Gaebelein contra „Tagesanbruch"

Wann immer ein Buch der „Trost"-Redaktion (Zeitschrift der Zeugen Jehovas. Vorläufer des „Erwachet!") bekannt wurde, welches einen vermuteten oder tatsächlichen Gegensatz zwischen „Christentum und Religion" zum Thema hatte; man kann „fast darauf warten". „Trost" wird sich seiner annehmen, und es (in der Regel) auch positiv besprechen.

Wieder einmal wurde „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 9. 1942 fündig. Diesmal muss ein amerikanischer Autor herhalten, dessen Schriften (zum Teil) gleichwohl auch in deutscher Sprache erschienen. Schon in dem „Zürcher"(Harbeck)-Buch „Kreuzzug gegen das Christentum", muss er als Autorität für die eigenen Auffassungen herhalten.

Sein Name Dr. theol. A(rno) C(lemens) Gaebelein.

Über dessen Buch „Christentum und Religion" weis „Trost" mitzuteilen:

„Schon der Titel dieses Buches verweist auf den oft hervorgehobenen Gegensatz zwischen Religion und dem wahren Christentum. Der Verfasser des Buches ist jedenfalls ein guter Kenner der Religion: Dr. theol. A. C. Gaebelein, ein Gelehrter, der mit ungewöhnlicher Überzeugungskraft für die göttliche Herkunft der Bibel eintritt. (Das Buch erschien 1930 bei R. Müller-Kersting, Huttwil, Bern.)

"Eine Betrachtung über den Ursprung und die Entwicklung der Religion und die Übernatürlichkeit des Christentums" nennt der Verfasser sein Buch. In fünf Hauptteilen behandelt er folgende Gegenstände:

1. Der Begriff "Religion" und viele Versuche, die Bedeutung des Wortes zu umschreiben.

2. Die Eigentümlichkeit, daß alle Völker und Stämme, alte und neue, primitive und kultivierte, Religionen haben.

3. Der Ursprung und die Entwicklung der Religion: Fortschritt oder Rückschritt seit den Uranfängen der Menschheit?

4. Der Werdegang der Religion im Lichte der Bibel.

5. Ist das wahre Christentum eine Religion?

Die zusammengefaßte Antwort auf die letzte Frage lautet (Seite 113) wie folgt:

"Aber ist das Christentum eine Religion? Nein! Das Christentum ist übernatürliche Offenbarung ... Es ist der Inbegriff dessen, was Gott dem Menschen mitzuteilen hat; eine höhere Offenbarung als die im Christentum enthaltene kann es nicht geben. Würde das Christentum seines übernatürlichen Charakters entkleidet, so wäre es nichts weiter als eine Religion, und dann vermöchte es ebensowenig den Menschen zu erretten und den hungrigen Seelen das Brot des Lebens darzureichen, wie der Buddhismus, Brahmanismus oder Konfuzianismus. Auf jede Art und Weise sucht man das Christentum seiner über-natürlichen Wahrheiten zu berauben ..."

Man beachte auch noch einige Gedanken aus der Einleitung zu der Frage, ob das wahre Christentum eine Religion sei (Seite 111):

"Man pflegt vom Islam, vom Hinduismus, Buddhismus ... als von den großen Weltreligionen zu reden und auch das Christentum unter die großen Weltreligionen zu rechnen. Damit stellt man das Christentum mit jenen andern Religionen auf die gleiche Stufe. Dasselbe ist der Fall, wenn man den Herrn Jesus Christus unter den Religionsstiftern aufführt. Er, der etwas unendlich Höheres ist, wird oft der Stifter einer großen Religion oder auch einer der großen religiösen Führer genannt und einem Zoroaster, Buddha Gautama, Konfuzius, Sokrates und Mohammed gleichgestellt. Es ist aber verkehrt, das Christentum eine Religion zu nennen. Ebenso verkehrt ist es, den Herrn Jesus Christus einen Religionsstifter zu heißen."

Und weshalb diese Zitiererei? Der Grund kommt wohl im nachfolgenden „Trost"-Satz zum Ausdruck:

„Als Richter Rutherford mehrere Jahre später ebenfalls das Wort Religion benützte, um den großen Gegensatz zwischen Menschensatzungen oder religiösem Formenwesen und göttlicher Botschaft hervorzuheben, wurde dies geflissentlich missverstanden. ... zeigen aber, daß nicht Feindschaft gegen das wahre Christentum die Ursache der klaren Unterscheidung ist. Jesus selbst hat auf den wesentlichen Unterschied zwischen wahrer und angeblicher Gottesverehrung in Matthäus 15: 8-9 aufmerksam gemacht:

"Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, lehrend als Lehren Menschengebote." Auch entspricht es des Meisters Wort, daß nur wenige wahre Gottesverehrung üben, aber viele sind derer, die den breiten Weg gehen und irgendeine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Alle diese Formen beanspruchen religiös zu sein. Darum erachten wir und die Verfasser obiger Bücher es als passend, die unbiblische Form der Gottesverehrung "Religion" zu nennen.

Wieder zum Buch von Gaebelein zurückkehrend äußert „Trost" dann weiter:

„Siebenfacher Beweis

Auf Seite 114 führt der Verfasser die starken Gründe an, die ihn bewogen, wahres Christentum und menschliche Religion scharf zu trennen. Er schreibt:

"Wir wollen jetzt sehen, worin die übernatürliche Offenbarung des Christentums eigentlich besteht. Wir werden sieben übernatürliche Tatsachen hervorheben, die das Christentum kennzeichnen, und die beweisen, daß das Christentum weder ein menschliches Religionssystem noch das Ergebnis eines religiösen Entwicklungsganges ist. Diese sieben Tatsachen sind:

l. Eine übernatürliche Grundlage.

2. Eine übernatürliche Person.

3. Ein übernatürliches Erlösungswerk.

4. Eine übernatürliche Auferstehung.

5. Eine übernatürliche Botschaft.

6. Eine übernatürliche Kraft.

7. Eine übernatürliche Wiederkunft."

In dem interessanten Abschnitt über die göttliche Grundlage befaßt sich das Buch mit der Bibel und den Verkehrtheiten der Bibelkritiker, welche unter anderm beispielsweise den Schöpfungsbericht als Göttersagen und Volksmärchen bezeichnen.

Hier möge noch ein Zitat aus einem frühem Abschnitt über die Bibel folgen (Seite 72):

"Die Bibel! Das Buch der Bücher! Wie oft hört man in unseren Tagen sagen, auch andere Völker hätten ihre Bibeln. Die heiligen Schriften des Ostens sind damit gemeint, die Rig-Veda, die Zend-Advesta, die Upanishads, die Gesetze des Manu, der Koran und andere. Wir besitzen diese Bücher und haben viel Zeit auf ihr Studium verwandt. Je mehr man sich darin vertieft, desto mehr ist es einem, als ob man in einem elenden Sumpf wate. Man sucht vergeblich nach einem Lichtstrahl, nach etwas, was das Verlangen der menschlichen Seele befriedigen könnte. Je weiter man darin liest, desto dunkler kommt einem alles vor. Und vieles darin ist unsittlich. Ja teilweise sind diese "heiligen Schriften" derart schmutzig, so schauerlich unzüchtig, daß ihre Übersetzung nie unternommen worden ist. - Wir legen sie beiseite und greifen zu dem einen Buch ..."

Im Abschnitt von der übernatürlichen Person wird auf die Größe und Unvergleichlichkeit des göttlichen Lehrers und Erlösers hingewiesen; Welche Religion oder religiöse Gemeinschaft hat einen Lehrer, wie Jesus einer war, der nie etwas lehrte, was nach 19 Jahrhunderten seinen Wert verlor? Er redete nicht aus sich selbst, sondern er überbrachte die Botschaft Gottes, welche die Wahrheit ist.

"Niemals hat ein Mensch so geredet, wie dieser Mensch" (Joh. 7: 46), mußten die Diener des Hohenpriesters bezeugen, als sie ausgesandt wurden, um ihn zu ergreifen. Andere Lehrer in allen Religionen gaben Unterweisungen und sittliche Belehrungen, die mit kindischen, unvernünftigen und törichten Behauptungen vermischt waren. Der Lehrer der wahren Kirche hat sich nie geirrt.

Ein Vergleich des biblischen Berichtes mit den Berichten über orientalische Religionsstifter, etwa Buddha und ihre Legenden T Seite 126-130) zeigt den unermeßlichen Gegensatz zwischen Wahrheit und menschlicher Religion besonders deutlich.

Auch das übernatürliche Erlösungswerk Christi, wodurch allein Menschen vom Tod errettet werden können, unterscheidet die göttliche Botschaft von allen andern Menschenlehren (Seite 132):

„Welches war dieses Werk? Kam Er als Reformator, um die Aufhebung gewisser damaliger Übel, wie Sklaverei, zu vertreten? Kam Er, um vor den Menschen ein vollkommenes Leben zu führen, damit sie sein Beispiel nachahmen möchten? Kam Er als Wegweiser? Oder kam Er als Philosoph, um die Geheimnisse des Lebens zu erklären? Oder kam Er, um eine neue und befriedigendere Religion zu stiften?

Wenn dies oder ähnliches der Zweck Seines Kommens und Seines Wirkens auf Erden gewesen wäre, so stünde Er auf derselben Stufe mit Reformatoren, mit guten, tugendhaften Männern, Philosophen und Religionsstiftern, die Ihm vorangegangen sind. In diese Klasse wird Er von allen eingereiht, die den wahren Zweck seiner Sendung, für den Gott, Sein Vater, Ihn gesandt hat, verkennen ... Er kam, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist ..."

Und dann äußert „Trost" seinerseits redaktionell:

„Daß sich die göttliche Lehre von der Auferstehung sehr stark unterscheidet von allen heidnischen und sog. christlichen Lehren religiöser Prediger über "Jenseits" und "unsterbliche Seele", ist unsern Lesern wohl bekannt. Von modernen Theologen wird die Lehre der Auferstehung gewöhnlich irgendwie bildlich umgedeutet, weil sie es nicht glauben, daß ein Mensch, der gestorben ist, jemals wieder wie Lazarus (nach begonnener Verwesung) als Mensch wie zuvor auf Erden weiterleben kann.

Hierüber schreibt Dr. theol. Gaebelein in seinem Buch (Seite 149):

"Der Modernist gebraucht wohl auch das Wort "Auferstehung", doch redet er von der Auferstehung Christi in einem ganz ändern Sinn als die Schrift. Er sagt uns, daß es eine "geistige" (sinnbildliche) Auferstehung gewesen sei. Christus lebe in Seinen Worten, durch Sein Vorbild und durch Seinen Geist. Daher redet der Modernist fortwährend von dem "Christus-Geist".

Verzeihung, ihr großen Gelehrten, aber eine "geistige Auferstehung Christi" ist barer Unsinn!"

Gemeint ist hier: eine sinnbildliche, nicht wirkliche," nur sogenannte Auferstehung, im Sinne von: Weiterleben in den Werken oder in den Jüngern, also nicht persönlich - und das ist gewiß nicht der Sinn der biblischen Auferstehung. Nein, diese Auffassung ist modern und religiös, aber nicht biblisch.

Im Abschnitt von der übernatürlichen Botschaft wird gezeigt, warum es falsch ist, die göttliche Botschaft mit einer Moralvorschrift über Charakterentwicklüng zu verwechseln (Seite 157):

"Hier haben wir einen der Fehler, die in der Christenheit verbreitet sind. Viele denken, daß zum Beispiel die Bergpredigt diese Botschaft enthalte. Die "Goldene Regel" wird als eine Botschaft hingestellt, in der Christus den Weg der Selbstverbesserung anzeige. Von den Feinden des übernatürlichen Christentums wird auch darauf hingewiesen, daß der Buddhismus ähnliche Aussprüche enthalte ..."

Interessant sind in diesem Abschnitt auch die Auseinandersetzungen mit den modernen Theologen, welche behaupten, das Johannesevangelium und die Briefe des Paulus enthalten schon eine Entstellung der reinen Lehre Jesu (Seite 159):

"Wir können nicht auf alle Gründe eingehen, warum der Jünger (Johannes), den der Herr lieb hatte, dieses Evangelium fast vierzig Jahre nach den Synoptikern (Matthäus, Markus, Lukas) geschrieben hat. Wir nennen nur einen Grund. Während dieser vierzig Jahre waren sonderbare und irrige Lehren in bezug auf die Person und das Werk Christi aufgekommen, die der Kirche viele Mühe machten. In dieser Zeit entstanden der Gnostizismus, der später soviel Unheil anrichtete, sowie andere religiöse Systeme, die in neuzeitlichen Bewegungen wieder aufgelebt sind. Um diese Irrlehren zum Schweigen zu bringen, trieb der Geist Gottes den bejahrten Johannes an, die Worte Christi niederzuschreiben.

Die Echtheit des vierten Evangeliums ist angezweifelt worden. Man hat seine Entstehung in die Mitte oder zu Ende des zweiten Jahrhunderts verlegt. Hat der Apostel Johannes dieses Evangelium nicht geschrieben, so möge einer dieser gelehrten Kritiker doch sagen, wer es geschrieben hat? Der Beweis dafür, daß kein anderer als Johannes der Verfasser ist, überragt unendlich die Bedenken der Zweifler."

Ähnlich lesen wir von den Kritikern des Apostels Paulus (Seite 162):

"Zurück zu Christo!' Das ist der Ruf, der oft in unsern Tagen gehört wird. Er hört sich gut an, aber es steckt etwas Böses dahinter. Richtig gelesen lautet er:

„Zurück zu Christo und weg von Paulus!' Paulus wird vorgeworfen, er habe als Meister des Verstandes ein theologisches und eschatologisches Lehrgebäude ausgearbeitet. Man beschuldigt ihn, dieses Evangelium und diesen Heilsplan zusammengestellt... zu haben. Man sagt, die Lehren Christi in der Bergpredigt und Seine ändern sittlichen Belehrungen hätten nichts von den Lehren des Apostels enthalten. Paulus habe sie alle erdacht und als seine Meinung verbreitet ... Aber Paulus versichert uns, daß das Evangelium, welches er predigte, ihm durch Offenbarung Jesu Christi gegeben war. Dieses Evangelium trägt das Zeugnis in sich selbst, daß es übernatürlich und nicht von eines Menschen Gehirn ersonnen ist. Diesem Evangelium ist der Stempel des Übernatürlichen aufgeprägt."

Daß es auch für Gläubige schwer ist, sich von religiösen Menschenlehren frei zu halten, zeigt der Abschnitt über die "übernatürliche Kraft". Diese Kraft ist der Heilige Geist, schreibt der Verfasser und fügt bei, daß daran festgehalten werden müsse, daß der Heilige Geist nicht ein Einfluß, sondern eine göttliche Person sei.

Alles was er sonst noch von diesem Geist berichtet, ist der Bibel entnommen und zeigt, daß diese Kraft keine Person sein kann, nach unserm Verständnis.

Im letzten Abschnitt von der Wiederkunft lesen wir (Seite 180):

"Soviel aber möchten wir doch noch sagen, daß kein wahrer Theologe die Eschatologie des Herrn Jesus Christus übergehen kann. Tut er es doch, oder behandelt er sie als etwas Nebensächliches, so wird er bald in den Nebeldunst des Modernismus geraten."

Ferner Seite 188:

"Die Modernisten meinen ferner, alle Lehren Christi von einem persönlichen Teufel und die Versuchung, der Er selbst durch letzteren ausgesetzt war, seien babylonische und persische Fabeln. Seine Voraussage von einem zweiten Kommen müsse deshalb auf die gleichen Quellen zurückgeführt werden."

Die letzten Seiten des Buches weisen dann nach, daß es ganz unmöglich ist, die Verheißung der Wiederkunft Christi und der Aufrichtung seines übernatürlichen Reiches aus dem Rahmen der göttlichen Botschaft herauszureißen. "Die Kirche wäre dann ohne Zweck und Ziel, die Welt ohne Hoffnung. Eine Nacht zunehmender Finsternis und Verzweiflung würde hereinbrechen. Der Sieg würde dann den Mächten der, Bosheit zufallen." (Seite. 150.)

Doch der Verfasser glaubt fest an die Wiederkunft Christi, welches der endgültige Beweis für die Übernatürlichkeit des Christentums sein wird. "Die Bitte: ,Dein Reich komme!' wird in der Aufrichtung Seines Reiches ihre Erfüllung finden."

Wir geben noch einiges aus den letzten Zeilen wieder (Seite 192):

"Aber seine Wiederkunft wird noch etwas anderes bedeuten. Sie wird die vollständige und endgültige Antwort auf jede Form des Unglaubens, des Rationalismus, Atheismus, Gnostizismus, Pantheismus und Evolutionismus mit sich bringen. Der Modernismus und jede andere Bewegung und Lehre, die Christus und Sein Erlösungswerk verneinen, werden mit Schande und auf immer erbleichen und versinken.

Damit schließen wir. Unsere Sicherheit, Gewißheit und Ruhe gründen sich nicht auf menschliche Religion, sondern auf den im übernatürlichen Christentum geoffenbarten Gottessohn."

In den USA gibt es sicherlich vielerlei Formen konservativen Christentums. Ein besonders „prächtiges" Exemplar davon ist offenkundig auch dieser Herr Gaebelein.

Wie man sieht, erfuhr dieser Herr Gaebelein, seitens „Trost" eine umfängliche und auch wohlwollende Besprechung. Das die aber interessegeleitet ist, dürfte auch offenkundig sein.

Wofür „bricht denn Herr Gaebelein eine Lanze"? Doch für eine Form von Religiosität, welche nicht zwangsläufig mit der von „Trost" favorisierten identisch ist. Stellvertretend im Buch das Gaebelein steht dafür auch dessen Aussage auf S. 24, und die wird nach meinem Überblick von „Trost" so nicht zitiert:

„Alfred Russel Wallace, Darwins Mitarbeiter und einer der hervorragendsten Anhänger der Entwicklungslehre, hat in seinem Werk über den Darwinismus einige bemerkenswerte Zugeständnisse in bezug auf die sittlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen gemacht. Während er an Darwins Abstammungslehre von der natürlichen Zuchtwahl festhält, erklärte er doch auch, daß die anderen Fähigkeiten des Menschen niemals von Tieren herstammen können.

Weiterhin zeigt er, daß diese höheren Fähigkeiten im Menschen auf eine unsichtbare Welt schließen lassen - auf eine Geisteswelt, die der Welt des Stoffes durchaus übergeordnet ist. Wallace liefert einen treffenden Beweis gegen die ganze Entwicklungslehre."

Wie immer man letzteres Zitat nun einschätzt; ob man darin einen Disput (im Ansatz) gegen die WTG sieht oder nicht. Diese Frage mag jetzt unentschieden bleiben. Eines aber ist offenkundig „Trost" entgangen. Und es ist mehr als zweifelhaft, hätte „Trost" diese Kenntnis gehabt, ob es dann noch in seinen Spalten dieses Jubelbericht über den Herrn Gaebelein gegeben hätte.

Nun kann man jene Kenntnislücke ja durchaus nachvollziehen. Der normale im Deutschsprachigem Raum lebende Bürger, hat wohl eher wenig bis gar keine Kenntnis, was an Schrifttum in deutscher Sprache, beispielsweise im Jahre 1916, in (New York, USA) erschien. Gleichwohl gibt es Stellen, wo man sich auch zu diesen Fragen sachkundig machen kann, wenn man den will. Beispielsweise in der Deutschen Bücherei Leipzig, die auch solches Schrifttum sammelt, wenn es denn ihr bekannt wurde.

Und siehe da, just im Jahre (etwa) 1916, veröffentlichte derselbe Dr. theol. A. C. Gaebelein in New York eine deutschsprachige Schrift; laut Untertitel „Für freie Verteilung zu beziehen durch den Verfasser, 80 Second Street, New York, U.S.A."

Nun hat eben genannte Deutsche Bücherei auch von diesem Angebot Gebrauch gemacht (1916 B 3068).

Noch interessanter wird es aber, wenn man den Titel dieser Schrift des Dr. Gaebelein zur Kenntnis nimmt. Selbiger lautete schlicht ein einfach:

„Die gefährlichen und falschen Lehren des 'Tages-Anbruch'. Eine Warnungsschrift."

Und quasi als Kontrast zu der umfänglichen Zitierung des Gaebelein durch „Trost" sei selbige auch noch etwas näher vorgestellt (kommentarlos). Die Kommentierung mag den der geneigte Leser für sich selbst vornehmen.

Einleitend (S. 3) schreibt da dieser Dr. Gaebelein:

„Seit eine Reihe von Jahren sind in Amerika eine Anzahl Bände erschienen, welche unter dem Namen 'Millinial Dawn' eine weiter Verbreitung gefunden haben. Dieselbe Gesellschaft, die diese Bücher herausgibt hat hundert Tausend Flugschriften über das ganze Land verteilen lassen, in welchen dieselben Lehren welche in den grösseren Büchern gelehrt werden, in gedrängter Form gegeben sind. Diese Bücher und Flugschriften aber enthalten die allerfürchterlichsten Irrlehren und sind ein reines Seelengift zu nennen.

Diese elenden Verzerrungen der göttlichen Wahrheit haben in Amerika unendlichen Schaden getan und manche teure Seele verführt.

Leider aber ist dieses böse Werk auch in andere Sprachen übersetzt worden, und der Feind hat es in verschiedenen Ländern gebraucht um Seelen zu verwirren und von der reinen Wahrheit abzuleiten.

Auch in Deutschland und der Schweiz sind diese Irrlehren aufgetaucht und diese Bände unter dem Titel „Tages-Anbruch", überall verbreitet worden, und haben auch da, wie in Amerika, unermesslichen Schaden getan. Wir haben es daher unternommen in deutscher Sprache eine kurze Blosstellung dieser Irrtümer zu veröffentlichen, um sie als Flugschrift bei den tausenden zu verbreiten."

Und diese „Blossstellung" sieht nach Gaebelein dann so aus:

„Die „Tagesanbruch" Lehre ist zuerst eine totale Verneinung der absoluten Gottheit unseres hochgelobten Erlösers Jesu Christi. Das erste was der gläubige Christ aufgeben muss, wenn er diesen Büchern Beifall schenkt und ihre Lehre annimmt, ist die Person Jesu Christi.

„Tagesanbruch" lehrt, dass der Herr Jesus nur eine blasse Kreatur ist. Vor seiner Menschwerdung war der Herr nur ein Geschöpf, und zwar höher als die Engel. Diese schändliche Lüge ist nichts neues. Sie war schon im Anfang dieses christlichen Zeitalters vom Teufel erfunden worden. Arius und andere Irrlehrer haben dieselbe verteidigt. Was der Schreiber „Russell", der diese Bücher verfasst hat, für Schriftverdrehungen gebraucht um diese Irrlehre neu aufzutischen, können wir hier nicht weiter verfolgen.

Doch Johannes 1:1 ist genügend, um diesen elenden Irrtum vollständig bloszustellen, trotz allen Spitzfindigkeiten des „Tagesanbruch".

„Im Anfang war das Wort (unser Herr und Heiland), und das Wort war bei Gott und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott."

Also die erste giftige, wiederbiblische Lehre des „Tagesanbruch" ist die Verneinung der absoluten Gottheit Christi.

Lieber Leser, wenn Er nicht Gott war in aller Ewigkeit, so haben wir keinen Heiland und keine Erlösung. Diese falsche Lehre sollte an und für sich genügend sein, dass jeder gläubige Christ diese Bücher verwirft.

Und sogar die leibliche Auferstehung des Herrn, diese grosse Fundamentallehre unseres Glaubens und Grund unserer Hoffnung ist durch „Tagesanbruch" geraubt. Seine Auferstehung war nach dieser schändlichen Lehre nur eine geistliche. Was wurde dann aber aus dem Leibe des Herrn?

„Der Leib unseres Herrn wurde auf übernatürliche Weise aus dem Grabe entfernt ... Ob Er in Gase aufgelöst wurde, oder ob Er noch irgendwo aufbewahrt wird als das grosse Denkmal der Liebe Gottes, oder des Gehorsams Christi, oder unserer Erlösung, kann Niemand wissen".

Man kann kaum glauben das Bibelgläubige einem solchen Unsinn Gehör schenken können.

Dann lehren diese Bücher, dass der Herr Jesus erst nach seiner Auferstehung göttlich wurde. Dieses geschah als Belohnung für Seinen völligen Gehorsam. Für einen solchen Glauben der Verwandlung gibt es noch nicht einen einzigen Schriftgrund. Es ist dasselbe wie die römischen Götzendiener sich vorgestellt haben, dass ihre Helden nach ihrem Tode den Göttern gleich werden. Die Schrift lehrt deutlich. Jesus war immer Gott in Ewigkeit; Er war Gott geoffenbart im Fleische und in der Auferstehung ist Er derselbe.

Und was lehrt dieser „Tagesanbruch" (ein besseres Wort wäre „Nachtanbruch") vom zweiten Kommenm Jesu Christi? Hier besonders ist es wo wir Satans Spuren genau entdecken.

Und denke nur, lieber Leser, diese neue Lehre behauptet dass der Herr Jesus schon gekommen ist. Er soll im Jahre 1874 gekommen sein, und nun besteht schon seit dreissig Jahren das tausendjährige Reich Gottes, denn die Schrift lehrt, dass mit der Wiederkunft Christi das Reich Gottes anfängt und Satan gebunden wird. Braucht es noch weitere Beweise diese falschen Lehren bloszustellen?

Schliesslich ist die Behauptung in „Tagesanbruch" aufgestellt, dass dieses ganze Zeitalter in 1914 endet. Dass auch dafür kein Schriftgrund vorhanden, braucht keiner weiteren Erwähnung.

„Tagesanbruch" lehrt eine andere gottlose Lehre, die Lehre der Wiederbringung aller Dinge und schliessliche Erlösung der Gottlosen. Diese Lehre wurde von einem gewissen Henry Dunn erfunden, obschon der Satan früher andere Werkzeuge hatte durch welche er die alte Lüge: „Ihr werdet nicht des Todes sterben" verbreitete.

Nach dieser Lehre würden die Gottlosen (mit wenigen Ausnahmen) am Anfang des tausendjährigen Reiches auferweckt und in ihren früheren Stand zurückgebracht werden, und dann in einer neuen Probezeit Sünde und Versuchung überkommen, so dass sie nicht zu sterben brauchen.

Zum Schluss geben wir das Zeugnis eines frommen amerikanischen Professors, Herrn M., der sich über „Millenial Dawn (Tagesanbruch)" also ausspricht:

„Dies ist „Tagesanbruch", ein Gemisch von Unitarismus, Universalismus, zweite Probezeit und Swedenborgischer Methode der Bibel Auslegung. Welche unendliche Unehre wird dem Sohne Gottes angetan, der zuerst als eine geistliche Kreatur dargestellt wird, dann als ein blosser Mensch, und erst nach seinem Tode soll Er göttlich geworden sein.

Derjenige welcher auf Golgatha starb, soll ein Mensch und nur ein Mensch gewesen sein. Unsere Erlösung beruht auf dem Werke eines Menschen wie wir selbst sind, ausgenommen, dass Er ohne Sünde war. Die Bibel sagt mir aber, das mein Heil ausgewirkt worden ist durch Einen, der sowohl Gott als Mensch war, der göttlicher Mittler Jesum Christum (Apostelg. XX:28). Er, der jetzt zur Rechten des Vaters ist, soll nichts Menschliches an sich haben, denn nach der Lehre von „Tagesanbruch" ist sein Leib nie auferweckt worden.

Ist dies nicht dasselb wie wenn der ungläubige Renan sagt:

„Der Stein von Seinem Grabe ist nie weggewältz worden."

Und doch ist auf dem Titelblatt des Buches zu lesen: „Für Bibelforscher."

Unter allen Büchern in der englisch sprechenden Welt ist dieses eines derjenigen welche die meisten Irrtümer enthalten. Möge Gott in Seiner Barmherzigkeit Sein Volk bewahren vor dem Gifte des Betrugs, das es enthält."

1916er Rückblick zur Zeugen Jehovas-Geschichte

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