus Christus, unser Meister, verbietet uns das Kämpfen mit fleischlichen Waffen und die Ausübung irgendwelcher Gewalt. Gerade dort, wo die Gewalt vorherrscht, sei es im roten Russland oder im braunen Deutschland, ist die Tätigkeit der Bibelforscher von der maßgebenden Behörde seit 33 verboten. In allen andern Ländern darf die Tätigkeit ausgeübt werden … Als Beweis dafür, dafür, dass die Bibelforscher sich an keinem politischen Kampf beteiligen und sich keiner fleischlichen Waffen bedienen, zitieren wir aus Richter Rutherfords 'Schlusskampf' Seite 48:

'Die einzige Pflicht, die nun denen auferlegt ist, die auf der Erde sind, und einen Teil der Organisation bilden, besteht darin, Zeugen für den Namen und das Wort Jehovas zu sein und seine Lobpreisungen zu besingen. Diese haben keinen Teil an dem eigentlichen Kampfe und werden sich hierbei nicht beteiligen. Sie müssen jedoch ungeachtet aller Anfeindungen in ihrem Werke als Gottes Zeugen vorangehen, und das tun sie auch in vollem Vertrauen auf den Schutz des Herrn. Allerdings wird in den Schriften gesagt, dass Gott, der Höchste, alle Feinde des wahren Christentums und der wahren Religion bestrafen und vernichten wird in der großen Schlacht von Harmagedon. Aber es wird immer wieder betont, dass die Bibelforscher mit der Vernichtung der Feinde Gottes und seiner Wahrheit nichts zu tun haben, sondern das Gott selbst dies besorgen wird durch seine unsichtbare Macht.'

Rutherford sagt in seinem Werke 'Befreiung' Seite 269: 'Die Christen werden in dieser großen Schlacht nicht kämpfen. Sie kämpfen nicht, weil Jehova gesagt hat: 'Denn nicht euer ist der Streit, sondern Gottes.'

Weiter sagt die Bibel in Psalm 145 Vers 20: 'Jehova bewahrt alle, die ihn lieben und alle Gesetzlosen vertilgt er.' Jeremia 25:31. 'Die Gesetzlosen gibt er dem Schwerte hin.' Psalm 64:7: 'Aber Gott schießt auf sie - plötzlich kommt ein Pfeil; ihre Wunden sind da.'

Die Schriften der Bibelforscher oder Zeugen Jehovas haben in keinem Lande eine Revolution verursacht, sondern gerade das Gegenteil bewirkt, indem die Menschen ersucht werden, ihre Lasten geduldig zu tragen und auf Gottes Hilfe zu hoffen. Gerade aus diesem Grunde werden die Bibelforscher von den Sozialisten und Kommunisten abgelehnt. Übrigens wird in unsern Schriften selbst hervorgehoben, dass keine radikale Regierung jemals Erfolg haben wird, die Welt zu beherrschen und die gegenwärtigen Regierungen zu stürzen. (Siehe 'Regierung' Seite 13; 'Rüstung' Seite 313). Ferner zitieren wir aus 'Schlusskampf' Seite 11:

'Diese Wahrheiten werden nicht etwa zu dem Zweck veröffentlicht, Menschen zu bekämpfen, sondern ihre Veröffentlichung erfolgt, damit die Regenten und die Regierten jetzt erfahren sollen, dass Satan die sogenannte 'Christenheit' überwältigt und die ganze Welt unter seinen Einfluss bekommen hat … Wenn die Menschen alle Vorurteile zur Seite legen und die Wahrheit in unvoreingenommener Weise suchen, werden sie erkennen, dass Satan ihr großer Feind ist. Dann werden die Menschen aufhören, sich gegenseitig zu bekämpfen und werden sich ihres wahren Freunde, Christus Jesus, dem rechtmäßigen Herrscher der Welt und dem großen Gott, dem Geber jeder guten und vollkommenen Gabe zuwenden.'

Zu Punkt 4 … Richter Rutherford ist weder Jude noch Freimaurer und es befinden sich unter den Bibelforschern insbesondere unter den bevollmächtigten Vertretern der Bibelforschervereinigung keine Personen jüdischer Abstammung oder Juden. Die Bibelforscher haben keinerlei Beziehung zu lebenden Juden und können daher auch keine zu Fürsten der Erde berufen. Alle Bibelforscher halten sich fern von jeglicher Politik und haben zu keiner Zeit irgendwelche Beziehungen zu den heutigen Juden gehabt. Herzls Plan über einen jüdischen Staat, die Zionistische Bewegung und die Juden überhaupt, haben keine Beziehungen und keine Verbindungen mit der Bibelforscherbewegung.

Zu Punkt 5 … Auch in diesem Punkt zeigt Fleischhauer, dass er die Sache ganz und gar nicht verstanden hat und das er fantastische Dinge beweisen will, die nicht in den Schriften der Bibelforscher gelehrt werden und die er sich selber zurechtkonstruiert hat, indem er kurze Sätze aus dem Zusammenhang herausreißt und diesen Sätzen eine falsche Bedeutung unterschiebt. Seine Behauptungen, die Bibelforscher glaubten, dass alle Nichtjuden auf dem Wege der Beschneidung zu Juden gemacht werden sollen, ist zu lächerlich, um sie überhaupt ernst zu nehmen. Wohl wird in den Schriften behauptet, dass die Unvollkommenheiten im Königreiche Gottes aufhören werden, und dass auch die nationalen Gegensätze, die in der Vergangenheit zu Krieg und Hass Anlass gaben, ebenfalls verschwinden werden. Es wird aber nirgends behauptet, dass alle Menschen gezwungen werden sollen, Juden zu werden. Im Gegenteil wird immer wieder hervorgehoben, dass die Juden endgültig als Nation von Gott verworfen worden sind, sie keinen Vorzug haben werden vor anderen Nationen, dass kein Fleisch Gelegenheit haben wird, sich vor Gott zu rühmen. Ebenso wenig wird der Satz, 'am deutschen Wesen soll die ganze Welt genesen' Gültigkeit haben. Vor Gott besteht kein Unterschied der Person und kein Unterschied der Nation, denn die Schrift lehrt, dass Gott alle Menschen aus einem Blute erschaffen hat und damit ist nicht der Gott der Juden, sondern der Allmächtige gemeint, der Gott aller Nationen, ohne Rücksicht auf Rasse, Nation oder Sprache (Apostelgeschichte 17:26; Psalm 33:12).

Den Kommentar zu diesem beschließend, zitieren wir nochmals aus Rutherfords 'Schlusskampf' Seiten 9 und 10.

'Die Israeliten waren Gottes auserwähltes Volk und stellten im prophetischen Schattenbilde das 'organisierte Christentum' dar. Gott verwarf die Israeliten, weil sie sich zu einem Bestandsteil der Satansorganisation gemacht hatten. Das 'organisierte Christentum' ist das genaue Gegenstück des treulosen Israel, und Gott hat über diese 'Christenheit' in Jeremia 2:23 schreiben lassen: Kannst du sagen, ich bin nicht verunreinigt, ich bin dem Teufel nicht nachgegangen?' … Satans einziges großes Endziel ist darauf gerichtet gewesen, die Menschen von Jehova, dem wahren Gott, abzuwenden. Was hätte seinem Zweck besser dienen können als eine Religion, die sich nach dem Namen des Herrn benennt und gleichzeitig Lehrer und Prediger stellt, die allen Glauben an Gott und an die Bibel zerstören; indem sie Lehren, wie die Entwicklungslehre predigen? Gleich wie die Führer der Juden sich nach dem Namen Gottes benannten, aber dabei, wie Jesus es ihnen gerade heraussagte, große Heuchler waren, so nennen sich auch die Religionsführer des 'organisierten Christentums' nach dem Namen Christi, und das tun sie heuchlerischerweise; denn sie verleugnen Gott und Christus und sie leugnen auch die Bibel als die Wahrheit. Das 'organisierte Christentum' ist also zu Satan abgefallen und wird mit Recht als Babylon bezeichnet, weil es ein Bestandteil der gottlosen Organisation ist.

Zu Punkt 6. Der unrühmlichst bekannte und in allen Schmutz- und Schmähschriften gegen die Bibelforscher immer wieder zitierte sogenannte Freimaurerbrief aus dem Jahre 1922, wird auch von Fleischhauer hervorgeholt, um seine Behauptung um die geheime Verbindung zwischen Bibelforschern und dem internationalem Judentum und den Freimaurern nachzuweisen. Anlässlich einer Gerichtsverhandlung eines schweizerischen Gerichtes in Zürich wurde jedoch dieser Freimaurerbrief als 'plumper Schwindel' bezeichnet. Er wurde als Beweismaterial abgelehnt und später war dieser Brief unauffindbar, weil die Gegenpartei, die damals den Beweis, dass zwischen Bibelforschern und Juden Verbindungen bestünden, erbringen wollte, diesen 'wichtigen' Brief verschwinden ließ. Hier kurz die Geschichte des Briefes.

Am 18. Mai 1923 erfolgte im Auszuge und ohne Namensnennung die Publikation dieses Briefes im katholischen 'Morgen' in Olten. Als die damalige Leitung der Bibelforscher gegen diese irreführende Veröffentlichung Protest einlegte, erschien am 16. Juni 1923 eine weitere Publikation des sogenannten Christian Kreuz, alias Bomsdorff-Bergen im 'Morgen', in welcher ausdrücklich erklärt wurde, dass die Vereinigung der Bibelforscher die Richtigkeit des erschienenen Artikels bestreite, sowie auch die Richtigkeit des angeblichen Bibelforscher- oder Freimaurerbriefes und erkläre, mit der Freimaurerei nichts zu tun habe. Gleichzeitig erfolgte eine Ehrverletzungsklage-Androhung der Bibelforscherleitung durch den beauftragten Zürcher Rechtsanwalt Dr. Halblützel.

Dieser Protest und Klageandrohung Dr. Halblützels wurde von Christian Kreuz im 'Morgen' vom 3. Oktober 1923 publiziert. Bezeichnenderweise erfolgte eine weitere Publikation des erwähnten Briefes durch Christian Kreuz oder Bomsdorff-Bergen in Form einer Broschüre, betitelt 'Weltbetrug durch Zeichen, Wort und Griff an der Freimaurerei' im Dezember 1923. Auf Seite 142 und 143 dieses Elaborates wurde dieser Brief abgedruckt. Da Herr Bomsdorff-Bergen nicht den Mut hatte, unter seinem wahren Namen hervorzutreten, verbarg er sich hinter dem Pseudonym eines Christian Kreuz als Verfasser.

Gegen dieses erneute Vorgehen klagte nun die Bibelforscher-Vereinigung durch Rechtsanwalt Dr. Liebermann in Zürich den verantwortlichen Verleger, L. Keller-Zoller in Zürich ein. Im Verlauf des Prozesses gab der Verleger den Namen des Autors bekannt. Da derselbe jedoch ein Deutscher ist und von den schweizerischen Gerichten nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnte, musste es mit der Klage gegen den Verlag sein bewenden haben.

In der Folge des Prozesses wurde nun der Verleger, L. Keller-Zoller in die Enge getrieben, als er den Beweis der Richtigkeit für seine Veröffentlichung bringen sollte.

Der (Zeitungs- und Buchverlag) Verlag Otto Walter A. G. In Olten sollte den strittigen Brief herausgeben zur Einsicht des Gerichts. Dieser aber verbarg sich nun hinter allerhand Ausflüchten und ließ den Verlag L. Keller-Zoller in dem Bemühen, eine Beweisführung zu schaffen im Stich. Auf diese Weise wurde der beklagte Verleger L. Keller-Zoller gezwungen, einen Vergleich einzugehen vor Bezirksgericht Zürich, Pr. No. 625/1924 vom 4. Juni 1924, welcher wie folgt lautet:

'1. In der heutigen Verhandlung vor dem Untersuchungsrichter widerruft der Verlag L. Keller-Zoller die Veröffentlichung über die Internationale Bibelforscher-Vereinigung auf Seite 141/144 in der Broschüre 'Ein Weltbetrug durch Zeichen, Wort und Griff an der Werkmaurerei und erklärt, gegen die gerichtliche Beschlagnahme dieser Broschüre, des Leitsatzes oder Druckplatten nichts einwenden zu können.

2. Dieser Widerruf und die Erklärung erfolgt mit der Begründung, weil Otto Walter, Direktor des gleichnamigen Verlages und des katholischen Zeitungsunternehmens 'Der Morgen' in Olten das Original des auf Seite 142/43 der genannten Broschüre publizierten sogenannten Bibelforscher-oder Freimaurerbriefes unterschlug und nachher als unauffindbar verlegt angegeben hat, wodurch dem Verlag die Möglichkeit genommen ist, den im vorliegenden Prozess erforderlichen Beweis antreten zu können.

3. Der Verlag verpflichtet sich, die eingeklagten Äußerungen nicht in gleicher oder ähnlicher Form wieder zu veröffentlichen.

Namens des Bezirksgerichtes Zürich 3. Abteilung. Der Substitut. Dr. W. Frey'

Diese Tatsachen mögen genügen, um zu beweisen, welches Material und welche Quellen der Lüge und Verleumdung Fleischhauer genügt haben, sein Gutachten zu verfassen und die schmutzige Lügenkette böswilliger Behauptungen zu krönen.

Schließlich soll noch das jüdische Lexikon den Beweis erbringen, dass die Bibelforscher von den Juden begünstigt werden. Ein Lexikon muss notwendigerweise viele Dinge erwähnen und weil nun im Lexikon auch etwas über die Bibelforscher gesagt wird, ist der Beweis erbracht, dass die Juden die Bibelforscher unterstützen. Diese Fleischhauersche Logik könnte man auch so darstellen. Ein Protestant kauft bei Loeb ein Taschentuch und dabei ist der Beweis erbracht, dass der Protestantismus der internationale Judentum unterstützt.

Zusammenfassend erklären wir vor Gott und allen aufrichtigen Menschen, dass Fleischhauers Behauptungen falsch sind, dass keine Beziehungen zwischen Judentum, Freimaurerei und Bibelforschervereinigung bestehen, dass die Schriften der Bibelforscher nicht verderblich und christenfeindlich sind und das die Zeugen Jehovas keine jüdische Weltherrschaft befürworten, sondern das die Bibelforscher, oder wie sie jetzt heißen, Jehovas Zeugen, an Jehova, den allerhöchsten Gott, an seinen Sohn Jesus Christus und an die Bibel, als Gottes Wort der Wahrheit glauben und dass sie eifrig bestrebt sind, die trostbringende Botschaft über Gottes Königreich auf der ganzen Erde zum Nutzen aller gutgesinnten Menschen zu verkündigen und dass die Bibelforscher bei dieser ihrer selbstlosen Tätigkeit sowohl von katholischen, protestantischen und auch jüdischen Geistlichen bekämpft und befeindet worden sind.

Richter Rutherford behauptet in seinen Schriften, dass die jüdische, protestantische und katholische Geistlichkeit gemeinsame Sache gemacht haben und der Völkerbund als Ersatz für Gottes Königreich befürworten, und das dieser Völkerbund ein Greuel in Gottes Augen ist, und damit der Beweis erbracht ist, dass sowohl das organisierte Christentum, als auch das organische Judentum, sich von dem wahren Gott Jehova abgewandt haben und das einzige Rettungsmittel, nämlich, Jehovas Königreich, verwerfen. Wir zitieren Rutherford wörtlich aus 'Der gerechte Herrscher' Seite 48:

'Die Tatsachen zeigen, dass die Geistlichkeit, sowohl die katholische und protestantische, als auch die jüdische, den Völkerbund, der ein Machwerk des Teufels ist unterstützen und ihm dienen, Gegner des Königreiches Christi sind und sich dagegen verschworen haben. …

Bibelforscher haben keinen Streit mit Menschen und nehmen auch gar keine Partei in diesem Prozess, sondern sie wünschen lediglich, dass Gott und sein Wort der Wahrheit im rechten Lichte erscheinen möchte zur Rechtfertigung seines Namens und zum Nutzen aller gutgesinnten Menschen.'

Obige Darlegungen werden von den Unterzeichneten als wahrheitsgetreu bezeugt.

Der Direktor der Watch Tower Bible & Tract Society Zentraleuropas: M. C. Harbeck.

Der Sekretär: F. Zürcher."

Siehe auch: Sylvie Freymond

1935er Rückblick zur Zeugen Jehovas-Geschichte

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